Angela Rohrs späte Erzählungen Der Vogel und Die Zeit - entstanden um 1959 - gehören zu den ersten literarischen Auseinandersetzungen mit den Frauenschicksalen unter der stalinistischen Verfolgung. Beide Texte sind erst 2005 wiederaufgefunden worden. Die Österreicherin Angela Rohr (1890 - 1985) - expressionistische Dichterin, Dadaistin und Freundin Rilkes - verschlug es nach Versuchen in der Psychoanalyse 1925 nach Moskau und Sibirien. Von dort aus schrieb sie Feuilletons für die Frankfurter Zeitung und andere deutsche Blätter. In den Literaturgeschichten des Expressionismus galt die Dichterin bis heute als verschollen. Sowohl ihre frühe Prosa und die journalistischen Schriften als auch ihre späten Texte werden hier erstmals gesammelt und im Rahmen des Gesamtwerks vorgestellt
Angela Rohr Bücher






Der Band enthält die späten Erzählungen von Angela Rohr aus den 1960er und 1970er Jahren, die 2013 im Moskauer Memorial-Archiv entdeckt wurden. Er umfasst Manuskripte über den Transport ins Lager 1942 und Kindheitserinnerungen, wobei die Gulag-Texte erstmals manuskriptgetreu und andere als Erstveröffentlichungen erscheinen.
Lager
- 445 Seiten
- 16 Lesestunden
In ewiger Verbannung Unter all den Schilderungen aus dem Gulag ragt dieser erschütternde autobiographische Roman einer österreichischen Autorin und Ärztin heraus, die von Anfang an das System Gulag durchschaut und gnadenlos kühl beobachtet, wie ihre Heldin zu überleben versucht, um „das Gedächtnis für alle Zeit zu sein“. „Der Name Rohr gehört in jenes Firmament von Schrecken und Schönheit, dessen Fixsterne Franz Kafka und Primo Levi, Jorge Semprun und Warlam Schalamow heißen. Angela Rohrs Stern ist kleiner. Aber er leuchtet in der gleichen hellen Unerbittlichkeit.“ Elke Schmitter, DER SPIEGEL Als die namenlose deutsche Ich-Erzählerin 1942 in ein Lager des Gulag gebracht wird, gerät sie in eine Welt jenseits aller Normalität. Von nun an ist Rechtlosigkeit das einzige Gesetz. Sie wird als Ärztin in Lazaretten arbeiten, fast ohne Medikamente, ohne brauchbare Instrumente. Hunger und Kälte ist sie ebenso ausgeliefert wie der erbarmungslosen Lagerhierarchie. Als ihre völlig ungerechtfertigte Strafe abgebüßt ist, erwartet sie die „ewige Verbannung“ – eine andere Art von Unfreiheit, nicht weniger demütigend und gefahrvoll. Eine Drachenhaut aus Gefühlskälte soll sie schützen, doch die bekommt Risse, wenn unter dem Hass und der Niedertracht ringsum manchmal Reste von Zuneigung und Hilfsbereitschaft aufleuchten. – Angela Rohr hat mit diesem bereits 1964 geschriebenen autobiographischen Roman ein grandioses Dokument des Überlebenswillens unter düstersten Umständen hinterlassen.
Angela Rohrová (* 5. února 1890 Znojmo, † 7. dubna 1985, Moskva), rakouská spisovatelka a lékařka, žijící s manželem v Sovětském svazu, byla na začátku války zatčena a prožila celkem patnáct let v sovětských nápravných táborech jako kvalifikovaná zdravotnice. Formovaná tvrdými zkušenostmi, líčí autorka v autobiografickém románu Lágr nanejvýš realisticky nepředstavitelně kruté podmínky vězňů, především jejích pacientů v lazaretech, kde nebyly k dispozici ani sebeskromnější lékařské prostředky a nástroje, kde lidé trpěli následky těžké dřiny, podvýživy a pocitu beznaděje. Rohrová výstižně popisuje vyhrocené vztahy a charaktery, trýznění a masové umírání, kterému nebylo možné zabránit. A jak sama píše v závěru: „Sice jsem s tím nemohla nic dělat, ale byla jsem alespoň ‚pamětí na věčné časy', a to má svou cenu."