»Freiheit ist nicht möglich ohne Autorität (sonst wird sie zum Chaos) und Autorität nicht ohne Freiheit (sonst wird sie zur Tyrannei).« Diese Forderung Stefan Zweigs nach politischer Vernunft und humaner Toleranz bildet den Kern dieses 1936 geschriebenen Buches »gegen alle Gewalten der Gewalt«. Anhand historischer Ereignisse zeigt er die Gefahren und das Übel der eigenen Zeit im Spiegelbild besonders deutlich auf und gibt dadurch zugleich seiner Mahnung Gültigkeit für alle Zeiten. Der französische Humanist Sebastian Castellio tritt am entschiedensten von allen seinen Zeitgenossen gegen Jean Calvin auf, den Genfer Reformator, der Lehre und Macht despotisch verwaltet. Vor allem aber ergreift er die Partei des der Gotteslästerung angeklagten und schließlich auf dem Scheiterhaufen hingerichteten spanischen Arztes Michael Servet. Nach Vollstreckung dieses Urteils scheint der Kampf entschieden, die Forderung theologisch-politischen Anspruchs die der Toleranz endgültig über wunden zu haben. Doch Castellio setzt unter Einsatz aller Kräfte den aussichtslos erscheinenden Kampf fort.
Alzir Hella Bücher



Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau
- 95 Seiten
- 4 Lesestunden
Für große Aufregung sorgt das Verschwinden eines weiblichen Gastes in einer kleinen Pension an der Riviera. Was ist passiert? Ein Unglück? Nun, wie man es nimmt … Madame Henriette ist mit einem jungen Franzosen durchgebrannt, einem äußerst charmanten Beau, den sie erst am Tag zuvor kennengelernt hatte. Kaum zu glauben! Das völlige Unverständnis auf Seiten der Hotelgäste fordert den Ich-Erzähler zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für den mutigen Schritt der Ehefrau und Mutter heraus, die einzig ihrem Gefühl folgte. Eine hitzige Diskussion entbrennt, die sich erst durch das Einschreiten von Mrs. C., einer vornehmen älteren Dame, beruhigt. Was niemand ahnt: Auch in ihrem Leben gab es einst einen jungen Mann. Sie beginnt zu erzählen: Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau, nach denen nichts mehr war wie zuvor.
»Rätselhafte psychologische Dinge haben über mich eine geradezu beunruhigende Macht«, erklärt der Erzähler von Stefan Zweigs Novelle ›Der Amokläufer‹. Und tatsächlich übt die Geschichte der extremen Besessenheit eines Mannes von einer Frau einen derart mitreißenden Sog aus, dass sie den Leser selbst bei dem Versuch, das Handeln des Protagonisten zu begreifen, in psychologische Abgründe zu stürzen scheint. 1922 erstmals veröffentlicht, wurde die von der Lehre Sigmund Freuds inspirierte Novelle nur wenig später für Zweigs Sammelband ›Amok. Novellen einer Leidenschaft‹ titelgebend und erfuhr zudem mehrere Verfilmungen.