Geertje Andresen Reihenfolge der Bücher



- 2014
- 2012
Wer war Oda Schottmüller?
- 248 Seiten
- 9 Lesestunden
Die Bildhauerin und Ausdruckstänzerin Oda Schottmüller war im Freundeskreis von Harro Schulze-Boysen aktiv und wurde 1942 von der Gestapo im Rahmen der Fahndung nach der 'Roten Kapelle' festgenommen. Ihr wurde vorgeworfen, an Funkversuchen nach Moskau beteiligt gewesen zu sein, was ihr jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Trotz ihrer Unschuld wurde sie zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Gestapo-Lüge, dass der Kreis um Schulze-Boysen Teil der sowjetischen Spionage war, führte dazu, dass er bis in die 1980er Jahre in der Bundesrepublik aus dem offiziellen Gedenken an den Widerstand gegen das NS-Regime ausgegrenzt wurde, während Oda als 'Agentenflittchen' galt. In der DDR wurde die 'Rote Kapelle' vom MfS systematisch als 'Kundschafterorganisation für die Sowjetunion' umgedeutet, was ein verzerrtes Geschichtsbild schuf. Geheimdienstmitarbeiter versuchten sogar, eine passende Biographie Oda Schottmüllers zu erfinden. Ein absurdes Beispiel ist die 1983 erschienene Monographie, die sie zur 'Kundschafterin' und 'sozialistisch-realistischen' Tänzerin verzerrte. Geertje Andresen hat 2005 die erste fundierte Biographie der Künstlerin veröffentlicht und dekonstruiert in ihrem neuen Buch zahlreiche Lügen über die 'Rote Kapelle' sowie die Fantasien über Oda Schottmüller und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Mentalitätsgeschichte der alten Bundesrepublik und der DDR.
- 2005
Klaus Mann kannte Oda Schottmüller als bizarre Zeichnerin. Vor allem aber war sie eine bedeutende Bildhauerin und Ausdruckstänzerin, die sich auch nach 1934 nicht scheute, ihre phantastischen, oftmals tragischen Choreographien öffentlich zu zeigen. Ihre Beziehung zu dem kommunistischen Bildhauer Kurt Schumacher brachte sie Ende der 1930er Jahre in Kontakt mit dem Freundeskreis um Harro Schulze-Boysen, in dem freimütig künstlerische und politische Fragen diskutiert, ausländische Sender gehört, Verfolgten geholfen und Aktionen gegen die Nazi-Diktatur vorbereitet wurden. Im Spätsommer 1942 verhaftete die Gestapo Harro Schulze-Boysen, Kurt Schumacher, Arvid Harnack, Oda Schottmüller und etwa 120 weitere Personen. Die Gestapo hatte diesem Kreis den Namen 'Rote Kapelle' als Fahndungsbegriff zugeordnet und verdächtigte die Verhafteten, einer von Moskau gesteuerten Spionageorganisation anzugehören. Oda Schottmüller wurde vorgeworfen, ihr Atelier für Funkversuche nach Moskau zur Verfügung gestellt zu haben. Das Reichskriegsgericht verurteilte sie dafür zum Tode; am 5. August 1943 wurde sie enthauptet. Eine Vielzahl bislang unbekannter Dokumente und Fotos erlauben jetzt die weitgehende Rekonstruktion des tragischen Lebensweges und des künstlerischen Schaffens von Oda Schottmüller.