Das Dorf der Kannibalen
- 191 Seiten
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Am 16. August 1870 wird in Hautefaye, einem kleinen Dorf in der Dordogne, ein junger Adliger zwei Stunden lang gefoltert und anschließend lebendig verbrannt, während eine Menge von drei bis achthundert Personen zusieht, die ihn beschuldigt, "Es lebe die Republik!" gerufen zu haben. Am Abend zerstreuen sich die Wütenden und rühmen sich, einen "Preußen" "geröstet" zu haben. Einige bedauern, dem Pfarrer der Gemeinde nicht das gleiche Schicksal zugefügt zu haben. Februar 1871. Der republikanische Journalist Charles Ponsac hebt hervor, was das Drama als historisches Objekt ausmacht: "Nie", schreibt er, "hat man in den Annalen des Verbrechens einen so erschreckenden Mord gefunden. Das Verbrechen von Hautefaye ist in gewisser Weise ein rein politisches Verbrechen." Alain Corbin hat eine gründliche Untersuchung über das Rätsel und die Faszination dieses letzten Massakers angestellt, das aus der Wut der Landbevölkerung hervorging. Er rekonstruiert das politische Klima von 1870 und zeigt, wie die Ankündigung der ersten Niederlagen, der Fluss der Gerüchte, die Einfachheit der politischen Darstellungen, die Angst vor der Rückkehr der alten Ordnung und vergangene Katastrophen eine ländliche Bevölkerung dazu bringen, auf Formen von Grausamkeit zurückzugreifen, die fremd, unbeschreiblich und unerträglich geworden sind. Ein meisterhafter Bericht.
















