Jahrbuch für Psychoanalytische Pädagogik - 17: Der pädagogische Fall und das Unbewusste
Psychoanalytische Pädagogik in kasuistischen Berichten
- 230 Seiten
- 9 Lesestunden





Psychoanalytische Pädagogik in kasuistischen Berichten
Ethnographisches Forschen und Arbeiten im psychoanalytisch-pädagogischen Kontext
Psychoanalytisch-padagogisches Denken hat den Anspruch, Sinn im scheinbar Sinnlosen zu finden - und das vermeintlich Vertraute wie Fremdes zu betrachten, um den Tauschungen des Alltaglichen nicht permanent zu erliegen. Dabei gleicht die psychoanalytisch-padagogische Begegnung mit Kindern, Jugendlichen oder Familien der Arbeit des Ethnologen, der sich den Weg zum Verstehen von fremden Kulturen, ihren Einrichtungen und Reprasentanten erst bahnen muss. Die ethnopsychoanalytischen Arbeiten dieses Buches stellen Verbindungen zu interkulturellem Lernen her und thematisieren die Erforschung des Fremden in der eigenen Kultur, wenn es etwa um die Untersuchung von Leistungsschwierigkeiten oder rechtsradikalem Terror geht.
Bildungsprozesse und Psychoanalytische Pädagogik im Vorschulalter
Drei- bis sechsjährige Kinder erleben die Welt auf besondere noch stark bezogen auf primäre Bezugspersonen und verhaftet in magischen Vorstellungen, machen sie vielfältige soziale Erfahrungen in Vorschuleinrichtungen. Die Beziehungen innerhalb der Familie wie auch zu Gleichaltrigen und PädagogInnen in Kindertagesstätten gestalten maßgeblich das Aufwachsen und somit die psychische Entwicklung der Vorschulkinder. In diesem Band wird aus psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive der Frage nachgegangen, wie Kinder die vielfältigen sozialen und institutionellen Realitäten erleben und verarbeiten. Zentral wird diskutiert, wie Vorschuleinrichtungen - als erste Bildungsinstitutionen - den kindlichen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden können.
Supervision hat sich in den letzten 100 Jahren als eigenständige Form berufsbezogener Beratung im deutschsprachigen Raum etabliert. Sie blieb von der psychoanalytischen Bewegung, die sich parallel entwickelte, nicht unbeeinflusst. Aus historischer und professionstheoretischer Perspektive arbeitet Kornelia Steinhardt heraus, in welchem Nahverhältnis Supervision und Psychoanalyse standen und stehen. Sie zeigt aber auch, dass sich psychoanalytisch orientierte Supervision erst in der Abgrenzung zur Psychoanalyse eigenständig entwickeln konnte. Anhand einer empirischen Vergleichsuntersuchung verdeutlicht Steinhardt im letzten Teil des Buches, was psychoanalytisch orientierte Supervisorinnen und Supervisoren in ihrer professionellen Identität charakterisiert.
Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind, während der Vater als bedeutender Dritter oft vernachlässigt wurde. Selbst als die Rolle des Vaters in der frühen Kindesentwicklung anerkannt wurde, geschah dies häufig im Vergleich zur Mutter, ohne zu erkennen, dass Väter nicht einfach „schlechtere“ Mütter sind, sondern anders agieren. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Sichtweise auf die Bedeutung des Vaters grundlegend gewandelt. Forschungsergebnisse zeigen, dass Väter eine eigenständige Rolle spielen, die sich grundlegend von der der Mutter unterscheidet. Säuglinge und Kleinkinder sammeln ihre entscheidenden Lebenserfahrungen in einem triadischen Beziehungsfeld mit beiden Elternteilen, was die Notwendigkeit einer Neubewertung der psychischen Entwicklung des Menschen nahelegt. In den Beiträgen dieses Bandes wird die Bedeutung des Vaters in den ersten Lebensjahren des Kindes aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Unter Berücksichtigung psychoanalytischer, bindungstheoretischer und systemischer Ansätze wird untersucht, was das Vatersein auszeichnet und welche Auswirkungen triadische Erfahrungen mit beiden Eltern auf das Kleinkind haben. Die differenzierte Analyse der Vaterrolle bezieht sich sowohl auf alltägliche familiäre Erfahrungen als auch auf die Einbeziehung von Vätern in die Eltern-Kleinkind-Psychotherapie.