Claude David Bücher






„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“ - damit beginnt der im Januar 1915 fertiggestellte Roman (hier in wissenschaftlich einwandfreier Ausgabe), der in typisch kafkaesker Weise den Sinn eines Einzelschicksals mit der Sinnlosigkeit des Daseins zu verknüpfen sucht. Josef K., dessen eigenes Verhalten Rätsel aufgibt, verstrickt sich in die hohle Form einer Gerichtsadministration, deren Rechtsgrundlagen nebulös bleiben. Auch Josef K. s Vorstellungen von Recht und Gesetz erscheinen so abwegig, dass seine schließliche Exekution den erlösenden Schlusspunkt unter das Scheitern eines Individuums setzt, das es nicht geschafft hat, sich vom vorausgesetzten Vorwurf einer generellen Schuld zu befreien. Kafka selbst fühlte sich Zeit seines Lebens von zwanghaften Schuldgefühlen verfolgt, die vor allem seine Beziehungen zu Frauen vergifteten.
Briefe an Milena
- 423 Seiten
- 15 Lesestunden
»Briefe schreiben heißt sich vor den Gespenstern entblößen, worauf sie gierig warten. Geschriebene Küsse kommen nicht an ihren Ort, sondern werden von den Gespenstern auf dem Wege ausge-trunken . . .« Zu Beginn des Jahres 1920 hatte Franz Kafka Milena kennengelernt. Zwischen ihr und Kafka entstand eine sehr innige Freundschaft. Schon Kafkas Tagebücher haben uns die wirkliche Tiefe dieser Freundschaft gezeigt. Doch ahnen wir dort nur, was sich hier in diesen zum erstenmal veröffentlichten Briefen offenbart: ein Liebesroman, eine Orgie an Verzweiflung, Seligkeit, Selbstzerfleischung und Selbsterniedrigung. »In der rücksichtslosen Enthüllung menschlicher Größe und Schwachheit, Leidenschaft und Feigheit, kann dieser Band als Lebensdokument nur etwa mit Rousseaus ›Bekenntnissen‹ verglichen werden.« Die Welt
Franz Kafkas ambivalente Haltung zur Veröffentlichung seiner Werke spiegelt seinen Selbstzweifel wider und hat ein literarisches Lebenswerk von großer Bedeutung hervorgebracht. In dieser Ausgabe sind sämtliche von Kafka selbst veröffentlichten Erzählungen versammelt, darunter Fabeln, Gleichnisse und Parabeln, sowie posthum veröffentlichte Texte. Dazu zählt auch das Prosastück „Der Heizer“, das später als erstes Kapitel des Romans „Amerika“ erscheint. Der Herausgeber Paul Raabe erläutert in einem Nachwort die Prinzipien seiner Edition und bietet einen umfangreichen Anmerkungsteil zur Entstehungsgeschichte und Überlieferung der Texte. Die Sammlung umfasst unter anderem „Betrachtung“, „Das Urteil“, „Die Verwandlung“, „In der Strafkolonie“ und „Ein Hungerkünstler“. Zusätzlich sind zerstreut veröffentlichte Erzählungen wie „Gespräch mit dem Beter“ und „Der Kübelreiter“ sowie Erzählungen aus dem Nachlass enthalten, darunter „Beschreibung eines Kampfes“ und „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“. Die Vielfalt der Erzählungen zeigt Kafkas einzigartigen Stil und die thematische Tiefe, die sein Werk prägen.