Die Wehrmacht im Rassenkrieg
- 223 Seiten
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Dies ist die erste umfassende Untersuchung über Opfer der nationalsozialistischen Wehrmachtsjustiz in Österreich. Anhand von über 3.000 ausgewerteten Fällen von Wehrmachtangehörigen und ZivilistInnen sind empirisch abgesicherte Aussagen über militärgerichtliche Strafverfahren, Verurteilungen, Delikte und Strafmaße möglich. Ein praktisches Ergebnis des Projekts ist eine Datenbank mit den Namen von ca. 1600 Personen, die Verfahren zur Rehabilitierung dieser weitgehend vergessenen Opfer ermöglicht. Die Delikte umfassten Desertion, Wehrdienstverweigerung, „Wehrkraftzersetzung“, Selbstverstümmelung und Hochverrat, sowie bisher unbeachtete Tatbestände. Die Untersuchung zeigt, dass sowohl die Spruchpraxis der Gerichte als auch der militärische Strafvollzug grobes Unrecht waren, insbesondere bei den barbarischen Urteilen für Bagatelldelikte. Die qualitative Auswertung von über 30 Interviews mit Deserteuren und Wehrdienstverweigerern verdeutlicht ihre Verfolgung und die gesellschaftliche Behandlung. Während der Deutsche Bundestag 2002 die kollektive Rehabilitierung von Opfern der NS-Militärjustiz beschloss, wird hier deutlich, dass in Österreich eine gesetzliche Regelung zur Rehabilitierung überfällig ist. Darüber hinaus ist diese Studie ein Standardwerk, da sie grundlegendes Material zur Struktur der NS-Militärgerichtsbarkeit bietet, basierend auf der Sichtung mehrerer zehntausend Akten.
Das Buch behandelt den Mord an etwa 200 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern in Rechnitz, Österreich, wenige Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee im März 1945. Herausgeber Manoschek leistet eine wissenschaftliche Aufarbeitung eines Verbrechens, das lange Zeit ignoriert oder als Einzelfall abgetan wurde, obwohl es den Beginn einer Serie von Massenverbrechen an Zwangsarbeitern markiert. Elfriede Jelinek beschreibt in ihrem Vorwort, dass sie ein Theaterstück über dieses kaum bekannte Thema verfasst hat. Der Volksgerichtsprozess von 1948 konnte nicht klären, wer an dem Verbrechen beteiligt war. Das Buch rekonstruiert nicht nur die Ereignisse der Nacht des 24. März 1945, sondern analysiert auch, wie die österreichische Gesellschaft in den letzten sechs Jahrzehnten mit diesem Massaker umgegangen ist. Viele Einheimische waren involviert, und eine offene Auseinandersetzung fand bis heute nicht statt. Das Massaker wird als Teil eines größeren Phänomens betrachtet, das mit der systematischen Tötung von jüdischen Zwangsarbeitern zusammenhängt. Die Analyse der Gerichtsunterlagen zeigt, dass der angenommene Tathergang unvollständig ist und es Hinweise auf eine organisierte Aktion gibt. Die Suche nach den Gräbern der Ermordeten bleibt erfolglos, während Manoschek auch nach den Lebensgeschichten der Opfer fragt und die Verantwortung der Gemeinschaft beleuchtet.