Innenansichten eines Außenseiters: Während eines einjährigen Aufenthalts in Berlin 1990/1991 verfaßte Joáo Ubaldo Ribeiro für die Frankfurter Rundschau sehr vergnügliche Kolumnen über das Leben in der nun nicht mehr geteilten Stadt. Er erzählt wunderbar leicht von seinen Eindrücken, Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken, die ein Brasilianer in Berlin und Deutschland zu Hochzeiten der Wende gehabt hat.
'Ein fulminantes Debüt, frisch und wahrhaftig!' (Felix Philipp Ingold, Neue Zürcher Zeitung)
1943: Das Romandebüt einer Dreiundzwanzigjährigen ist die literarische Sensation – zum ersten Mal wagt es eine brasilianische Schriftstellerin, das komplexe Innenleben ihrer Heldin offenzulegen und die konventionellen Gesellschaftsmuster zu hinterfragen. Selbstbewusst bezieht sie sich auf Joyce und fügt der Moderne ihre ganz eigene weibliche Stimme hinzu. In 'Nahe dem wilden Herzen' konzentriert sich Clarice Lispector auf die Reflexionen ihrer Heldin Joana und dringt in die Tiefen ihrer Gefühlswelt vor. Das Lebensumfeld der jungen Frau blitzt darin nur gelegentlich auf: Da ist der frühe Tod des Vaters, die unglückliche Kindheit bei der Tante, die Einsamkeit im Internat, die am gegenseitigen Betrug scheiternde Ehe mit dem Rechtsanwalt Otávio. Auch wenn sie Isolation dafür in Kauf nehmen muss, beschreitet Joana gegen innere und äußere Widerstände unbeirrbar ihren Weg zu ihrem eigenen inneren Reichtum, ihrem 'wilden Herzen'.
José Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga, Portugal, geboren. Mit zwei Jahren zog die Familie nach Lissabon. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wechselte er von einem Gymnasium auf eine berufliche Schule, die er 1939 als Maschinenschlosser verließ. Nach zwei Jahren in diesem Beruf arbeitete er in der Verwaltung. Ab 1955 frequentierte er das Literatencafé «Café Chiado» und fand über Kontakte eine Stelle im Verlag «Estúdios Cor», wo seine ersten Werke veröffentlicht wurden. 1969 trat er der kommunistischen Partei bei und unternahm seine erste Auslandsreise nach Paris. Von 1968 bis 1975 war er literarisch und politisch für verschiedene Zeitungen tätig, darunter als beigeordneter Direktor des «Diáro de Notícias». Nach der „Nelkenrevolution“ 1974 arbeitete er im Ministerium für Kommunikation. In den Jahren 1975-1980 verdiente er seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Übersetzer und war ab 1980 freier Schriftsteller. 1986 sprach er sich gegen den EU-Beitritt Spaniens und Portugals aus. Saramago war Mitglied des Ordens Militar de Santiago de Espada und des Ordre des Arts et Lettres sowie Ehrendoktor mehrerer Universitäten. Seine Werke wurden in 26 Sprachen übersetzt. Er lebte zuletzt auf Lanzarote und verstarb am 18. Juni 2010. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Nobelpreis für Literatur (1998) und mehrere nationale Preise.