Theorie der Wolke
Für eine Geschichte der Malerei
Vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durchzieht die Wolke den Himmel der westlichen Malerei. Weniger ein beschreibendes Motiv, ist die Wolke ein Element der bildlichen Semiotik, ein Zeichen, dessen Funktionen sich mit der Zeit verändern. Ursprünglich verwendet, um das Heilige im Realen erscheinen zu lassen (Christi Himmelfahrt, mystische Visionen), spielt sie in der Renaissance eine ambivalente Rolle, als das perspektivische Modell die Regulierung sicherstellt: Die Wolke verdeckt das Unvorstellbare, während sie es gleichzeitig bezeichnet und so das paradoxe Gleichgewicht einer bildlichen Institution gewährleistet, die eng mit den Bedingungen der Wissenschaft verbunden ist. Letztlich wird hier versucht, durch eine Bestandsaufnahme der sukzessiven Funktionen des Zeichens „Wolke“ eine kritische Neugestaltung der Bereiche und Rollen von Kunst, Wissenschaft und Ideologie in einer Struktur der Repräsentation vorzunehmen: ein Element, um der Kunstgeschichte ihre systematische und materialistische Dimension zurückzugeben.







