Kirsten Mahlke Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)



Übergänge: Handbuch der Ethnographie
- 355 Seiten
- 13 Lesestunden
Das Handbuch der Ethnographie basiert auf den stenographierten Mitschriften der Vorlesungen von Marcel Mauss, die er von 1926 bis 1939 jedes Jahr am Institut d’Ethnologie der Universität Paris gehalten hat. Seine Schülerin, die Afrikanistin Denise Paulme, hat es 1947 herausgegeben. Dieses Handbuch, das nun zum ersten Mal in deutscher Übersetzung vorliegt, spiegelt die methodischen Leitfäden und thematischen Schwerpunkte wider, die Marcel Mauss ins Zentrum der ethnologischen Ausbildung gesetzt hat. Mauss, der, abgesehen von einer Reise nach Marokko, niemals selbst Feldforschung betrieben hat, wusste mit seiner überragenden Lehr- und Forschungstätigkeit gleichwohl eine ganze Phalanx französischer Ethnologen, Philosophen und Altphilologen auszubilden, von denen Roger Caillois, George Devereux oder Germaine Dieterlen nur die bekanntesten sind. Wir waren, so schrieb er 1930 im Rückblick, bei der Entdeckung dieser neuen Wissenschaft, »Verlorene im Wald, die sich nur orientieren konnten, indem sie sich gegenseitig riefen.« Dank Marcel Mauss, des großen Ethnologen der Gabe, des Opfers, des Gebets, des Mythos, der Internationalität, der Körper- und Medientechniken, hat sich dieser Wald inzwischen gelichtet.
Wer in die Fremde reist, stößt dort kaum auf das ganz Unbekannte. Die Amerikaberichte aus dem 16. Jahrhundert, denen sich die Autorin widmet, führen das auf lehrreiche und auch kurzweilige Art vor Augen: Ihre protestantischen Autoren entdecken in der neuen Welt einen Spiegel der alten, und sie benutzen diese Gegenbilder im konfessionellen Streit. In solcher Perspektive rücken protestantische Märtyrer und die Opfer des Kannibalismus zusammen, und selbst die Eucharistie gerät in schlimme Nachbarschaft.