Ältere Theaterfreunde mögen noch eine Ahnung davon haben, dass rechts neben dem Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm, wo heute ein Luxuswohnkomplex sich auftürmt, bis 1985 der alte Friedrichstadt-Palast gestanden hat. Doch die Erinnerung an den seinerzeit so populären grauen Riesenbau ist längst verblasst. Und wer weiß schon, dass er unter den Nationalsozialisten »Palast der 5000« hieß und in der Zeit der Weimarer Republik Max Reinhardts legendäres »Großes Schauspielhaus« beherbergte, jene von Hans Poelzig spektakulär umgestaltete »Tropfsteinhöhle«, wie die Berliner den Bau damals liebevoll-despektierlich nannten? Ganz zu schweigen davon, dass im selben Gehäuse zuvor der nicht minder berühmte Circus Renz residierte? All diese Transformationen ließ der filigrane Ursprungsbau von Friedrich Hitzig aus dem Jahre 1867 – die erste Berliner Markthalle aus Eisen und Glas nach Pariser Vorbild – mit sich geschehen! Der Architekt Helmut Maier führt durch die facettenreiche Baugeschichte bis hin zum Abbruch. Maier hatte erstmalig die Gießerei an der Ruhr ausfindig gemacht und sogar während der Demontage ein Stück der damals freigelegten Gußfassade ins Exil nach West-Berlin entführt – um mehr als dreißig Jahre später diese wertvolle Spolie zum Neuen Friedrichstadt-Palast zurückzubringen und zum Gedenken an das so bedeutende wie geschichtenträchtige verlorene Berliner Bauwerk dort aufstellen zu lassen.
Helmut Maier Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






Als Hans Scharoun den jungen Studenten Helmut Maier 1959 im Rahmen einer städtebaulichen Übung auf die Museumsinsel schickte, fiel dessen Blick auch auf Schinkels Bauakademie. Die Ruine faszinierte ihn derart, dass er ihren Zustand bis zum Abriss in 35 Photographien dokumentierte. Helmut Maier gehört seit dem traumatischen Verlust des Bauwerks zu den entschiedenen Verfechtern eines – in der wiedervereinigten Stadt heute möglich gewordenen – präzisen Wiederaufbaus. Zwar hatte es bis 1956 erste Rettungsmaßnahmen gemäß eines Erhaltungskonzepts Richard Paulicks gegeben. Doch die DDR der Ulbricht-Ära wollte sich an diesem Ort in einem überdimensionierten, der internationalen Moderne verpflichteten Außenministerium repräsentieren. Dafür und um den Demonstrationsritualen von Staat und Partei über das Areal des schon 1950 gesprengten Stadtschlosses hinaus noch mehr Raum nach Westen zu geben, beseitigte man 1962 auch die ehemalige Kommandantur gegenüber dem Zeughaus mitsamt der kriegsbeschädigten Bebauung am Schinkelplatz und der Bauakademie. Immerhin wurde deren figürlicher und ornamentaler Terrakottaschmuck für einen eventuellen Nachbau an (unbekannter) anderer Stelle geborgen und bis heute aufbewahrt.
Die Waffenschmiede des "Dritten Reiches"
Die deutsche Rüstungsindustrie in Oberschlesien während des Zweiten Weltkrieges
- 591 Seiten
- 21 Lesestunden
Dank reicher Steinkohlevorkommen war Oberschlesien seit dem 19. Jahrhundert eines der wichtigsten deutschen und polnischen Industriereviere. Infolge der politischen Teilung ging seine Bedeutung jedoch ab Anfang der 1920er Jahre erheblich zurück. Nach dem Überfall auf Polen und der Besetzung Ostoberschlesiens durch die Deutschen Ende 1939 wurden seine Unternehmen sukzessive in die deutsche Kriegswirtschaft integriert. Während die polnische Historiographie die Geschichte Oberschlesiens bereits erforscht hat, wurde das Thema in Deutschland bislang nur randständig untersucht. Der Band legt die Übersetzung der Studie des polnischen Historikers Miroslaw Sikora vor, der die Bedeutung Oberschlesiens für die Rüstung des Deutschen Reiches bis 1945 umfassend darstellt. Auf der Grundlage reicher statistischer Daten zeigt er, dass das oberschlesische Industrierevier bei der Produktion von Panzern, Waffen und Munition vor allem bei der Heeresrüstung eine Schlüsselstellung innehatte.

