Die vorliegende Arbeit analysiert die Sportpalastrede und fokussiert sich auf ihre Funktion, im Gegensatz zu bestehenden Studien, die meist die Ursachen ihrer Wirkung untersuchen. Es wird argumentiert, dass Goebbels nicht primär das Ziel verfolgt, das Publikum vor Ort zu überzeugen oder zu überreden. Stattdessen wird das Publikum als Mittel genutzt, um machtpolitische Ziele intern durchzusetzen, insbesondere die von Goebbels seit 1941 geforderten Maßnahmen zur totalen Kriegführung. Zudem versucht Goebbels, außenpolitische Weichenstellungen vorzunehmen, um einen möglichen Zweifrontenkrieg gegen Deutschland zu vermeiden. Eine funktionsorientierte Analyse der Rede wird durchgeführt, wobei linguistisch-stilistische Elemente nur zur Markierung von Topoi und Adressaten herangezogen werden, um die Funktion zu verdeutlichen. Zunächst wird ein Überblick über die Forschung zur politischen Rhetorik und zur Funktion der Rede im Nationalsozialismus gegeben, um die Herausforderungen im Umgang mit NS-Reden und die gewählte Methode zu erläutern. Anschließend erfolgt eine institutionelle Kontextualisierung der Sportpalastrede, gefolgt von einer Erörterung ihrer außen- und innenpolitischen Funktionen. Abschließend wird die Problematik der Akklamation als Simulation einer demokratischen Volksabstimmung zur Legitimierung des totalen Kriegs behandelt.
Janin Taubert Bücher
