Zur späten Renaissance von Joachim Raff (1822–1882) trägt eine umfangreiche Biografie wesentlich zur Wiederentdeckung seines Schaffens bei. Obwohl seine Sinfonik einst bedeutende Komponisten wie Liszt und Mahler beeindruckte, blieb die Erinnerung an ihn auf die Cavatina op. 85 Nr. 3 für Violine und Klavier beschränkt. Dieses Stück, sein erfolgreichstes, verdeckte fast ein Jahrhundert lang sein vielseitiges Gesamtwerk mit 216 Opuszahlen. Die Joachim Raff-Gesellschaft in Lachen SZ setzt sich seit 1972 für den Komponisten ein, der als Sohn eines Deutschen und einer Schweizerin geboren wurde. Präsident Res Marty präsentiert nun das Ergebnis jahrelanger Recherchen in Archiven und Bibliotheken. Das umfangreiche Buch, das weit mehr als eine Biografie ist, fungiert als Kulturgeschichte der deutschen Romantik. Es vereint unveröffentlichte Dokumente von Größen wie Goethe und Wagner mit neuen Einblicken. Mit 440 Seiten ist es die umfangreichste Publikation über Schweizer Komponisten. Marty, ein musikforschender Quereinsteiger, hat ein Standardwerk geschaffen, das hoffentlich zur Überwindung von Vorurteilen gegenüber Raffs Werk beiträgt. Seine Hauptwerke, darunter die 3. Sinfonie Im Walde und das Klavierkonzert c-Moll, verdienen es, wieder regelmäßig aufgeführt zu werden. Die meisten unveröffentlichten Dokumente stammen aus der Bayerischen Staatsbibliothek München, und Marty hat viele biografisch aufschlussreiche Briefe beigesteuert.
Bernhard Billeter Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)
26. Juli 1936

- 2014