Grenzgänger der Wissenschaft
- 249 Seiten
- 9 Lesestunden






Selektionsmaschine oder demokratische Lerninstitution?
Schüler laufen Amok, Hauptschulen fühlen sich der Gewaltausübung ihrer Klientel nicht mehr gewachsen. Trotzdem wird auch am Bildungswesen wird gespart. Die sattsam bekannten Systemmängel werden damit noch verfestigt. So wie sie sind, betreiben Schulen Auslese und schaffen Ungleichheit. Sie beschädigen das Selbstkonzept von Kindern und Jugendlichen und erzeugen ein Klima der Rivalität, das zur Konkurrenzgesellschaft passt. So behindern sie das Lernen eher, als dass sie es förderten. Junge Menschen entwickeln oft eine zunehmende Schulunlust und haben das Angepaukte schnell wieder vergessen. Dass hinter den offiziellen Bildungsplänen ein heimlicher Lehrplan wirkt, ist bekannt. Geändert wird wenig. Schlimmer noch: Schulen tragen zur Herausbildung einer Einstellung bei, die durch Indifferenz gegenüber dem eigenen Handeln geprägt ist. Sie entspricht als 'Job-Mentalität' neoliberalen Konzepten und ist zugleich auch funktional für ein totalitäres System, das im Hintergrund des 'Turbokapitalismus' lauert.
Plädoyer für eine pädagogische und bildungspolitische Wende
Das deutsche Schulsystem passt nicht in eine Demokratie mündiger Bürger. Es erzieht zu Desinteresse und Passivität. Es benachteiligt die sozial Unterprivilegierten, hält 'bildungsferne Schichten' von der Bildung fern, erschwert den Kindern der Zuwanderer die Integration und behinderten Schülern die Inklusion. Es verschwendet Steuergelder und ist ineffektiv. Trotzdem wird es von Konservativen mit Zähnen und Klauen verteidigt. Integrative Schulformen wie die Gemeinschaftsschulen werden als 'Einheitsschulen' denunziert; das eindeutige Votum der Fachwissenschaften für diesen Schultyp wird ignoriert. Das Buch bietet Argumente für die schulpolitische Debatte. Es fordert eine kopernikanische Wende in Schulpolitik und Schulpädagogik. Statt Schülerinnen und Schüler zu blockieren, muss die Lernfreude von Kindern und Jugendlichen aktiviert werden. Individualisiert sind die Stärken jedes Einzelnen zu fördern und das in gleichem Ausmaß für alle Kinder. Der Blick auf Erfolge reformorientierter Schulen und ins Ausland zeigt, was möglich ist.