Die Analyse beleuchtet die Ursachen für den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Niedergang Venezuelas nach dem Tod von Hugo Chávez und dem Rückgang der Erdölpreise. Lambert geht über die gängige Polarisierung von Schuldzuweisungen hinaus und untersucht die autoritären Tendenzen, die bereits während Chávez' Regierungszeit ab 1999 entstanden sind. Er analysiert die Politik von Nicolás Maduro, seinen Umgang mit der Opposition und die Privatisierungspolitik. Zudem wird die Zukunft des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" hinterfragt und eine Analyse der Präsidentschaftswahl 2024 angekündigt.
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In keinem Land Lateinamerikas spielte die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten eine geringere Rolle. Bereits ab den 1920er Jahren wandelte sich Venezuela vom Agrar- zum Erdölstaat. Die Menschen migrierten aus dem ländlichen Raum in die Städte, die mit Fortschritt und Modernität lockten, jedoch nicht ausreichend Arbeitsplätze boten. Ende des 20.Jahrhundert lebten nur noch zehn Prozent der Venezolaner:innen auf dem Land. Der Agrarsektor machte lediglich fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus und der Boden war extrem ungleich verteilt. Der linke Präsident Hugo Chávez brachte die Landwirtschaft nach seinem Amtsantritt 1999 zurück in die politische Debatte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war Venezuela weltweit das einzige Land, das eine nennenswerte Agrarreform durchführte, um Großgrundbesitz und ungerechte Landverteilung zu überwinden. Unter Chávez‘ Nachfolger Nicolás Maduro wurde die Landreform ab 2013 weitgehend eingefroren und die tiefgreifende Wirtschaftskrise erfasste auch den Agrarsektor. Positive Folgen der Landreform sind dennoch bis heute spürbar.
Als die aktuelle honduranische Präsidentin Xiomara Castro im Januar 2022 ihr Amt antrat, waren die Hoffnungen groß. Mit ihrer Mitte-Links-Regierung kündigte sie einen Politikwechsel an, der entgegen den Interessen der zuvor regierenden Elite des Landes die einfache Bevölkerung in den Mittelpunkt stellen sollte. Schwerpunkte ihrer politischen Agenda im Wahlkampf waren soziale Gerechtigkeit, eine alternative Wirtschaftspolitik und die Bekämpfung der Korruption. Die kleinbäuerlichen Bewegungen hofften darauf, dass die Landwirtschaftspolitik einen größeren Stellenwert bekäme und Castro nach den längst abgebrochenen Agrarreformen der 1960er und 1970er Jahre einen neuen Anlauf für eine gerechtere Bodenverteilung nehmen würde. Wenngleich die kleinbäuerliche Bewegung in Honduras gut organisiert ist, konnte sie bisher aber keine neue Agrarreform durchsetzen. In der Landwirtschaftspolitik sind Großgrundbesitzer:innen nach wie vor einflussreich. Die politischen Kräfteverhältnisse haben sich zwar zugunsten einer Agrarreform verschoben, die Opposition ist jedoch noch immer stark genug, um Fortschritte im Kongress zu blockieren. Die für die Umsetzung einer progressiven Landwirtschaftspolitik zuständigen Institutionen bleiben zudem unterfinanziert.
Eine der bedeutendsten Agrarreformen Lateinamerikas fand ab 1953 in Bolivien statt. Diese brachte wichtige Fortschritte für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, führte letztlich aber vor allem zu einer kapitalistischen Modernisierung des Agrarsektors im Osten des Landes. Während sich im westlichen Hochland stark parzellierte Minifundien etablierten, die vorwiegend der Subsistenzwirtschaft dienen, blieb das Latifundium im östlichen und südlichen Tiefland intakt. Bis heute befindet sich dort das Zentrum der industrialisierten Landwirtschaft Boliviens. Unter dem ersten indigenen Präsidenten des Landes, Evo Morales und seiner regierenden „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS), spielten die Bodenverteilung und Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft ab 2006 wieder eine größere Rolle. Die eklatanten Unterschiede zwischen exportorientiertem Agrobusiness im Tiefland und Subsistenzwirtschaft im Hochland blieben jedoch auch unter den MAS-Regierungen bestehen.
Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat die Abhängigkeit westlicher Staaten von russischen Energielieferungen verstärkt in Frage gestellt. Die Suche nach neuen Rohstoffquellen in Lateinamerika führt zu einem neuen Rohstoffboom. Die Studie untersucht die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in Kolumbien, Venezuela und bei Wasserstoffprojekten.
Anfang 2026 bombardierten die USA Venezuela und entführten Staatschef Nicolás Maduro. Die venezolanische Regierung soll sich nach den Vorstellungen Donald Trumps den US-Interessen unterwerfen. Aber es geht nicht nur um Venezuela. Unverblümt streben die USA auf dem Kontinent die politische und wirtschaftliche Dominanz an. Als Imperium mit schwindender Hegemonie wollen sie Lateinamerika in die klassische Hinterhof-Rolle zurück drängen. Für das historisch belastete Verhältnis zu den USA stellt dies eine seit Jahrzehnten nicht mehr erlebte Herausforderung dar. Der neue Interventionismus in der Region wird zwangsläufig Widerstand erzeugen. Der Lateinamerika Experte Tobias Lambert analysiert die Neuausrichtung der US-Politik gegenüber den südlichen Nachbarländern und ordnet sie historisch ein.