Als der britische Autor Joe Dunthorne einen Vortrag über seine Familie im »Dritten Reich« vorbereitete, machte er eine erstaunliche Entdeckung: Sein jüdischer Urgroßvater, Siegfried Merzbacher, war in den 1920er- und 1930er-Jahren Chemiker in Oranienburg und entwickelte unter anderem radioaktive Zahnpasta. Später war er an der Produktion chemischer Waffen für die Nazis beteiligt. Die Familie musste in den 1930er-Jahren emigrieren, und diese schmerzliche Erinnerung belastete sie über Generationen. Dunthorne begibt sich auf eine fesselnde Spurensuche, die ihn nach Oranienburg führt, wo die Vergangenheit durch Blindgänger und die Hinterlassenschaften der chemischen Kriegsführung noch immer spürbar ist. Merzbacher, der 1935 das Land verlassen musste, ließ in seinen Memoiren, die von 1890 bis 1970 reichen, diese Episode unerwähnt, was auf die Auswirkungen seines Lebens im Exil hinweist. Die Erzählung ist eine tiefgreifende Reflexion über individuelles und kollektives Erbe, Traumata und die Suche nach Wahrheit. Dunthorne bietet eine kluge Erkundung seiner Familiengeschichte, die den Leser auf ein bemerkenswertes Abenteuer mitnimmt, und schafft es, intime und historische Widersprüche zu beleuchten.
Hans-Christian Oeser Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






Schnee in Amsterdam
Roman
Ein älteres Ehepaar aus Glasgow, Gerry und Stella Gilmore, fliegt für ein verlängertes Wochenende nach Amsterdam. Die kleine Reise soll die beiden aufmuntern, sie wollen die Stadt erkunden und etwas für ihre Ehe tun. Sie lieben sich noch, man kennt einander samt allen kleinen Fehlern – aber in den vier Tagen treten tiefe Risse in ihrer Beziehung zutage. Und es wird klar, dass Stella einen ganz eigenen Plan verfolgt. Dieser Plan hängt mit einem der bezauberndsten Orte in Amsterdam zusammen, dem Beginenhof, und mit einem Gelübde, das Stella einst getan hat. Gerry dagegen, ehemaliger Architekt, hat weitgehend abgeschlossen mit seinem Leben, in dem der Alkohol eine zu große Rolle spielt. Während ihrer Reise drängt allmählich ein Ereignis aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Belfast, Nordirland, immer stärker an die Oberfläche, etwas, das ihr ganzes Leben geprägt hat. Am Ende der Reise zeigt sich, wie tief der Graben zwischen ihnen wirklich ist. Ein dichter, bewegender und aufwühlender Roman voller Lebensklugheit, Komik und Tragik.
Der Teppich mit den großen pinkfarbenen Rosen
- 176 Seiten
- 7 Lesestunden
Mrs. Delia Bagot kümmert sich hingebungsvoll um Haus und Garten, um ihren Ehemann Martin, die Töchter Lily und Margaret, um Hund und Katzen. Manchmal jedoch bringt sie die Energie für ihr Leben nicht auf. Dann träumt sie davon, auf ihrem Teppich mit den pinkfarbenen Rosen einfach davonzufliegen. Und wenn die Kinder einmal fort sind, fühlt sie sich so einsam, daß sie bei ihrem eigenen Schatten Trost sucht. Maeve Brennans acht Geschichten über Delia und Martin Bagot sind meisterhaft geschrieben, melancholisch und betörend schön. Sie handeln von einer Ehe, in der es für Liebe und Trauer keine Sprache und keine Gesten mehr gibt. Doch auch die Bagots waren einmal ein Liebespaar. Davon erzählt die letzte und längste Geschichte des Buchs, in der eine neue, beeindruckend boshafte Stimme ins Spiel kommt: Martins Zwillingsschwester Min. Die alte Frau haust seit dem Tod der Bagots zwischen deren Möbeln. Delias geliebter Teppich liegt nun in Mins Wohnzimmer und Martins Ehering steckt an ihrem Finger - letzter Triumph eines rachsüchtigen, aber auch zutiefst verletzten Menschen.
James Joyce
- 158 Seiten
- 6 Lesestunden
Mit Ulysses schuf James Joyce eine neue Odysee, mit Finnegans Wake eine ganz eigene Sprache. Unbeirrbar verfolgte der gebürtige Dubliner, der seiner von britischem Staat und katholischer Kirche beherrschten Heimatinsel den Rücken kehrte, seine literarischen Ziele – ein Wortkünstler, der nachgerade mythischen Status genießt.
Magische Geschichten aus dem Reich der Einsamkeit und Angst, Unschuld und Leidenschaft, Hass und Sehnsucht. Sie erkunden die Themen Liebe, Selbsterkenntnis und eine paradoxe Form von Glück in unterschiedlichen Stimmungen und Zeiten.
Ungekürzte und unbearbeitete Texte in der Originalsprache, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen.
Der Vater wartet nachts vorm Schlafzimmer ungeduldig auf die Niederkunft seiner Frau. Als nach Stunden nur noch laute Schnarchgeräusche zu hören sind, öffnet er die Tür: Neben seiner Frau liegt der Arzt im Bett, der im Bierrausch eingeschlafen ist. Der Vater muss mit dem Fahrrad eilig eine Freundin für die Geburtshilfe holen, denn der Doktor ist partout nicht wachzukriegen. So ist Dermot Healy nicht zur Welt gekommen - er glaubte es nur die längste Zeit. Familiengeschichten wurden im Haus der Healys so erzählt, dass jeder meinte, er sei dabei gewesen. In Wahrheit trug sich das Ereignis in der Nachbarschaft zu. "Dichtung beginnt im Haus einer Nachbarin"§, folgert Healy, und sie ist die große Schwester der Lüge. So ist es nur folgerichtig, wofür der Literat sein erstes Lob erntet - für einen Schulaufsatz, den er Wort für Wort abgeschrieben hat.
Zum 150. Geburtstag von Oscar Wilde am 16. Oktober 2004 – das Wilde-ABC Der nach Shakespeare meistzitierte Autor englischer Sprache Oscar Wilde hat sich im Pantheon der Weltliteratur einen festen Platz gesichert und genießt auch heute noch geradezu Kultstatus. Oeser erzählt das Lebensdrama des Lyrikers, Dramatikers und Konversationskünstlers Oscar Wilde in Stichworten wie Wahrheit und Lüge, Dekadenz, Kriminalität und Künstlertum, Sodomie, Sozialismus, Tugend und Laster, Rauschmittel, Bi- und Homosexualität, Zuchthaus und Zwangsarbeit.
Irland im Jahr 1915, vor dem legendären Osteraufstand: Zwei Jungen schließen am Meer Freundschaft und kämpfen gemeinsam für die Freiheit ihres Landes. Ein junger Ire tritt in die Fußstapfen von Joyce, O’Brien, Beckett und Yeats und präsentiert ein Werk, das sowohl literarisch beeindruckt als auch als atemberaubender, lyrischer und lebensbejahender Roman gilt. Im Vorort von Dublin beobachtet Mr. Mack, Inhaber eines Krämerladens, aufmerksam seine Umgebung, da die Slums nah sind und seine Familie, die aufsteigt, vorsichtig sein muss. Sein älterer Sohn kämpft im Krieg, während Jim, sein jüngerer Sohn, ein potenzieller Gelehrter ist. Die politische Unruhe vor Ostern 1916 bleibt Mr. Mack verborgen, ebenso wie Jims andere Pläne. Sein Freund Doyler Doyle, der zuvor verschwunden war, ist zurück und bringt revolutionäre Ideen mit. Täglich treffen sich die Jungen am Forty Foot, dem Badefelsen in der Bucht vor Dublin, und schließen einen Pakt: Doyler wird Jim das Schwimmen beibringen, und an Ostern in einem Jahr werden sie zu den Muglins hinausschwimmen, um die irische Fahne zu hissen – für Freiheit und ihre Liebe. Jamie O’Neill fängt die Komplexität und Tragik der irischen Geschichte in den Leben dieser Figuren ein und verwebt Fakten und Fiktion zu einem hinreißenden Epos, dessen poetische Sprache das irische Erbe lebendig hält.





