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Rechtstrieb

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  • 332 Seiten
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Das Buch unternimmt eine historische Ethnographie der prekären Ökonomie des 19. Jahrhunderts, indem es den Moment beleuchtet, in dem Schulden unbezahlbar werden. Der "Rechtstrieb", die rechtlich sanktionierte Eintreibung von Schulden, erzeugte einen Fluss aus Forderungen, Konflikten und Friktionen, die konkret sichtbar gemacht werden. Schulden sind vor allem ein Kräfteverhältnis, in dem ökonomische Beziehungen und moralische Bewertungen ineinanderfließen. Der Alltag im liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war ein komplexes Geflecht solcher Verhältnisse. Wurden Schulden unbezahlbar, gerieten die damit verbundenen Situationen in eine Schieflage. Die Eintreibung von Schulden war eine grundlegende Technik, die Zwangsvollstreckung ein Recht, das Sachverhalte abgrenzte und Werte umriss. Männliche Schuldner riskierten den Verlust ihrer Bürgerrechte, während Schuldnerinnen unter Vormundschaft gestellt wurden. So entstanden Figuren wie der "bürgerlich tote Falliten" oder der formal definierte "Kaufmann". Der Rechtstrieb wies vor seiner Vereinheitlichung im späten 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Routinen auf, wie am Beispiel der Schweiz gezeigt wird. Diese Routinen umfassten Fristen, Register, Protokolle und Mahnzettel. Die Formen des Rechtstriebs verkörperten die Widersprüche des liberalen Kapitalismus und fordern dazu auf, Konflikte und kollidierende moralische Sichtweisen als Kern des Kapitalismus zu erkennen.

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Rechtstrieb, Mischa Suter

Sprache
Erscheinungsdatum
2016
Einband
(Paperback),
Buchzustand
Gebraucht - Gut
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Titel
Rechtstrieb
Sprache
Deutsch
Autor*innen
Mischa Suter
Erscheinungsdatum
2016
Einband
Paperback
Seitenzahl
332
ISBN10
3862530779
ISBN13
9783862530779
Reihe
Beschreibung
Das Buch unternimmt eine historische Ethnographie der prekären Ökonomie des 19. Jahrhunderts, indem es den Moment beleuchtet, in dem Schulden unbezahlbar werden. Der "Rechtstrieb", die rechtlich sanktionierte Eintreibung von Schulden, erzeugte einen Fluss aus Forderungen, Konflikten und Friktionen, die konkret sichtbar gemacht werden. Schulden sind vor allem ein Kräfteverhältnis, in dem ökonomische Beziehungen und moralische Bewertungen ineinanderfließen. Der Alltag im liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war ein komplexes Geflecht solcher Verhältnisse. Wurden Schulden unbezahlbar, gerieten die damit verbundenen Situationen in eine Schieflage. Die Eintreibung von Schulden war eine grundlegende Technik, die Zwangsvollstreckung ein Recht, das Sachverhalte abgrenzte und Werte umriss. Männliche Schuldner riskierten den Verlust ihrer Bürgerrechte, während Schuldnerinnen unter Vormundschaft gestellt wurden. So entstanden Figuren wie der "bürgerlich tote Falliten" oder der formal definierte "Kaufmann". Der Rechtstrieb wies vor seiner Vereinheitlichung im späten 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Routinen auf, wie am Beispiel der Schweiz gezeigt wird. Diese Routinen umfassten Fristen, Register, Protokolle und Mahnzettel. Die Formen des Rechtstriebs verkörperten die Widersprüche des liberalen Kapitalismus und fordern dazu auf, Konflikte und kollidierende moralische Sichtweisen als Kern des Kapitalismus zu erkennen.