Unter den Klassikern der mittelalterlichen Literatur gibt es eine große Unbekannte: die um 1150 entstandene »Kaiserchronik«. Sie ist das erste große Erzählwerk deutscher Sprache, das nicht von biblischen Geschichten, sondern von der Geschichte des Römischen Reiches handelt − von Caesar bis Konrad III. Exempla, Sagen und Legenden gestalten das 17.000 Verse umfassende Werk höchst abwechslungsreich. Diese zweisprachige, reich kommentierte Auswahlausgabe enthält für die nicht aufgenommenen Teile Zusammenfassungen, die den Zugang zum Gesamtwerk erleichtern.
Der am Böhmenhof Wenzels II. (1278-1305) von Ulrich von Etzenbach verfasste Roman ist eine mytho-poetische Preisdichtung auf die böhmische Dynastie und das Land Böhmen. Man hat ihn als 'Schlüsselroman', als Legende und als Stilimitat Wolframs gelesen, doch solche Schlagworte greifen zu kurz. Das Protagonistenpaar Wilhelm und Bene regiert in einer auf die Spätantike weisenden Vorzeit das noch heidnische Wenden, bis durchziehende Pilger Wilhelm zur Nachfolge Christi inspirieren. Der abrupte Aufbruch ins Heilige Land, wo Wilhelm sich taufen lässt und für den Patriarchen von Jerusalem gegen die Heiden kämpft, kollidiert mit Wilhelms Pflichten als Landesherr und Dynast, ohne dass die konfligierenden Wert- und Normkategorien narrativ harmonisiert würden: Die Spannung zwischen Herrschafts- und Legendendiskurs durchzieht das gesamte Werk, wobei Bene und Wilhelm ganz unterschiedliche Positionen abstecken. Diese Konzeption macht den Roman zum höfisch-didaktischen Planspiel, in dem der scheinbar ideale Held sehr problematische Züge annimmt, während Bene zur eigentlichen Sympathieträgerin und Protagonistin wird. Der wichtige Roman der höfischen 'Nachklassik' wird hier erstmals in einer Studienausgabe mit Kommentar und Übersetzung vorgelegt.
Ein Lexikon historischer und literarischer Personen in Dichtung, Musik und Kunst
504 Seiten
18 Lesestunden
Gestalten wie Tristan und Artus mit seinen Rittern der Tafelrunde, Hagen und Kriemhild, Tannhäuser und Walther von der Vogelweide oder Jeanne d´Arc und Richard Löwenherz prägen unsere Vorstellung vom Mittelalter. Als Sujet zahlloser Erzählungen und künstlerischer Gestaltungen sind sie im Reservoir kultureller Anspielungen und Assoziationen lebendig geblieben, so vage ihre Umrisse gelegentlich bleiben mögen. Die Konturen der einzelnen Gestalten zeichnet der vorliegende Band nach. Die rund 220 Artikel schildern, ausgehend von den erhaltenen Quellen, die wichtigsten Merkmale und Lebensstationen, verfolgen die Entwicklung des Stoffs innerhalb der Literatur des Mittelalters und bieten abschließend einen Überblick über das Fortleben in den verschiedenen künstlerischen Medien der Neuzeit. Rund siebzig Abbildungen bringen Darstellungen in der bildenden Kunst und auf der Bühne vor Augen. Wer sich auf den Ursprung der Gestalten in den mittelalterlichen Texte einlassen möchte, findet detaillierte Hinweise auf Ausgaben und Übersetzungen. Darüber hinaus sind die wichtigsten Beiträge der Forschung verzeichnet.