Sándor Márai war ein ungarischer Schriftsteller und Journalist, der für seinen präzisen und klaren realistischen Stil gefeiert wurde. Seine Werke, vornehmlich Romane, befassen sich mit Themen wie Nostalgie für verlorene Welten und Kritik an politischen Regimen. Márais unverwechselbare Stimme und seine Fähigkeit, die Komplexität der mitteleuropäischen Identität einzufangen, machen ihn zu einer bedeutenden Figur der Literatur des 20. Jahrhunderts, dessen Schriften für ihre Tiefe und anhaltende Relevanz geschätzt werden.
Die Tagebücher Sándor Márais von 1984 bis zu seinem Freitod 1989 sind ein überaus bewegendes Zeugnis. Ohne zu beschönigen, beschreibt der Schriftsteller Krankheit und Tod seiner geliebten Frau, mit der er sechzig Jahre seines Lebens verbracht hatte. Er hält den Prozeß des eigenen Alterns fest, berichtet von der zunehmenden Einsamkeit, auch wenn er nach wie vor an den gesellschaftlichen und literarischen Ereignissen seiner Zeit Anteil nimmt.
Kindheit, Jugend und Studienjahre eines Europäers: als deutschstämmiger Ungar 1900 in der Donaumonarchie geboren, verbrachte Marai seine Studienjahre vor allem in Deutschland und Paris. Mit feiner Lakonie und warmem Humor erzählt er seine Kindheit im Städtchen Kaschau und führt als scharfer Beobachter den Untergang des österreichischen Kaiserreiches und die wilden 20 Jahre vor, die seine eigenen Lehr- und Wanderjahre als Bohemien und Journalist waren.
Als junger Mann verlässt Sándor Márai (1900–1989) Ungarn, um Europa zu entdecken. Er geht nach Deutschland und Frankreich, arbeitet als Essayist und Kritiker in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin, er sieht Paris, bevor er Ende der Zwanzigerjahre mit seiner Frau nach Ungarn zurückkehrt. Als er 1943 beginnt, sich Notizen zu machen, regelmäßiger erfüllte Augenblicke und Erinnerungen an seine Jugend einem Tagebuch anzuvertrauen, ist er längst einer der einflussreichsten Autoren seiner Heimat. Immer intensiver wird neben der Literatur und seinen Leseeindrücken die Beschäftigung mit aktuellen Ereignissen, mit der Belagerung, die Budapest droht. Immer schärfer formuliert er seine politischen Gedanken. Es ist das eindrucksvolle Porträt des Menschen und Europäers Márai, das uns aus seinen Tagebüchern entgegentritt.
Passioniertes politisches Buch, persönliches Bekenntnis und historisches Dokument – jüngst in Ungarn erschienen, liegt der zweite Band von Sándor Márais neu edierten Tagebüchern nun erstmals vollständig und kommentiert auf Deutsch vor.Für Sándor Márai ist 1945 ein Schicksalsjahr, es ist der Untergang der alten Welt, das Ende des bürgerlichen Zeitalters, dem er mit Leib und Seele angehörte. Genau beobachtet er, was um ihn herum geschieht, liest Zeitung und lauscht den Informationen der BBC, die auch in Ungarn zu empfangen ist. Als scharfer Kommentator und zorniger Prophet beschreibt er die Zustände in seinem Land und nimmt die Zukunft Europas in den Blick. Klug, hellsichtig, anrührend, zutiefst human und persönlich sind die unzeitgemäßen Gedanken des bürgerlichen Demokraten Márai, der neben seinen Notizen zu William Shakespeare und Charles Baudelaire, Georg Büchner und Sigmund Freud seine Ansichten zu Neubeginn und Emigration verfasst. Das leidenschaftliche, ebenso persönliche wie zeithistorische Dokument eines großen Schriftstellers und Denkers.
Aus dem Ungarischen von Tibor Simányi. Groß war er, schlank und vornehm. "Signor Conte" nannten ihn seine Freunde in Posillipo. Der malerische Vorort von Neapel war eine der ersten Stationen des Exils, das Sandor Marai zusammen mit seiner Frau Lola und Sohn Janos um die halbe Welt führte. Hier traf er den Journalisten und Historiker Tibor Simanyi - wie er ein Ungar im Exil. Marai, bekannt für seine vorsichtige, fast unnahbare Art, befreundete sich mit Simanyi und blieb bis zu seinem Tod in engem, meist brieflichen Kontakt mit ihm. In rund 150 Briefen aus der Zeit von 1969 bis 1989 spricht Sandor Marai von den Launen des Zeitgeschehens wie des Wetters, vom Beglückenden der Literatur und der Qual des Exils.
Sandor Marai, 1900 - 1989. In den dreißiger Jahren einer der gefeierten Autoren Ungarns, nach seiner Emigration in Vergessenheit geraten. Mit dem internationalen Erfolg seines Romans "Die Glut" wurde Marai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erkannt.
Sandor Marais reflektiert in seinen Selbstgesprächen über Kunst, Literatur, Natur und Vergänglichkeit. Trotz impressionistischer Anmutung zeigt sich seine Resignation und der Rückzug aus dem öffentlichen Leben. In diesem 1942 zusammengestellten Band finden Leser die Balance zwischen Intellekt und Gefühl, die sie aus seinen Romanen kennen.
In "Die vier Jahreszeiten" legt Sándor Márai am Rhythmus der Jahreszeiten orientiert in tagebuchartigen Aufzeichnungen seine Betrachtungen, Eindrücke, Gedanken, Stimmungen und Gefühle über das Leben und die Vergänglichkeit auf gewohnt brillante Weise und in poetischer Dichte dar. Dabei beeindruckt vor allem seine edle, elegante Sprache, deren Melodie immer wieder aufs Neue begeistert und fasziniert. So schön kann Sprache sein! Ein Buch zum Genießen! Und vor allem ein Buch, das man nach der Lektüre nicht einfach zur Seite legt, sondern ein Buch, auf das man immer wieder zurückgreift.