Ein materialistischer und ein queertheoretischer Feminismus werden oft als unvereinbar betrachtet. Der materialistische Feminismus basiert auf einer marxistischen Tradition, die gesellschaftliche Strukturen in den Vordergrund stellt, während die queerfeministische Theorie, aus poststrukturalistischen Überlegungen heraus, die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht thematisiert. Diese Differenz wird durch den Widerspruch zwischen Klassen- und Identitätspolitik verstärkt. Klassenpolitik ignoriert häufig andere Ungleichheiten wie Geschlecht und Sexualität, während Identitätspolitik kritisiert wird, Kapital- und Klassenverhältnisse nicht zu berücksichtigen. Die Unterschiede werden überbetont, anstatt gemeinsame Ansätze für eine emanzipatorische queer-feministische und antikapitalistische Politik zu finden. Dieses Buch bietet eine Einführung in die Grundlagen eines queerfeministischen Materialismus und zeigt anhand aktueller Debatten zu trans- und queerem Marxismus, wie eine emanzipatorische Theoriebildung jenseits des vermeintlichen Widerspruchs zwischen Queer und Klasse möglich ist. Mit Beiträgen von renommierten Autor:innen, die sowohl legendäre Texte als auch neue Perspektiven präsentieren, regt es dazu an, die kapitalistische Vergeschlechtlichung zu überwinden.
Friederike Beier Reihenfolge der Bücher


- 2023
- 2018
materializing feminism
Positionierungen zu Ökonomie, Staat und Identität
"Materialize bedeutet manifestieren, verstofflichen, gegenständlich machen. Der Sammelband macht daher Kontroversen und aktuelle Herausforderungen feministischer Theorie und Praxis sichtbar.Feministische Themen sind im Mainstream angekommen: Das Aufbegehren gegen Sexismus wird zunehmend salonfähig, Feminismus verkauft sich nicht nur auf T-Shirts und Frauenförderung und Gleichstellung sind Anliegen staatlicher Politik. Dieser Erfolg ist genauso begrüßenswert wie ambivalent, da soziale Ungleichheit durch die Zurichtungen kapitalistischer Verwertungslogik ausgeblendet oder sogar verschärft wird.Vor diesem Hintergrund fragen wir nach den Herausforderungen und den Kontroversen emanzipatorischer Politik und Theorie, die sich gegen die Vereinnahmung durch Kapitalismus und Antifeminismus wendet. Die Beiträge behandeln das Geschlechterverhältnis im Kapitalismus, Identitätspolitik, intersektionale Perspektiven und die Vereinnahmung feministischer Themen sowie mögliche Gegenstrategien."