Universalgelehrte wurden oft vergessen, verkannt, verniedlicht oder als Schwindler verunglimpft. Peter Burke unternimmt eine Ehrenrettung dieser Ausnahmetalente und folgt ihrer Geschichte über 500 Jahre in verschiedenen Ländern bis ins 21. Jahrhundert. Er stellt in vielen Porträts die verbindenden Eigenschaften heraus: ein Übermaß an Neugier, Gedächtnisleistung, Phantasie, Energie, Konzentrationsfähigkeit und nicht selten Ehrgeiz bis hin zur ruhelosen Arbeitssucht. Für Schlaf, Pausen oder gar die Liebe bleibt keine Zeit. Aber dafür ist das Einarbeiten in ein neues Thema in Carlo Ginzburgs Worten wie Skifahren in frischem Schnee. Wandelnde Enzyklopädisten gab es schon in der Antike. Ausnahmeerscheinungen wie Pythagoras wurde nachgesagt, alle Fragen beantworten zu können. Doch erst im 17. Jahrhundert kamen Universalgelehrte in Mode – allen voran der Autodidakt Leonardo da Vinci: Der Musiker, Maschinenbauer, Maler, Bildhauer, Militärexperte, Anatom, Fossiliensammler, Erfinder, Botaniker, Zoologe, Geologe und Kartograph wurde nicht zufällig Namensgeber des »Leonardo- Syndroms«, das für die Unfähigkeit zur Auswahl und Beendigung von Projekten steht. Heute, im Zeitalter der Hyper- Spezialisierung und der grassierenden Oberflächlichkeit, brauchen wir die Universalgelehrten dringender denn je. In diesem ebenso lehrreichen wie amüsanten Buch kann man ihnen nachspüren. Ein Meisterstück Burke’scher Geschichtsschreibung.
Peter Burke Bücher
Peter Burke ist ein gefeierter britischer Historiker, dessen Werk sich auf die Frühe Neuzeit konzentriert. Seine Forschung geht jedoch über traditionelle historische Grenzen hinaus, indem er die Relevanz der Sozial- und Kulturgeschichte für gegenwärtige Probleme hervorhebt. Burke's Ansatz bietet eine einzigartige Perspektive, die den Lesern hilft, die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen. Seine umfassende Erfahrung und sein tiefes Wissen tragen zu seinem Ruf als bedeutender Historiker bei.







Augenzeugenschaft
Bilder als historische Quellen
In seinem klar und anregend geschriebenen Buch führt Peter Burke durch den Bildersaal der Geschichte und erweitert so den Fundus historischer Quellen. Bilder sind – fern aller Kunstbetrachtung – auch als Materialien zur historischen Erkenntnis zu lesen und bieten dem Historiker eine bisher kaum genutzte Chance, Geschichte zu schreiben. Gemälde, Drucke, Karikaturen, Landkarten, Plakate, Photographien und die bewegten Bilder des Films sind vielsagend, sie können aber auch lügen oder die Wirklichkeit verschleiern und manipulieren. Anhand vieler Beispiele von der Antike bis heute, vom Reiterstandbild bis zum japanischen Holzschnitt, erprobt Peter Burke seine Theorie des historischen, kritisch interpretierenden Sehens. Der Leser wird manches Bild künftig mit anderen Augen sehen!
Die Renaissance in Italien
- 335 Seiten
- 12 Lesestunden
Peter Burke untersucht nicht nur Kunst, Ökonomie und Politik, sondern das gesamte gesellschaftliche Panorama der Renaissance: Die Beziehungen zwischen der Malerei und den anderen Künsten, zwischen der Philosophie und den Wissenschaften, die Organisation künstlerischer Arbeit, Herkunft und Status
Eleganz und Haltung
Die Vielfalt der Kulturgeschichte. Über Selbstbeherrschung, Schabernack, Zensur, den Karneval in Rio
Über Selbstbehrrschung, Schabernack, Zensur, den Karneval in Rio und andere menschliche Gewohnheiten. Peter Burkes Buch vermittelt mit seinen exemplarischen Studien und methodischen Beiträgen einen (unterhaltsamen) Eindruck davon, welche (aufregenden) Wege die Kultur- und Mentalitätsgeschichte künftig gehen wird. Es widmet sich der Vielfalt der Kulturgeschichte: ihrem Ursprung, ihrer Funktion als soziales Gedächtnis, ihrem Begriff der Mentalität. Aber auch Beispielhaftem: Rittertum am falschen Ort, heftigen Gesten, kollektiven Träumen, neureichem Verhalten feiner Leute, alten Stadtplänen in modernen Städten.
Offene Geschichte
- 138 Seiten
- 5 Lesestunden
Peter Burke hat mit diesem Buch die knappste, informativste und in der Bewältigung der Problemstellung sicherlich souveränste Darstellung derjenigen Historiker-Schule vorgelegt, die die Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts revolutioniert hat: die Schule der 'Annales'. Peter Burke führt das ganze Spektrum dieser an Interdisziplinarität wie sozialwissenschaftlicher Fundierung interessierten Historiographie vor Augen, leuchtet ihre Zusammenarbeit mit historischer Geographie, Soziologie, Ethnologie und Religionswissenschaft aus, diskutiert ihr Verhältnis zu Marxismus und Psychoanalyse, stellt ihre wichtigsten Monographien vor und rekonstruiert die internen Debatten der Schule. In einem Ausblick stellt er die wichtigsten Wirkungsgeschichten zusammen, welche die 'Annales' außerhalb des französischen Sprachraums ausgelöst hat.
Die kürzeste Weltgeschichte der Unwissenheit
- 432 Seiten
- 16 Lesestunden
Im Laufe der Geschichte hat sich jede Epoche für klüger gehalten als die vorherige. Die Humanisten der Renaissance betrachteten das Mittelalter als eine Ära der Finsternis, die Aufklärer versuchten, den Aberglauben mit der Vernunft zu besiegen, und in der heutigen hypervernetzten Welt sind scheinbar unbegrenzte Informationen auf Abruf verfügbar. Aber macht uns das am Ende wirklich klug? Und was ist mit dem Wissen, das im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist? Sind wir wirklich klüger oder zumindest weniger unwissend als unsere Vorfahren? In diesem höchst originellen Buch untersucht Peter Burke die lange Geschichte der Unwissenheit der Menschheit in Religion und Wissenschaft, Krieg und Politik, Wirtschaft und Katastrophen. Burke enthüllt bemerkenswerte Geschichten über die vielen Formen der Unwissenheit – echt oder vorgetäuscht, bewusst oder unbewusst –, von den eigensinnigen Politikern, die 1919 die Grenzen Europas neu zogen, bis hin zu Whistleblowing und der Leugnung des Klimawandels. Das Ergebnis ist eine kurzweilige und lebendige Erkundung des menschlichen Wissens über die Jahrhunderte hinweg und der Bedeutung, seine Grenzen zu erkennen.
Ludwig XIV.
- 278 Seiten
- 10 Lesestunden
Peter Burke untersucht die Außenhaut eines Mythos: Die Geschichte Ludwigs XIV. erscheint hier als gigantische Werbekampagne, die den König über Frankreichs Grenzen hinaus als unvergleichliches Produkt anpries und durchsetzte – ein Ziel, dem Bevölkerung, Kultur und Politik bedenkenlos unterworfen wurden.
Wörter machen Leute
Gesellschaft und Sprachen im Europa der frühen Neuzeit
In einer richtungweisenden Arbeit untersucht Peter Burke den sozial- und kulturgeschichtlichen Hintergrund der Sprachen, wie sie in der maßgeblichen Epoche zwischen Erfindung des Buchdrucks und Französischer Revolution in Europa gesprochen und geschrieben wurden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verflechtungen zwischen Idiomen und geographischen, konfessionellen, beruflichen, geschlechtsspezifischen und nationalen Gemeinschaften sowie die identitätsstiftende Rolle der Sprache. Und Burke fragt nach der Konkurrenz: zwischen Latein, der damaligen lingua franca, und den Landessprachen, zwischen dominierenden und untergeordneten, aber auch zwischen ihren jeweiligen Versionen.
Burke beginnt mit der Kritik am Mythos des Individuums, des »freien Menschen« der Renaissance, so wie ihn das neunzehnte Jahrhundert formuliert hatte. Dieser Mensch der Renaissance war aber nicht nur nach wie vor eingebunden in Zunft und Religion, sondern er war auch der Antike zugleich nah und fern – nah, weil er sich den Alten verbunden fühlte, fern, weil er im Kampf gegen die »Barbarei des Mittelalters« eben die Distanz zwischen sich und der Antike erfuhr, die für das Mittelalter selbst, das sich als unmittelbar der Alten Welt nachfolgend empfand, nicht existierte. Am Ende der Renaissance wurden die Alten verehrt, weil sie als Vorbilder der Lebensführung galten – folgte man ihnen, so deswegen, weil sie verlässliche Führer in eine ungewisse Zukunft schienen. Zwischen der Wiederbelebung des »Anderen« und dem Vertrauen in eine »Lebensweisung« liegen die drei Jahrhunderte der Renaissance, ohne die Europa nicht denkbar ist.
Wissen erwerben, klassifizieren, kontrollieren und verkaufen – in diesem Buch geht es um das neue Wissen, das sich nach Erfindung der beweglichen Lettern rasant verbreitete. Neben allem Enthusiasmus gehörte von Anfang an auch eine gesunde Skepsis gegenüber dem Wahrheitsgehalt und der Verlässlichkeit von Informationen zur Wissensverbreitung, denn schon immer haben sich Menschen gerne mit unbewiesenen Behauptungen hervorgetan. Auch die Kommerzialisierung von Information ist kein heutiges Phänomen. Und dass Regierungen systematisch Informationen über die Bevölkerung zusammentragen lassen und sie als Herrschaftswissen verwenden, ist im wahrsten Sinne eine alte Geschichte. Erstmals erscheint Peter Burkes Grundlagenwerk über den Beginn der Wissensgesellschaft – verständlich und reich an Geschichte und Geschichten – als Studienausgabe.



