Die Kinder des Mondes
- 380 Seiten
- 14 Lesestunden






Noch einmal betritt Reinhard Wosniak mit seinem Roman „Die Nacht der Ameisen“ die verwobene und schillernde Welt erzählender Literatur. Geheimnisvolle Pfade führen zurück zu den Vorgängerromanen „Felonie“ und „Die Kinder des Mondes“. Alles fließt ein in den Fächer seiner deutschen Jahrhunderttrilogie „Die Villa“. Aber diesmal ist er gänzlich angekommen in der Gegenwart.Herausgekommen ist eine im heutigen Europa angesiedelte Familiengeschichte – aber noch viel mehr: Die jüngste Gegenwart setzt keine Patina an und dreht sich schnell. „Die Nacht der Ameisen“ – der neue Roman von Reinhard Wosniak – ist eine virtuos gegen den Strich gebürstete Wende-Geschichte, die manchen Diskussionsstoff liefern wird, und ein ernüchternder Blick auf die deutsche Einheit, oder was sie vor einem zunehmend globalen Hintergrund bisher gebracht hat. Das ist erstaunlich und spannend zu lesen – und auch komisch, wie immer bei Wosniak. Er kreist um die Themen Liebe, Freiheit und Musik, um Sieger und Gewinner, und natürlich auch: um Ameisen …
In einer nordfranzösischen Hafenstadt wirft ein Deutscher an einem Frühlingstag im Jahr 2000 eine Flaschenpost in den Atlantik, die einen USB-Stick mit einem Romanmanuskript enthält. Dieses Manuskript wollte er veröffentlichen, ein Versprechen, das er vor dreißig Jahren seinem lebensmüden Freund gegeben hatte. Trotz der Herausforderungen durch Zensur und den freien Buchmarkt blieb sein Bemühen erfolglos. Auf einem Zettel steht: „Ein Dritter soll es veröffentlichen – oder es soll untergehen.“ Die Protagonisten Felix und Johan werden in einer ostdeutschen Kleinstadt in einer Vollmondnacht geboren. Felix’ Mutter stirbt bei der Geburt, und der Halbwaise fühlt sich schuldig, forscht nach ihren Spuren und sehnt sich nach ihrer Wärme. Sein Verhältnis zum Vater und zur herrschenden Normalität wird zunehmend angespannt, was ihn unaufhaltsam in eine tragische Konsequenz treibt. Wosniaks vierter Roman ist ein fesselndes Erzählkino und ein hypnotisches Werk über das Leben, das uns in einen Kreis verschwiegener Wahrheiten und folgenschwerer Ausbrüche zieht. Die Ich-Erzähler fördern überraschende Einsichten über ihr Schicksal und die siebziger Jahre im Osten Deutschlands zutage. Ein hochaktuelles Buch, gefärbt von der Rauigkeit und Süße der „vergiftenden Ernährerin“ und ein bewegendes Porträt eines provozierenden Helden – heftig, komisch und traurig zugleich.