Die Kolumnen von Bestsellerautorin Elena Ferrante ( Die Neapolitanische Saga ) aus The Guardian Seit 2018 schreibt Elena Ferrante eine wöchentliche Kolumne für das Wochenendmagazin der britischen Zeitung The Guardian . Dabei setzt sich die Autorin der Neapolitanischen Saga in persönlichen Miniaturen mit einem breiten Spektrum verschiedener Themen auseinander – unter anderem mit der Kindheit, dem Altern, mit Geschlechterdiskursen und mit ganz Alltäglichem. Sie erzählt von ihrer ersten großen Liebe und warum sie eine Abneigung gegen Ausrufezeichen hat. Eva Mattes, die deutsche Stimme von Elena Ferrante, liest die Texte der Bestsellerautorin. Ungekürzte Lesung mit Eva Mattes 3 CDs, 3h 19min
Cerasela Barbone Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)



Als ich nach Neapel zurückzog, vermied ich es, wieder feste Beziehungen zu Lila aufzubauen. Das war nicht leicht. Sie versuchte fast sofort, erneut in mein Leben einzubrechen, und ich ignorierte sie, tolerierte sie, ertrug sie. Es sind die achtziger Jahre, Elena ist schließlich doch nach Neapel zurückgekehrt, aus Liebe. Die beste Entscheidung ihres ganzen Lebens, glaubt sie, doch als sich ihr nach und nach die ganze Wahrheit über den geliebten Mann offenbart, fällt sie ins Bodenlose. Lila, die ihren Schicksalsort nie verlassen hat, ist eine erfolgreiche Unternehmerin geworden, aber dieser Erfolg kommt sie teuer zu stehen. Denn sie gerät zusehends in die grausame, chauvinistische Welt des verbrecherischen Neapels, eine Welt, die sie zeit ihres Lebens verabscheut und bekämpft hat.
Das letzte Mal habe ich Lila vor fünf Jahren gesehen. Wir schlenderten früh am Morgen unsere Straße, den Stradone, entlang, und wie nun schon seit Jahren gelang es uns nicht, uns miteinander wohlzufühlen. Elena und Lila sind inzwischen erwachsene Frauen. Lila hat einen Sohn bekommen und sich von allem befreit, von der Ehe, von ihrem neuen Namen, vom Wohlstand. Sie hat ihrem alten Viertel den Rücken gekehrt, arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen in einer Wurstfabrik und befindet sich unversehens im Zentrum politischer Tumulte. Elena hat Neapel ganz verlassen, das Studium beendet und ihren ersten Roman veröffentlicht. Als sie in eine angesehene norditalienische Familie einheiratet und ihrerseits ein Kind bekommt, hält sie ihren gesellschaftlichen Aufstieg für vollendet. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ständig an Grenzen gerät.