Universale Economica: Cuoreanimale
- 240 Seiten
- 9 Lesestunden
Herta Müllers Werk konzentriert sich auf das Leben derer, die ihres Besitzes und Standes beraubt wurden. Mit poetischer Konzentration und der Offenheit der Prosa schildert sie die Landschaften der Unterdrückten. Ihre Schriften befassen sich mit komplexen Themen wie Unterdrückung und menschlicher Widerstandsfähigkeit. Ihre literarische Vision erforscht die Tiefen menschlicher Erfahrung unter unterdrückenden Systemen.







In dem Leinenband "Am Rand der Pfütze" werden unveröffentlichte Schwarzweißfotografien von Axel Heller präsentiert, die die Essays von Herta Müller begleiten. Die Bilder, entstanden in Rumänien, reflektieren Müllers Kindheit und die Gefährdung der Demokratie in Europa. Der Band enthält auch signierte Originalphotographien in Vorzugsausgaben.
Die Nobelpreisträgerin Herta Müller über Würde und Freiheit, Exil und Heimat und die subversive Kraft des Lachens Ob Herta Müller die Werke von Böll, Liao Yiwu oder Goldschmidt liest, oder sich mit dem politischen Geschehen befasst: stets ergreift sie Partei für die Aufrichtigkeit. Sie kennt die subversive Kraft des Lachens, und sie weiß, dass Diktatoren nichts so schlecht vertragen wie die Wahrheit. Aber auch ihr Blick auf unsere Gesellschaft ist unbestechlich. Stehen wir für unsere Werte ein, wenn es um den Schutz von Minderheiten, Verfolgten und Exilsuchenden geht? Politisch-literarische Wortmeldungen der Nobelpreisträgerin aus dem letzten Jahrzehnt. Eindringlich und hochaktuell.
An unexpected, exciting work from one of the most protean writers ever to win the Nobel Prize. To create the poems in this collection, Herta Müller cut up countless newspapers and magazines in search of striking phrases, words, or even fragments of words, which she then arranged in the form of a collage. Father's on the Phone with the Flies presents seventy-three of Müller's collage poems for the first time in English translation, alongside full-color reproductions of the originals. Müller takes full advantage of the collage form, generating poems rich in wordplay, ambiguity, and startling, surreal metaphors--the disruption and dislocation at their core rendered visible through stark contrasts in color, font, and type size. Liberating words from conformity and coercion, Müller renders them fresh and invests them forcefully with personal experience.
"Kurz nachdem ich aus Rumänien kam, war ich viel unterwegs. Ich wollte mich bei Freunden melden", schreibt Herta Müller. "Aber die Ansichtskarten hatten so gräßlich mißratene Farben. Eines Tages kaufte ich weiße Karteikarten, einen Klebestift und fing an, im Zug mit der Nagelschere aus der Zeitung ein Schwarzweiß-Bild und Wörter auszuschneiden." Fortan dichtet sie mit Schere und Papier. Herta Müllers berühmte Collagen sind beides Kunstwerk und Gedicht, Spiel und poetischer Ernst. Und unversehens taucht im geklebten Gedicht das auf, worum es eigentlich die Wirklichkeit – denn "vielleicht haben auch Wörter ein schimmerndes Gemüt und betreiben Amtsmissbrauch…"
„Heimweh ist keine gute Idee“ – eine Wort für Wort gefundene Geschichte der Literaturnobelpreisträgerin Herta MüllerHerta Müller erfindet eine neue literarische Form des Erzählens. Eine Geschichte in Collagen. Gezeigt werden Szenen im Auffanglager einer deutschen Kleinstadt. Einer der Beamten in der Erzählung ist ein gewisser Herr Fröhlich von der Prüfstelle B. Ein anderer breitet bei jeder Begegnung die Arme aus wie ein Vogel und sagt Oh, Oh, Oh. Aberwitzige Gespräche mit ihnen werden zu einem unfreiwillig komischen Schlagabtausch. Und dann ist da das Heimweh der Geflohenen, das immer größer wird und an den Himmel anwächst. Meisterlich versteht es Herta Müller, Bilder dafür zu finden, wie sich Ohnmacht anfühlt, und was Willkür anrichtet. Sie sind rätselhaft, abgründig, manchmal auch komisch, und immer hochpoetisch.
"Kurz nachdem ich aus Rumänien kam, war ich viel unterwegs. Ich wollte mich bei Freunden melden", schreibt Herta Müller. "Aber die Ansichtskarten hatten so gräßlich mißratene Farben. Eines Tages kaufte ich weiße Karteikarten, einen Klebestift und fing an, im Zug mit der Nagelschere aus der Zeitung ein Schwarzweiß-Bild und Wörter auszuschneiden." Fortan dichtet sie mit Schere und Papier. Herta Müllers berühmte Collagen sind beides zugleich: Kunstwerk und Gedicht, Spiel und poetischer Ernst. Und unversehens taucht im geklebten Gedicht das auf, worum es eigentlich geht: die Wirklichkeit – denn "vielleicht haben auch Wörter ein schimmerndes Gemüt und betreiben Amtsmissbrauch…"
-Gedicht-Collagen von Herta Müller -Nobelpreisträgerin für Literatur 2009 -Literatur- und Kunstkalender zugleich -Format 49,5 x 68,5 cm -Stabile Spiralbindung mit einem Aufhänger Die 12 poetischen Collagen in diesem Poster-Kalender stammen von der Schriftstellerin Herta Müller, ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur 2009. Schon lange gehören neben Romanen, Erzählungen, Lyrik und Essays diese außergewöhnlichen Gedichtbilder zu ihren zentralen Ausdrucksmitteln. Scheinbar spielerisch stellt sie sie aus gefundenen Wörtern und Wortschnipseln zusammen, die sie aus Druckschriften ausschneidet und katalogisiert. Dieser Kalender ist zum einen ein anspruchsvoller literarischer Kalender mit überraschenden Texten, die Geschichten erzählen und beim Leser Assoziationsspielräume eröffnen. Zum anderen macht ihn die Collage-Technik in Kombination mit dem Lettering zu einem ganz besonderen Kunstkalender. Dieser DUMONT Kalender wurde in Deutschland gestaltet, gedruckt und verarbeitet, er ist Made in Germany. Dies gilt auch für das eingesetzte Papier, welches allen Standards einer zertifizierten und umweltverträglichen Herstellung entspricht. In jedem Kalender steckt unsere Liebe zum Detail und unsere langjährige Erfahrung. Wir freuen uns, dass Sie uns vertrauen und wir Sie in Ihrem Lebensraum tagtäglich ein wenig begleiten dürfen. Wir versprechen Ihnen: Mit DUMONT Kalendern treffen Sie immer eine gute Wahl!
Essays von Herta Müller Photographien von Barbara Klemm
Der Band enthält sechs Essays von Herta Müller, in denen sie, stets autobiographisch fundiert, über Leben und Lebenswirklichkeit im kommunistischen Rumänien sowie in den frühen Jahren nach der Diktatur nachdenkt. In dem erstmals in Buchform veröffentlichen Essay "Ein Ausweg nach innen" beschreibt die Nobelpreisträgerin, wie kindliche, sinnliche Erlebnisse bis heute ihre Lyrik prägen. Barbara Klemm begleitet die Texte mit schwarzweissen Reportagephotographien, die in den siebziger und neunziger Jahren in Rumänien entstanden; sie sind zum Grossteil unveröffentlicht und stimmen auf die Wörter Herta Müllers ein und erzählen im Bild die Texte weiter.0Von dieser Ausgabe gibt es diverse Vorzugsausgaben mit signierter Originalphotographie von Barbara Klemm. Diese sind nur direkt beim Verlag zu bestellen. Näheres unter www.verlag-thomas-reche.de.
Mit Beiträgen von zahlreichen Autoren wird die essentielle Rolle der Literatur für das öffentliche und private Leben hervorgehoben. Sie ist entscheidend für die (Charakter-)Bildung, das Verständnis von Kultur und die menschliche Identität. Die alarmierende Marginalisierung der Literatur in Schulen, Hochschulen und der populären Kultur führt zu einem drohenden Verlust von Wissen, freiheitlichem Denken und gesellschaftlicher Orientierung. Anstatt elitäre Bildungstraditionen zu bewahren, wird auf die Gefahren hingewiesen, die mit der Reduktion auf „das Wesentliche“ und der Vermeidung von Überforderung einhergehen. Die Flut kontextloser Bilder trägt zur Verarmung des Denkens und zur politischen Sterilisierung bei. Besonders besorgniserregend ist der Verlust von Text- und Lesekompetenz sowie der Fähigkeit, in komplexen und ambivalenten Zusammenhängen zu denken und zu empfinden. Auch das, was man als „Möglichkeitssinn“ bezeichnet, ist durch den Verzicht auf Literatur bedroht, was eine wichtige Waffe im Kampf gegen Fundamentalismen gefährdet. Der Band diskutiert sowohl die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung als auch mögliche Vorschläge zum Widerstand.
The first publication of the poetry of Liu Xia, wife of the imprisoned Nobel Peace Prize recipient Liu Xiaobo I didn't have a chance to say a word before you became a character in the news, everyone looking up to you as I was worn down at the edge of the crowd just smoking and watching the sky. A new myth, maybe, was forming there, but the sun was so bright I couldn't see it. --from "June 2nd, 1989 (for Xiaobo)" Empty Chairs presents the poetry of Liu Xia for the first time freely in both English translation and in the Chinese original. Selected from thirty years of her work, and including some of her haunting photography, this book creates a portrait of a life lived under duress, a voice in danger of being silenced, and a spirit that is shaken but so far indomitable. Liu Xia's poems are potent, acute moments of inquiry that peel back to expose the fraught complexity of an interior world. They are felt and insightful, colored through with political constraints even as they seep beyond those constraints and toward love.
Herausgegeben von Angelika Klammer
„Ich stehe (wie so oft) auch hier neben mir selbst.“ So begann Herta Müller ihre Tischrede nach der Verleihung des Nobelpreises. In einem langen Gespräch mit Angelika Klammer erzählt sie von ihrem ungewöhnlichen Lebensweg, der vom Kind, das Kühe hütet, bis zur weltweit bekannten Schriftstellerin im Stadthaus in Stockholm führt. Sie erzählt von der Kindheit in Rumänien, vom Erwachsenwerden und dem erwachenden politischen Bewusstsein, von den frühen Begegnungen mit der Literatur, den Konflikten mit der Diktatur des Kommunismus und dem eigenen Weg zum Schreiben. Mit ihrem Bericht vom Ankommen in einem neuen Land fällt auch ein ungewohnter Blick auf das Deutschland der 80er und 90er Jahre und auf die Gesellschaft, in der wir heute leben.
Herta Müller hat eine neue Form im Umgang mit Wörtern gefunden: ein poetisches Puzzle aus Zeitungspapier - ein Wunderwerk der Phantasie. Die aus Rumänien stammende Literaturnobelpreisträgerin 2009 schickt einzelne Wörter auf die Reise, dichtet mit der Schere: Aus Zeitungen und Zeitschriften schneidet sie Wörter, Buchstaben und Bilder heraus und stellt diese zusammen, bis sie sich reimen. Die derart komponierten Texte sind so frei, dass sie sich niemand hätte ausdenken können - ein Wunderwerk der Phantasie.
Mit ihren Romanen ist Herta Müller berühmt geworden - in ihren Essays gibt sie Auskunft über sich und ihre Zeit. Wohl nirgends ist ihr bizarrer Weg aus einem Dorf in Rumänien in die Welt der Literatur so gut nachvollziehbar. Sie erzählt von Kindheit und Jugend, berichtet von den Verfolgungen durch die Geheimpolizei, aber sie widmet sich auch Fragen ihres eigenen Schreibens, seinen literarischen und politischen Seiten. Porträts von Freunden und Zeitgenossen geben diesem Band seinen besonderen persönlichen Ton. Ein bedeutendes Buch über ein gewaltsames Jahrhundert.
Der 'Fremde Blick' ist kein literarisches Merkmal, er entsteht vielmehr durch Überwachung und Verfolgung in einem totalitären Staat. Herta Müller erzählt eindringlich, wie sich ihr 'Fremder Blick' unter der Diktatur Ceausescus in Rumänien entwickelte, und wie sie ihn bei ihrer Auswanderung nach Deutschland unweigerlich mitbringen musste.
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C.“ So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.
Ein erschreckendes Bild über die Unterwanderung einer postdiktatorischen Gesellschaft, die sich auch heute noch nicht aus dem Griff ihrer Peiniger befreien kann. »Der Geheimdienst Ceausescus, die Securitate, hat sich nicht aufgelöst, sondern nur umbenannt in SRI (Rumänischer Informationsdienst)«. Erst zehn Jahre nach Einrichtung des rumänischen Pendants zur »Gauck-Behörde« und zahlreichen zermürbenden Anfragen und Bittgesuchen erhält Herta Müller Einsicht in ihre über 900 Seiten starke »Securitate-Akte« und muss feststellen, dass man diese in den vergangenen Jahren nicht nur frisiert, sondern regelrecht entkernt hat. Über die Schikanen, mit denen man sie in den siebziger Jahren beispielsweise zur Mitarbeit für die Securitate zu zwingen versuchte, lässt sich in den manipulierten Unterlagen über »Cristina« nichts mehr nachlesen. Eindrucksvoll beschreibt Herta Müller, wie sie und ihre Freunde selbst heute noch bei Besuchen in Rumänien vom SRI, dem heutigen rumänischen Geheimdienst, überwacht und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden.
Ein literarisches und ein optisches Vergnügen, Gedicht und Collage zugleich: Aus Zeitungsausschnitten und Bildern setzt Herta Müller ihre Texte zusammen, so dass jedes einzelne Gedicht zu einer ebenso verspielten wie künstlerisch konsequenten Collage wird. Ein wunderbares, unvergleichliches Buch, das zeigt, zu welchen spielerischen Formen die poetische Phantasie finden kann.
Das eindrucksvolle Bild einer Lebenserfahrung unter absoluter Herrschaft: Herta Müller, die bedeutende und sprachmächtige Autorin, wuchs auf im Rumänien unter der Diktatur Ceausescus. Hier erfuhr sie Sprache als Instrument der Unterdrückung, aber auch als Möglichkeit des Widerstands und der Selbstbehauptung gegenüber der totalitären Macht. Und dieses Sprachbewusstsein stellt sie neben Erinnerungen an die Kindheit in den Mittelpunkt ihrer poetischen und politischen Selbstbefragung.
Die Grundthemen von Herta Müllers Werk, die Auseinandersetzung mit einem diktatorischen Regime als moralische und ästhetische Herausforderung und die Bedeutung der Sprache, durchziehen auch diese Rede, die sie 2001 vor Abiturienten hielt.
„Ich bin bestellt.“ Eine junge Frau in einer Großstadt in Rumänien auf dem Weg zum Verhör beim Geheimdienst. Sie hat diese Fahrt mit der Straßenbahn schon oft machen müssen, doch diesmal hat sie aus einer Vorahnung heraus Handtuch, Zahnpasta und Zahnbürste eingepackt. Unterwegs lässt sie ihr Leben an sich vorüberziehen: die Kindheit in der Provinz, die halberotische Gier nach dem Vater, die Deportation der Großeltern, das sporadische Glück, das ihr mit Paul gelingt, auch wenn sein Trinken für ihre Liebe eine Last ist. Außen: starre Uhrzeiten, Haltestellen, ein- und aussteigende Personen, vorbeiziehende Straßen. All dies soll ablenken und führt doch immer wieder zurück zu: „Ich bin bestellt.“ Doch an diesem Tag hält der Fahrer an der Station, an der sie aussteigen muss, nicht an. Und sie beschließt zum ersten Mal, nicht zum Verhör zu gehen.
In drei Vorträgen reflektiert Herta Müller die existentiellen Bedingungen des Schreibens. Am Beispiel des Expressionisten Theodor Kramer, am Beispiel von Ruth Klüger und schließlich am Beispiel der durch Selbstmord aus dem Leben gegangenen Lyrikerin Inge Müller zeigt Herta Müller die unauflösliche Verbindung von Text und Leben der Autoren. Mehr noch: Die Texte geben persönlich Gelebtes als einzige Voraussetzungen ihrer selbst an. Dieses eindringliche Plädoyer für eine existentiell beglaubigte, aus Erlebtem sich formende Literatur muß sicher auch als Herta Müllers eigene Poetik gelesen werden.
Herta Müller gehörte zur deutschstämmigen Minderheit in Rumänien. 1973-76 studierte sie an der Universität in Timisoara (Temesvar) Germanistik und Romanistik. Sie war Mitglied der von 1972-75 bestehenden „Aktionsgruppe Banat“ und erhielt mehrere rumänische Auszeichnungen. Im März 1987 Ausreise nach West-Berlin, wo sie seitdem lebt. Auszeichnungen: 1987 Ricarda-Huch-Preis, 1989 Stipendium der Villa Massimo, 1991 Preis des Deutschen Literaturfonds, 1994 Kleistpreis.
"Hunger und Seide" enthält Herta Müllers Essays aus den Jahren von 1990 bis 1995, also den Zusammenbruch des Sozialismus und das Entstehen neuer kurzlebiger Utopien: "Wenn Utopien, während sie ausgedacht und aufgeschrieben werden, von einem Satz zum anderen auch nur einen Augenblick in einem einzigen Menschen lachen, essen, gehen oder schlafen müssten, gäbe es keine.“ Wahrheit und Lüge, Aufrichtigkeit und Betrug, Macht und Widerstand in der Diktatur, das sind die großen Themen der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Autorin. "Ein Satz von Herta Müller kann einen Roman ersetzen" – die Worte von Verena Auffermann (Süddeutsche Zeitung) charakterisieren auch die Kraft dieser Essays.
Im Rumänien Ceaucescus, in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, wartet die deutschstämmige Familie Windisch auf die Ausreisegenehmigung in den Westen. Während immer mehr der rumäniendeutschen Nachbarn das Dorf verlassen, muss die Familie weiter warten - das Leben scheint stillzustehen. Erst als sich die Tochter Amalie für die Ausreisegenehmigung verkauft, bekommt die Familie die ersehnten Papiere.
Herta Müllers zweiter Roman »Herztier«, 1994 erstmals erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und rauschhafte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit – metaphernreiche, magische Prosa. Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten und eigentümlichsten Autorinnen der deutsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme.
Herta Müller gehörte zur deutschstämmigen Minderheit in Rumänien. 1973-76 studierte sie an der Universität in Timisoara (Temesvar) Germanistik und Romanistik. Sie war Mitglied der von 1972-75 bestehenden „Aktionsgruppe Banat“ und erhielt mehrere rumänische Auszeichnungen. Im März 1987 Ausreise nach West-Berlin, wo sie seitdem lebt. Auszeichnungen: 1987 Ricarda-Huch-Preis, 1989 Stipendium der Villa Massimo, 1991 Preis des Deutschen Literaturfonds, 1994 Kleistpreis.
Diese Kolumnen, geschrieben von September 1990 bis Dezember 1991 für die Schweizer Monatszeitschrift „Du“, reichen weit über die Tagesaktualität hinaus. sie reflektieren die Situation und die Stimmung einer Zeit, hochpolitisch und hochpoetsich in jedem Satz, in jedem Bild. Angeregt von einem politischen Ereignis oder einem alltäglichen Erlebnis, geprägt von einer so eigensinnigen wie eigensinnlichen Wahrnehmung und Sprache, irritieren und faszinieren diese Texte zugleich. Innerhalb des literarischen Schaffens von Herta Müller fügen sich die Kolumnen zu einem eigenständigen Werkkomplex, der auch als Gegenstück zu ihren Poetik-Vorlesungen zu verstehen ist. Facetten einer deutschen Welt, Feuilletons im klassischen Sinn.
Herta Müller, die rumänische Schriftstellerin, reflektiert poetisch über den Schreibprozess und erläutert die Entstehung ihrer eigenen Texte.
Roumanie. Depuis que le meunier Windisch veut émigrer, il voit la fin partout dans le village. Peut-être n'a-t-il pas tort. Les chants sont tristes, on voit la mort au fond des tasses et chacun doit faire la putain pour vivre, a fortiori pour émigrer. Windisch a beau livrer des sacs de farine et payer, le passeport promis se fait toujours attendre. Sa fille Amélie se donne au milicien et au pasteur, dans le même but. Un jour, ils partiront par l'ornière grise et lézardée que Windisch empruntait pour rentrer du moulin. Plus tard, ils reviendront, un jour d'été, en visite, revêtus des vêtements qu'on porte à l'ouest, les chaussures qui les mettent en déséquilibre dans l'ornière de leur village, avec des objets de l'Ouest, signe de leur réussite sociale, et "sur la joue de Windisch, une larme de verre."
German
"Niederungen" ist das Buch, mit dem Herta Müller auf einen Schlag bekannt wurde: In eindringlichen Szenen beschreibt die Nobelpreisträgerin das Leben der deutschsprachigen Banatschwaben im kommunistischen Rumänien, und sie beschreibt es als düstere Anti-Idylle in einer Enklave, die von Angst und Hass geprägt ist, von Intoleranz und Unbeweglichkeit. Diese schonungslose Chronik einer untergehenden Welt ist bereits die Grundlage eines Werkes, das sich seither immer breiter entfaltet hat. "Niederungen" erschien 1984 in Deutschland in einer gekürzten Form. Die Neuausgabe bringt Herta Müllers Debüt zum ersten Mal in der originalen Fassung.