Molderings' Essay zeichnet die wissenschaftlichen, philosophischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen der so spielerischen wie deutungsoffenen Ästhetik Duchamps nach, und erschließt ihn so als richtungsweisende Figur der modernen und postmodernen Kunst.
1945 publizierte Marcel Duchamp in der amerikanischen Zeitschrift View ein fotografisches Selbstporträt, das ihn der Bildunterschrift zufolge „at the Age of 85“ abbildete. In Wirklichkeit war er damals erst 58 Jahre alt. Bisher war über die Entstehungsumstände dieser Inkunabel der „inszenierten Fotografie“ nichts bekannt. In dem Buch wird erstmals ein jüngst entdecktes Skript Friedrich Kieslers veröffentlicht, in dem dieser in allen Einzelheiten beschreibt, wie er seinem Freund Marcel Duchamp dabei assistiert hat, sich vor der Kamera des New Yorker Fotografen Percy Rainford als greisenhafter Künstler-Philosoph zu stilisieren. Der bekannte Duchamp-Experte Herbert Molderings interpretiert Duchamps Selbstporträt als neuartigen, konzeptuellen Umgang mit der Fotografie. Der Fotoapparat wird als „Zeitmaschine“ benutzt, jedoch nicht, um, wie allgemein üblich, einen Moment der Gegenwart festzuhalten, sondern um in die Zukunft zu blicken.
Herbert Molderings kommt mit dem vorliegenden Buch das unbestreitbare Verdienst zu, die Enstehungsgeschichte dieses bislang erstaunlich enigmatisch gebliebenen Werks ausgeleuchtet und es in die künstlerische Entwicklung Duchamps eingeordnet zu haben. Prinzipien der nicht-euklidischen und der topologischen Geometrie, Grundsätze der konventionalistischen Wissenschaftstheorie des Mathematikers Henri Poincaré kommen in diesem Bildexperiment ebenso zum Ausdruck wie Alfred Jarrys humoristische 'Pataphysik', die Gesetze postuliert, welche nur im Einzelfall gelten, sowie Raymond Roussels sprachspielerische Techniken. Alle diese Ideen konvergierten in Duchamps radikal individualistischer Lebens- und Kunstauffassung, in der nur der Einzelne zählt, während soziale Normen von untergeordneter Bedeutung sind.
"Mit der Rekonstuktion von Umbos Oeuvre in der vorliegenden Monographie wird die deutsche Fotogeschichte um eine grosse Figur bereichert. Umbo beschritt in der Fotografie der zwanziger Jahre einen ganz eigenwilligen Weg, sozusagen einen ""dritten"" Weg, jenseits von neusachlicher Angepasstheit un konstruktivistischer Radikalität. Während die Fetischisierung der Maschine die grosse Gefahr dieser beiden Richtungen war, praktizierte Umbo eine ganzheitliche Ästhetik in der Fotografie, die statt eines rein ..."
Marcel Duchamp, Damien Hirst, Jeff Koons, Gerhard Merz - anlässlich der Ausstellung Re-Object, 18. Februar bis 13. Mai 2007, Kunsthaus Bregenz
187 Seiten
7 Lesestunden
Als Marcel Duchamp 1913/14 seine ersten Ready-Mades erfand, ahnte niemand, welchen Einfluss dies auf die zeitgenössische Kunst haben würde. Reale Gegenstände auf dem „leeren Thron“ der künstlerischen Schöpfung stellten die Rolle des Künstlers und die Bedingungen des Kunsturteils in Frage. Der Band „Re-Object“ präsentiert Marcel Duchamp sowie Gerhard Merz, Damien Hirst und Jeff Koons, die mit ihren Werken eine markante Auseinandersetzung mit dem Thema bieten. Der Band „Mythos“ beleuchtet eine entgegengesetzte, aber verwandte künstlerische Strategie und stellt Douglas Gordon, Matthew Barney und Cy Twombly im Zusammenhang mit Joseph Beuys vor. Jeder Band enthält zwei Essays, die das Thema sowohl historisch als auch in Bezug auf die zeitgenössische Kunstentwicklung einführen. „Re-Object“ zeigt aktuelle Positionen, in denen das Objekt sowohl Ausgangspunkt als auch Fokus ist, während „Mythos“ die Arbeiten von Gordon, Barney und Twombly im Kontext von Beuys präsentiert. Die Kataloge sind reich illustriert mit Fotos der Werke und Installationen im Kunsthaus Bregenz und dokumentieren, wie die Künstler den Themen „Objekt“ oder „Mythos“ zugeordnet werden. Biografien, Ausstellungslisten und Bibliografien runden die Erkundung zweier bedeutender Strömungen der Kunst des 20. Jahrhunderts ab.