Lebensdinge
Alltagsphilosophische Zugänge






Alltagsphilosophische Zugänge
„Ich war stets und bleibe der Meinung, dass man viel zu viel blöde, kranke, degenerierte und schlechte, dagegen viel zu wenig gesunde, intelligente, arbeitsame, gute, sozial brauchbare Menschen besitzt. Ich bin Gegner des Quantitäts-, aber Freund des Qualitätsmalthusianismus, somit Anhänger einer bewussten und vernünftigen Eugenik, wie sie F. Galton vertritt.“ Bei der Beschäftigung mit Forels Persönlichkeit und Werk ist man oft hin- und hergerissen zwischen Erstaunen und Entsetzen. Forel war Psychiater und Direktor der Psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich sowie ein passionierter Ameisenforscher, der auf der 1000-Schweizer-Franken-Banknote abgebildet war. Gleichzeitig war er Rassehygieniker, was zu kontroversen Aussagen führte. Die Auseinandersetzung mit Forel hat eine eigene Geschichte: Bis Anfang der 1990er Jahre wurden hauptsächlich seine positiven Leistungen hervorgehoben, während seine rassistischen und eugenischen Ansichten später stärker in den Fokus rückten. Der vorliegende Band beleuchtet Forel sowohl als historische Persönlichkeit, die eingeordnet werden muss, als auch im Kontext der Erinnerungskultur an der Universität. Es wird die Frage aufgeworfen, ob öffentliche Ehrungen nicht grundsätzlich als temporär betrachtet werden sollten, da die Ehrgeschichte kontinuierlich neu geschrieben werden muss.
Der öffentliche Diskurs zu ethisch brisanten Fragen der Wissenschaften findet heute vorwiegend in den Medien statt. Bedingt durch die strukturelle Überlastung der Universitäten mit Forschung und Lehre ist die ethische Meinungsbildung „an Ort und Stelle“, unter den Wissenschaftern selbst, meist nur begrenzt möglich. Stärker als die Wissenschaft, aber schwächer als die Politik, ist die Ethik kontrovers strukturiert. Anders als in den Wissenschaften herrschen grössere Meinungsunterschiede über die Art der moralischen Probleme sowie deren Lösung. Und im Unterschied zur Politik besteht „gute“ Ethik darin, durch Verbindung von Argument und Kontroverse einen Konsens herbeizuführen, also an einem tragfähigen Ethos festzuhalten, wo die Politik häufig nur weiter konflikthafte Kompromisse erzielen kann. In diesem Band diskutieren Fachwissenschaftler mit Ethikerinnen und Ethikern über die „ethischen Probleme“ in ihrem Fachgebiet: u. a. zur Gentechnik, zu Betrug in der Wissenschaft, Pädagogik, Klimapolitik, Wirtschaft, Bank- und Finanzindustrie, Religion und Medizin.
Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord
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