WeltLiteraturen - 2: Erzählräume nach Auschwitz
Literarische und videographierte Zeugnisse von Überlebenden der Shoah
- 396 Seiten
- 14 Lesestunden
Viele Überlebende der Shoah wollten Zeugnis ablegen und berichteten von ihren unerhörten Erfahrungen, sobald sie die Lager der Nationalsozialisten verließen. Ihre vielfältigen Zeugnisse sind bekannt, doch die Bedingungen ihrer Erzählungen sind weniger erforscht. Welche Möglichkeiten hatten sie, von ihren Verfolgungserfahrungen zu berichten, und welche Erzählräume standen ihnen zur Verfügung? Die Studie untersucht die Suche der Überlebenden nach Zuhörern und fokussiert sich auf zwei zentrale Zeugnisformen der Nachkriegsgeschichte: literarische Zeugnisse von Überlebenden wie Primo Levi, Jean Améry, Imre Kertész und Ruth Klüger sowie videographierte Interviews, die vor allem in den 1990er Jahren gesammelt wurden und heute in Museen und Schulen präsent sind. Anhand von Fallbeispielen werden die Erzählsituationen in beiden Medien kontextualisiert und analysiert. Der zentrale Gedanke ist, dass wir den Überlebenden erst dann richtig zuhören können, wenn wir die diskursiven Bedingungen verstehen, unter denen ihre Zeugnisse entstanden sind. Nur so können wir das ursprüngliche Dialogangebot annehmen, das uns die Zeugnisse der Überlebenden auch heute noch bieten.
