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Als Golo Mann im Jahre 1986 seine Memoiren veröffentlichte, löste deren Titel, Erinnerungen und Gedanken, Befremden aus. Was wollte er, der sich mit seiner Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (1958) und einer umfangreichen Wallenstein-Biographie (1971) als Historiker einen Namen gemacht hatte, mit dieser Anspielung auf Bismarcks Gedanken und Erinnerungen bezwecken? Eine indirekte Antwort liefert nun der zweite Band seiner Memoiren. Der Reichskanzler habe sein Werk ursprünglich tatsächlich "Erinnerung und Gedanke" im Singular betiteln wollen, die Änderung und nicht zuletzt auch die neue Reihenfolge sei dann erst auf Anraten des damaligen Herausgebers -- "eines Gymnasialprofessors" -- zustande gekommen. Diese Reaktion auf die Aufnahme des ersten Bandes durch das Publikum, aber auch andere Betrachtungen zu einmal Gelesenem ebenso wie zu Zeitereignissen durchziehen das Manuskript des zweiten Bandes, das bei seinem Tod im Jahre 1994 noch längst nicht abgeschlossen war. Doch gerade der Eindruck des Unfertigen, das Nebeneinander von fertig ausformulierten Erinnerungen an seine Zeit als Deutschlektor an der berühmten École Normale Supérieure von Saint-Cloud bzw. später an der Universität von Rennes und von noch im Fluß befindlichen Gedanken sind lesenswert. Sie geben nicht nur einen Einblick in die Familienverhältnisse, insbesondere die Schwierigkeiten der beiden Brüder Klaus und Golo und deren streitbarer Schwester Erika wieder, aus dem übermächtigen Schatten des berühmten Vaters herauszutreten. Golos anfänglicher Hoffnung, sich in Paris eine eigene Existenz als Hochschullehrer aufbauen zu können, machte die neue französische Ausländergesetzgebung einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Beschreibung seines Alltags, die Kontakte zu französischen Kollegen ebenso wie seine Beobachtungen zu den Aktivitäten der deutschen Emigranten, sei es in Paris, sei es in der Kolonie von Sanary-sur-Mer, machen das Buch zu einem wertvollen Zeitzeugnis. Es liefert interessante Eindrücke von den politischen Ereignissen während der dreißiger Jahre und den Lebensverhältnissen im Exil. Es war daher nur konsequent, daß die beiden Herausgeber an den Schluß des Bandes Auszüge aus den Tagebuchaufzeichnungen aus dem Frühsommer 1940 gestellt haben. Golo, der von der Schweiz kommend sich nach dem deutschen Angriff als Kriegsfreiwilliger zur Verfügung stellen wollte, wurde noch an der Grenze von den Franzosen interniert. Nach einer Odyssee durch zahlreiche Lager, wo er viele der deutschen Emigranten wiedertraf, gelangte er erst Mitte September auf abenteuerlichen Wegen über Spanien und Portugal in die USA, wo er von seinem Vater, Thomas Mann, bereits seit Wochen sehnlichst erwartet wurde. --Stefan Martens
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Erinnerungen und Gedanken, Golo Mann
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- Erscheinungsdatum
- 1999
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