Mit seiner ästhetisch-sensitiven Erschließung feinster Seelenzustände unter dem Vorzeichen subjektiver Entfremdung und Leere formte Jacobsen den Prototyp eines Fin-de-Siècle-Romans, in dem die für die Wende zum 20. Jahrhundert typische Endzeitstimmung herrscht. Die Handlung schildert die Entwicklung von Niels Lyhne, der auf einem Gut in Jütland in einem Spannungsfeld elterlicher Gegensätze aufwächst. Die Auswirkungen von Erbfaktoren, Erziehung und prägenden Erlebnissen formen seine Identität. Die Begegnung mit seiner Tante Edele weckt erste erotische Empfindungen, deren Tod führt zum Verlust des kindlichen Glaubens. In Kopenhagen verliebt sich Niels in Tema Boye, deren unkonventionelle Ansichten eine bürgerlich-konservative Haltung verbergen. Der Tod der Mutter und die Verlobung von Frau Boye mit einem anderen Mann lassen Niels vereinsamen. Später entwickelt sich eine Liebesbeziehung zu seiner Kusine Fennimore, die abrupt endet. Nach Jahren im Ausland kehrt er zurück und heiratet die 17-jährige Gerda, die seine atheistische Weltanschauung übernimmt, aber in ihrer Sterbestunde zum Glauben zurückkehrt. Niels gibt angesichts des Leidens seines Kindes seine Überzeugung preis und sucht im Deutsch-Dänischen Krieg den Tod. Die Romanhandlung besteht aus einzelnen Szenen, die die Entwicklung des Protagonisten und seine Begegnungen mit Frauen reflektieren. Die Polarität von „Traum“ und „Leben“ prägt die gedankliche Struktur des Werks, d
Přemysl Koldovský Bücher
