Feier des Flüchtigen. Abenteuer des Möglichen. Innere Freiheit gewinnt man laut Rosemarie Zens in dem Denkraum, der sich zwischen Zugehörigkeit und Fremdheit erzeugen lässt. Deshalb lohnt es sich eine Verbindungslinie zu einem weiteren Dichter-Philosophen zu ziehen – zu dem amerikanischen Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson. In seinem Essay „Circles“ bietet er ein Denkbild für das Ende als Neuanfang, das die Gedankenwelt von Rosemarie Zens auf den Punkt bringt. Um jeden Kreis kann ein weiterer Kreis gezogen werden, unter jeder Tiefe öffnet sich eine weitere Tiefe. Weil es immer einen unbekannten, nicht analysierbaren Rückstand gibt, ist nichts sicher, außer das Leben, der Übergang, der belebende Geist, der einen antreibt … Sich nicht am Festgelegten, Gewohnten, Vertrauten zu orientieren, sondern sich auf das Abenteuer des Möglichen, des Flüchtigen einzulassen, ist die Losung, die sich in diesen Essays immer wieder findet. Das, was man zurückgewinnt, nachdem man eine Distanz eingenommen hat – sei es zu einem Ort, einer Lebenssituation, einem bewegenden Erlebnis oder einer geistigen Haltung – hat im Zuge der künstlerischen Formalisierung, im Zuge der Verdichtung, die sich aus diesem Abstand ergibt, eine emotionale und intellektuelle Wertsteigerung erhalten und wird als diese auch weiterhin erfahrbar sein. (Aus dem Nachwort: Prof. Dr. Elisabeth Bronfen, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin, Zürich / New York 2026)
Rosemarie Zens Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)


Was wiegen die Wolken
- 144 Seiten
- 6 Lesestunden
Nach Ausmessen von Neugier, Protest und Lebenslust auf Wissen und Weisheit vermitteln Gedicht, Prosa und Fotografie in Was wiegen die Wolken Widerstand, Zorn und Hingabe. Durch so viele Welten hindurch gegangen geht es der Autorin um die unlöslichen Verflechtungen von Dingen, Lebewesen und Erkenntnisformen, wie im Duktus ihrer fotografischen Aufnahmen, die in ruhigen Kompositionen die Konzentration auf Wesentliches suchen, getragen von einer Erdenschwere bei aller Liebe zum Skurrilen und Absurden und doch auch mit Hoffnung durch eine in Bildern und Versen eingeholte Sehnsucht. Rosemarie Zens sucht das eigene Schreiben und Fotografieren immer wieder essayistisch einzukreisen. Beide Ausdrucksformen, das fotografische und dichterische Bild, so führt sie aus, „vermischen sich nicht, können sich aber berühren und Zwischenräume gestalten. Durch Bilder begegnen wir der Neugier nach Unerwartetem und folgen dem Wunsch nach existenzieller Vergewisserung.“ Assoziationsketten zu widersprüchlichen Wahrheiten über die Verwobenheit von Natur und Geschichte regen Leser und Betrachter an, diese mit ihrem eigenen Leben füllen. Szenarien lassen sich so widerspiegeln, in denen – wie in unseren Träumen und Reflexionen – Bilder durch Bilder Resonanz finden.