Stephan Braese Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






Studien zur deutschsprachig-jüdischen Literatur und Kultur
Standortbestimmungen eines transdisziplinären Forschungsfeldes
- 346 Seiten
- 13 Lesestunden
Transdisziplinäre Zugänge zu deutschsprachig-jüdischer Literatur und Kultur Die Beiträge des Bandes vermessen paradigmatisch und mittels transdisziplinärer Zugänge das Forschungsfeld der deutschsprachig-jüdischen Literatur und Kultur. Sie entwerfen neue Sichten auf die heterogene und reiche europäisch-jüdische kulturelle Produktion.Der Band befasst sich mit vier Themenkomplexen: den Dimensionen des Europäischen, außertextuellen und medialen Formen der Repräsentation jüdischer Erfahrung, Fragen der kulturellen Übersetzung und Raumkonzeptionen.Damit entsteht ein Dialog zwischen Jüdischen Studien, Germanistik, Kulturwissenschaften, Komparatistik und Geschichtswissenschaft, der für aktuelle Forschungsfelder wie Migrationsliteratur, Weltliteratur, Translation etc. Impulse liefert.
Anlässlich des 100. Geburtstags von Wolfgang Hildesheimer am 9. Dezember 2016 erscheint die erste umfassende Biographie eines der bedeutendsten Autoren nach 1945. Hildesheimer gilt als zentrale Stimme des politisch engagierten Bürgertums und verließ 1933 Deutschland, um in England und Palästina zu leben. Nach dem Krieg war er Simultandolmetscher bei den Nürnberger Prozessen und trat der Gruppe 47 bei. Stephan Braese beleuchtet Hildesheimers biografische Stationen und setzt sein Werk in den Kontext historischer und kultureller Diskurse. Seine multikulturelle Erfahrung, das Bekenntnis zur Psychoanalyse und die Verschmelzung von Literatur, Musik und bildender Kunst prägten sein einzigartiges künstlerisches Schaffen. Hildesheimers öffentliche Stellungnahmen zu kontroversen Themen zeigen ihn als engagierten Bürger und Intellektuellen. Die Biographie wertet zahlreiche bisher ungedruckte Quellen aus und bietet ein Porträt der alten Bundesrepublik, insbesondere ihrer kulturellen und politischen Verhältnisse. Braese verdeutlicht, dass Hildesheimers Wirken von dem Bestreben geprägt war, den Bruch zwischen deutscher Kultur und internationalen Entwicklungen während der NS-Zeit zu überwinden.
NS-Medizin und Öffentlichkeit
- 345 Seiten
- 13 Lesestunden
Die Selbstaufklärung der bundesrepublikanischen Gesellschaft über die Geschichte der NS-Medizin stieß auf enorme Widerstände und Aporien. Dieses Buch zeigt auf, wie neben kritischen Ärzten und Medizinhistorikern auch zahlreiche Schriftsteller versuchten, die deutsche Öffentlichkeit über dieses dunkle Kapitel aufzuklären. Die Beiträge zeichnen die Jahrzehnte währenden Konflikte in Fachgesellschaften und Universitäten nach und illustrieren, wie seit den 1960er Jahren Autoren wie Rolf Hochhuth, Peter Weiss, Marcel Beyer und Hans-Ulrich Treichel NS-Medizinverbrechen und ihre Täter literarisch an den Pranger stellten.
Meine Sprache ist Deutsch
Deutsche Sprachkultur von Juden und die Geisteswissenschaften 1870–1970
- 290 Seiten
- 11 Lesestunden
In den sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelnden ›Geisteswissenschaften‹ spielten jüdische Gelehrte eine wichtige Rolle. Die Begegnung einer in über 100 Jahren entwickelten deutschen Sprachkultur von Juden mit einer neuen Formation des Wissens führte die beteiligten jüdischen Wissenschaftler dabei in eine ambivalente Situation: Einerseits erschien das Verstehen von Geist und Kultur ein Weg zur oft ersehnten Integration, andererseits wurde dieser Geist oft selbst national besetzt und schloss eine spezifisch jüdische Sprachkultur latent oder auch manifest aus. Diese prekäre Lage erwies sich kulturell und wissenschaftlich als außerordentlich produktiv und kann als entscheidender Faktor für den zentralen Beitrag jüdischer Wissenschaftler zur Erfolgsgeschichte der Geisteswissenschaften gelten. An dieser Geschichte zeichnet sich nicht nur besonders deutlich die spezifische Problematik jüdischen Sprechens in Deutschland ab, sie eröffnet auch Perspektiven auf die historischen wie aktuellen Potentiale und Grenzen der Geisteswissenschaften.
Rechenschaften
Juristischer und literarischer Diskurs in der Auseinandersetzung mit den NS-Massenverbrechen
- 198 Seiten
- 7 Lesestunden
Deutschsprachige Schriftsteller reagierten literarisch auf die NS-Prozesse, als das Ausmaß der nationalsozialistischen Massenverbrechen in den Nürnberger Prozessen und dem Frankfurter Auschwitz-Prozess offenbar wurde. Der juristische Diskurs konnte dem, was Deutsche in Europa angerichtet hatten, nicht gerecht werden. 1965 äußerte der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den Wunsch nach einem Dichter, der das Unaussprechliche in Worte fassen könne. Einige Schriftsteller verfolgten die Prozesse, doch konnten sie Bauers Erwartungen erfüllen? Die Beiträge des Buches beleuchten verschiedene Aspekte dieser Thematik. Stephan Braese bietet eine Einführung in die Juris-Diktionen, während Robert André die Sprache des „Unmenschen“ in W. E. Süskinds Werk und dem Nürnberger Prozess untersucht. Cornelia Vismann thematisiert Sprachbrüche im Kriegsverbrecherprozess, und Henry A. Lea reflektiert Wolfgang Hildesheimers Erfahrungen. Hanno Loewy fragt, ob ähnliche Verbrechen wiederholt werden könnten, und Vivian Liska diskutiert die Verbindung zwischen Akten und Dichtung in Marie Luise Kaschnitz' Werk. Weitere Beiträge befassen sich mit Horst Krügers Beobachtungen im Auschwitz-Prozess, Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ und Alexander Kluges Auseinandersetzung mit KZ und politischem Verbrechen. Abschließend wird die Geschichtsschüchternheit in Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ thematisiert.