Türkenfurcht und antiosmanische Kriegspropaganda als konstituierende Momente neuzeitlicher europäischer Geschichte bilden die Urform aktueller Xenophobie und Kampfmythologie. Diese „gemachte“ Angst fußt auf einer langen, über Jahrhunderte geformten gesellschaftlichen Konstruktion von ungeheurer Tiefenwirkung. Sie steht an der Wiege der bis heute gültigen, wesentlich von Enea Silvio Piccolomini (alias Papst Pius II.) kreierten Europakonstruktion. Auch die gegenwärtig erzeugte Russophobie wurzelt in den damals entwickelten Schemata und Zugangsmethoden. Heute wie ehedem handelt es sich um eine effiziente, zentral gesteuerte Kampagne, die keinen Gegenstandpunkt zulässt. Ihr Ziel war und ist es zu manipulieren: Menschen sollen kriegswillig bzw. kriegsbereit gemacht werden. Die aggressive Türkenkriegspropaganda hat an der Wende zur Neuzeit einen profunden gesellschaftlichen Wandel begleitet. Sie war ein wichtiger Bestandteil jenes Prozesses, der schließlich ein Europa der Nationen auf Basis von raubenden Erwerbsgemeinschaften bzw. -konkurrenten konstituieren sollte. Vorliegendem Text ist der Versuch, dies nachzuzeichnen; Parallelen zur heutigen Situation treten dabei offen zutage.
Michael Wengraf Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)




Die Schule der Kapitulation. Kritische Theorie und Studentenbewegung 1968
- 203 Seiten
- 8 Lesestunden
Das Buch analysiert die Entwicklung der politischen Intellektuellen seit 1968 und deren Abkehr von der Arbeiterklasse hin zu einer bürgerlichen Emanzipation. Es untersucht den Zusammenhang zwischen Studentenrevolte und Kritischer Theorie anhand von Herbert Marcuse, Max Horkheimer und Jürgen Habermas und deckt die Wurzeln der „modernen Kulturlinken“ auf.
Corona
Ein Essay
Wo, wann und wie setzte sich das „abendländische“ Paradigma der Rationalität durch? Die „Institutionalisierung der Vernunft“ begibt sich aus marxistischer Perspektive auf die Suche nach Antworten. Dabei ist nicht die „Vernunft“ schlechthin Gegenstand, sondern eine spezielle Ausprägung, die sich gegen andere Varianten von Rationalität etablieren musste. Das Mittel dazu war die genuin europäische Universität wie sie sich im 12. und 13. Jh. herausbildete. Genese von abendländischer Rationalität und Universität durchdringen einander dialektisch. Die Perspektive für diese Arbeit ergibt sich aus der Zusammenschau von Genese der Universität und Befestigung der Rationalität. Europa firmiert als Wiege einer Rationalitätskultur, die heute in vielfacher Gestalt die Welt beherrscht. Insofern ist Rationalität auch als spezielle Machtpraxis zu verstehen. These ist, dass eine wesenhaft bürgerliche Vernunft Voraussetzung für das permanente Fortschreiten von okzidentaler Expansion war und noch immer ist.