Expressionism
- 128 Seiten
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German
Ernst Barlach war ein deutscher expressionistischer Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller. Seine Werke, die oft gegen den Krieg protestierten, führten während des Aufstiegs der Nationalsozialistischen Partei zu erheblichen Konflikten und wurden als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Barlachs Schaffen zeichnet sich durch tiefen Humanismus und expressive Kraft aus, die auch Jahrzehnte später noch beim Betrachter nachklingt. Sein einzigartiger Stil und seine thematische Ausrichtung machen ihn zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Kunstwelt.






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„Ich wurde am 2. Januar 1870 geboren. Die Welt, die ich anzuschauen bekam, ließ es sich von meinem guten Platze aus gefallen, dem Eckhaus am Markt, wo ich vom Balkon herab einen Leichenzug mit herzlichem Hurra begrüßte, da ich den Unterschied von einem Schützenausmarsch noch nicht wahrnahm.“ Zehn Jahre vor seinem Tod legt der deutsche Bildhauer, Grafiker und Dichter Ernst Barlach beim Verlag Bruno Cassirer in Berlin seine Autobiografie unter dem Titel »Ein selbsterzähltes Leben« vor. Barlach, den man zu den wohl bedeutendsten deutschen Expressionisten zählen darf, schuf literarische Werke, die seinem bildnerischen Schaffen ebenbürtig, aber weit weniger bekannt sind. Seine eigenwillige, expressive Sprache ist ihm ein „Spiegeln des Unendlichen“, die bildhafte Ausdruckskraft, sein Humor und die scharfe Beobachtungsgabe machen diese Autobiografie zu einem Klassiker, die zu lesen auch heute große Freude bereitet.
Der arme Vetter. Ernst Barlach (1870 - 1938), Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner, besonders bekannt für seine Holzpl
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»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder«. Heinrich von Kleist erzählt das Schicksal des Rosshändlers Kohlhaas, der in einem blutigen Rachefeldzug Vergeltung für erlittene Ungerechtigkeit übt. Aber statt die Ordnung der Gesetze wieder herzustellen, stürzt er sich und seine Umwelt in heilloses Chaos. Basierend auf wahren Begebenheiten, erzählt Kleists berühmte Novelle von einer misslungenen Gratwanderung zwischen Gerechtigkeit und Selbstjustiz in ebenso mitreißender wie rigoroser Weise.
Auf dem Weg in die Moderne
Als Seespeck nicht lange danach in der Gegend von Wilsede in einer Postkutsche durch die Lüneburger Heide auf Buxtehude zu fuhr, weil er am Tage darauf in Hamburg sein mußte, saß er mehrere Stunden in eines Mannes Gesellschaft, die seinen gewöhnlichen Zustand so sehr verkehrte, daß es ihm zu Mute war, als stände er ohne Halt auf einer hohen Leiter oder als faßte ihn für die ganze Zeit ein Schwindel, weil er in einen Spiegel hineinschaute, in dem sich alles bewegte, was draußen sonst ruhig lag und stand. So oft er meinte, sich so zu rücken, daß er den andern fest ins Auge fassen konnte, schien ihm der Boden unter den Füßen zu schwanken, und alles wollte sich vor seinen Blicken wie einem überkopf Stürzenden um- und umkehren. Er hatte den Tag vorher auf dem Wilseder Berge lange gezecht, und daher saß ihm in der Magengegend noch ein gelegentliches Gefühl, als gerönne etwas, als versteinte oder erstarrte etwas, worauf sich gleichzeitig ein leichter Schwindel hinter der Stirn merkbar machte. Aber damit hatte der Anblick dieses Mannes in der Ecke der Postkutsche wohl nichts zu tun, auf dessen Gesicht vom Licht der Bocklaterne ein Rückwärtsstrahl fiel. Seespeck selbst saß in der schräg gegenüberliegenden Ecke am offenen Türfenster und ließ vor diesem noch am Seitenfenster sein Profil gegen den Himmel abschatten.
Ernst Barlach: Der gestohlene Mond. Roman Edition Holzinger. Taschenbuch Berliner Ausgabe, 2017 Durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger Erstdruck: Berlin, Suhrkamp, 1948 Herausgeber der Reihe: Michael Holzinger Reihengestaltung: Viktor Harvion Umschlaggestaltung unter Verwendung des Bildes: Odilon Redon, Satan, 1877 Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Reise ins Herz des südlichen Rußland (1906 – 1912) Im Sommer 1906 flüchtet Barlach gewissermaßen angesichts einer persönlichen Krise zu seinem Bruder nach Russland. Das dortige Erleben von Menschen und Landschaft, namentlich der Steppe, haben im Künstler “verborgene Quellen freigelegt“. Er kehrt nach achtwöchigem Unterwegssein zurück als anderer Mensch und anderer Künstler: Er beginnt ohne Anleitung in Holz zu arbeiten, sein schreiben wird expressiv und geschieht fortan eruptionsartig. Es geht nicht mehr um Formspielerei, sondern um „Teilnahme“ am Menschlichen. Der Reisebericht präsentiert zahlreiche Erlebnisse, Beobachtungen, Erfahrungen episodisch beschreibend und kommentierend: Alltägliches, Skurriles, Erhabenes erscheint als Exotisches und wird aus der Haltung gelassener Distanz gesehen. – Der Reisebericht stellt den Höhe- und gleichzeitig Endpunkt von Barlachs frühem Schreiben dar. Es zielt auf ästhetische Qualität, ist Produkt hochentwickelter Schreibkunst und strebt nach dem Ausweis literarischer Meisterschaft. Die elegant schwingende Satzperiode ist ihm eigen. Die Nähe zu Impressionismus und Jugendstil ist unverkennbar. Das Werk erscheint erstmals in zwei Fassungen, einer ursprünglichen sowie einer schließlich stark veränderten – beides in authentischer Textgestalt.
„Naomi Jackson Groves hat sich mit ihrem klugen Arrangement und respektvoller Befragung des Bildhauers, Linienoperateurs und Wortschöpfers um eine substantielle Resonanz verdient gemacht. Autobiographie und Tagebuch, Briefe und Gespräche, Roman und Drama liefern Textauszüge, die den seelischen Haushalt und die künstlerische Ökonomie dieses charaktervollen Außenseiters in authentischer Weise und in logischer Korrespondenz zur figuralen Gestaltung fixieren.” (Hans Kinkel, FAZ) Das Besondere an dem Buch ist die Gegenüberstellung textlicher und bildnerischer Gestaltungen des jeweils gleichen Themas.
Holzschnitte von Ernst Barlach
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Gedenkstätte Güstrow, Gertrudenkapelle
Zehn Akte
48 Lithographien und Holzschnitte
Plastik, Zeichnungen, Graphik