Paul VirilioReihenfolge der Bücher (Chronologisch)
4. Jänner 1932 – 10. September 2018
Paul Virilio war ein Kulturtheoretiker und Urbanist, der vor allem für seine Schriften über Technologie in Bezug auf Geschwindigkeit und Macht bekannt ist. Sein Werk schöpft aus vielfältigen Bezügen zur Architektur, zu den Künsten, zur Stadt und zum Militär, um zu untersuchen, wie diese Elemente unser Weltverständnis prägen. Virilio untersuchte die Auswirkungen der ständigen Beschleunigung auf Gesellschaft und Geist. Seine Analysen bieten tiefe Einblicke in die Dynamik des modernen Lebens.
Die Bunker-Archäologie von Paul Virilio bietet einen tiefen Einblick in die architektonischen und philosophischen Dimensionen der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Ursprünglich als Kunst-Glaser tätig, begann Virilio in den 1950er Jahren, diese Kriegsbauten zu fotografieren und erkannte in ihnen "Vorboten einer neuen Architektur". Sein Werk verbindet Themen wie militärischen Raum, Kommunikationskrieg und die Reflexion über die Gegenwart. Die Neuedition anlässlich einer Ausstellung im Centre Pompidou macht seine zeitlosen Ideen erneut zugänglich und relevant.
Focusing on the intersection of architecture and philosophy, the book explores Paul Virilio's pioneering work in bunker archaeology, initiated in the late 1950s. His early photography of WWII bunkers along the French coast evolved into a profound examination of military space and communication. Virilio's concept of "Cryptic Architecture" positions these structures as precursors to contemporary architectural thought. This re-edition coincides with a Centre Pompidou exhibition, highlighting the enduring relevance of his insights into deception, acceleration, and the complexities of modern existence.
»Überall trägt das Außen den Sieg über das Innen davon, und die geophysische Geschichte kehrt sich um wie ein Handschuh.« Paul Virilo resümiert in diesem Gespräch seine jahrzehntelange Arbeit zur beschleunigten und grenzzersetzenden Militarisierung der Räume. Als leidenschaftlicher Liebhaber der nicht stillzustellenden, pulsierenden Küstenlinie, lässt er in diesem Band seine Reflexion dort verweilen, wo er die letzte Grenze ausmacht: Uferzonen und Küstenstreifen als Zugang zum Verständnis heutiger Weltbevölkerung und zur Notwendigkeit, eine Geopolitik der Ströme und Brandungen zu erfinden.
Im Irak-Krieg 1992 fiel die Kriegsführung mit der Berichterstattung zusammen: Das zivile Fernsehen zeigte Bilder, die kurz zuvor noch auf militärischen Kontroll-Monitoren zu sehen waren. Mittlerweile liefern Dienststellen der US-Armee komplette Datensätze für Computerspiele. Virtuelle Wüstenlandschaften mit Betonpisten und Strommasten prägen heute die Fantasie von Kindern und Jugendlichen wie früher einmal die Tunnel und Bergdörfer von Spielzeugeisenbahnen. Das lexikalisch aufgebaute Kompendium untersucht die permanente Umwandlung von Kriegsbildern zu Unterhaltungsbildern und damit die Militarisierung der Imagination. Es geht darum, welche Bilder Kriege erzeugen und wie diese in der Kunst der Gegenwart aufgegriffen und gespiegelt werden. Beleuchtet wird diese Frage anhand von Fotografien, Videos, Computerspielen, Gemälden und Rauminstallationen, unter anderem von Peggy Ahwesh, Oliver van den Berg, Kota Ezawa, Harun Farocki, Jean-Luc Godard, Richard Hamilton, Walid Raad, Martha Rosler, Allan Sekula und Hito Steyerl. Ausstellung: Mathildenhöhe Darmstadt 27.3.–24.7.2011
Klimachaos, Börsenpanik, Wirtschaftskrise, Terrorismus. Die stetig wachsende Zahl der Bedrohungen, denen wir heute ausgesetzt sind, veranlasst Paul Virilio zu Überlegungen über das Phänomen der Angst, ihre mediale Verbreitung und politische Instrumentalisierung in einer globalisierten, unablässig beschleunigten Realität. Im Gespräch mit dem Herausgeber und Journalisten Bertrand Richard zeichnet Virilio das Porträt einer „unbewohnbar gewordenen Welt“. In dieser erscheint die Angst als unvermeidliche Kehrseite der Fortschrittspropaganda, weil die Politik neuerdings von globaler statt von individueller Sicherheit spricht und damit sukzessive die Gesellschaft unterminiert. Paul Virilio liefert eine umfassende Analyse der politischen, medialen, aber auch philosophischen Implikationen der allgegenwärtigen Angst, die von den Mächtigen verbreitet, orchestriert und verwaltet wird. Einmal mehr warnt er davor, schreckensstarr und tatenlos den Ereignissen zuzusehen und ruft zum Bruch mit der „Echtzeit“ auf, damit die Diversität, jene des Lebens, der Orte, aber auch jene der Zeit, fortlebt.
Der Gesprächsband von Paul Virilio und Philippe Petit ist nicht nur einVerweilen bei den wichtigen Ideen und Publikationen des französischenArchitekten, Urbanisten und Theoretikers Paul Virilio, sondern offenbart auchbiographische Schnittstellen zwischen seinem Leben und seinen Arbeiten, zwischen seinen Erfahrungen und seinen Warnungen. Petit und Viriliosprechen über Urbanistik, Echtzeitmedien, Finanzkrisen, Biopolitik und Macht. So stellt sich Virilio dem Vorwurf, ein Pessimist zu sein und beharrt dagegenauf der Notwendigkeit, die unterbelichtete Seite der technischen Errungenschaften, die einseitig als Fortschritt gefeiert werden, in den Fokus unsererÜberlegungen zu rücken. Dabei stand die Einlösung einiger Prognosen, die der Seismograph Viriliogibt, Mitte der 90er Jahre überhaupt erst noch aus * sei es in Hinsicht auf dieFinanzkrise oder die Aufstände in den französischen Vororten * bzw. harrenwir ihrer noch ungeduldig, wie bspw. das Ende des Fernsehens, das erschlüssig nahelegt.
Die drei Essays dieses Bandes zeigen den Fortschrittsskeptiker Virilio einmal mehr als brillanten Analytiker der brennenden Fragen des beginnenden 21. Jahrhunderts. Die stetig wachsenden Migrationsströme, die Transformationen urbaner Lebenswelten und der veränderte Umgang mit den Begriffen Raum und Zeit führen Virilio zur Widerlegung der klassischen Dichotomie von Sesshaftigkeit und Nomadismus. Er formuliert das Konzept der Ultrastadt, ein Knotenpunkt menschlichen Lebens und Handelns, der anders als die früheren Stadtzentren ein transitorischer Unort ist und dessen Entstehen er in Riesenbahnhöfen und Flughäfen verortet. In prägnantem und beinahe aphoristischem Stil deckt der Dromologe die Absurdität des Imperativs der Beschleunigung in den westlichen Gesellschaften auf und warnt vor seinen unmittelbaren Folgen: der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, dem Verlust von Identität und Perspektiven und der Zerstörung des individuellen Zeitgefühls – der Chronodiversität.
Out of print for almost a decade, we are thrilled to bring back one of our most requested hard-to-find titlesphilosopher and cultural theorist Paul Virilio's Bunker Archeology. In 1994 we published the first English-language translation of the classic French edition of 1975, which accompanied an exhibition of Virilio's photographs at the Centre Pompidou. In Bunker Archeology, urbanist Paul Virilio turns his attentionand camerato the ominous yet strangely compelling German bunkers that lie abandoned along the coast of France. These ghostly reminders of destruction and oppression prompted Virilio to consider the nature of war and existence, in relation to both World War II and contemporary times. Virilio discusses fortresses and military space in general as well as the bunkers themselves, including an examination of the role of Albert Speer, Hitler's architect, in the rise of the Third Reich.
Paul Virilio erzählt die tragische Geschichte unserer Städte: Waren sie einmal Herz der Zivilisation, so sind sie heute der Schauplatz ihrer Zersetzung. Die offene Stadt, Kosmopolis, weicht der Klaustropolis.
Art used to be an engagement between the artist and materials, but now as art practices and mediums have changed, these materials have also changed. Where art used to talk of the aesthetics of disappearance, it must now confront the disappearance of the aesthetic. In the twenty-first century, the new battleground is art as light versus art as matter. In this work, author Paul Virilio argues that this change reflects how speed and politics have been transformed to speed and mass culture.
Focusing on the concept of speed as a transformative force, Paul Virilio's work examines its role in shaping civilization through technological advances linked to militarization. He argues that speed, rather than class or wealth, drives societal change, presenting a topological history of humanity's evolution. Drawing from various thinkers, Virilio's "technical vitalism" explores the implications of rapid advancements, including military technology and information systems, offering a critical perspective on their impact on human nature and society's future.
Francouzský postmoderní filozof kriticky zkoumá sociokulturní fenomény dnešní doby a shrnuje je ve výstižném pojmu technokultura. V ní má informace o události větší cenu než samotná událost. Absolutní moc technokultury a globalizace nakonec člověka vyčerpává a dělá z něj zajatce světa simulace a stimulace.
Am Ende des 20. Jahrhunderts verwischen avancierte elektronische Medien den Unterschied zwischen der Realität und ihrer Darstellung, während die Wirklichkeit immer stärker von winzigen Maschinen und Bauteilen beherrscht wird, die sich dem Blick des menschlichen Auges entziehen. Paul Virilio protokolliert, wie es dazu kam, daß uns die Ereignisse aus dem Blick gerieten, und imaginiert als Gegenmodell die Vorstellung einer Ereignislandschaft.
Paul Virilio ist der Analytiker der Geschwindigkeit und technischen Beschleunigung sowie der daraus resultierenden Bedrohung der menschlichen Lebenswelt. Daß seine zivilisationskritischen Analysen von einem moralisch-politischen Impetus getragen sind, ist unverkennbar. Doch hat er ihn nie zuvor so deutlich herausgestellt wie in diesem Essayband, der wesentliche Motive seines Denkens bündelt. Der Tyrannei der Allgegenwart durch neue Formen der Telekommunikation ist für Virilio nur durch eine Ethik der Wahrnehmungsverweigerung beizukommen: durch das Recht auf Blindheit dort, wo die in Echtzeit übertragenen Bilder die letzten Winkel der Lebenswelt in Beschlag nehmen; durch das hartnäckige Bestehen auf Grundzügen leibgebundener menschlicher Realität im Gegenzug zur angebotenen Flucht in virtuelle Realitäten aller Art, von der „Cybercity“ bis zum „Cybersex“. Dem Virtuellen gilt es die Faszination zu nehmen, die den Blick auf seine jede sinnliche Erfahrungswelt zerstörenden Potentiale verstellt.
In diesen Studien nimmt Paul Virilio die Medien- und Biotechnologien unter die Lupe. Sein Interesse gilt der kulturindustriellen Kolonisierung des menschlichen Bewußtseins durch die neuen Informationsmedien auf der einen und der bioindustriellen Kolonisierung des Körpers durch mikrochirurgische Eingriffe auf der anderen Seite. Es geht ihm um die nahezu unbegrenzte Macht von Techniken, die in den lebenden menschlichen Organismus eingreifen, um ihn durch mikrophysikalische Stimulationen zu manipulieren. Virilio sieht eine Entwicklung innerhalb technokratischer Gesellschaften heraufziehen, die letzte noch verbliebene Schonräume menschlicher Individualität besetzt, um - buchstäblich unterhalb bewußter Wahrnehmung - Kontrollen zu implantieren, die mit der Subjektivität zugleich die Kommunikation zwischen Subjekten zerstören. Virilio beweist mit seinen hellsichtigen und alamierenden Betrachtungen einmal mehr, daß er der Jules Verne unter den Kulturkritikern der Gegenwart ist.
Virilio ist der Speedfreak unter den Denkern. Er unterscheidet drei Revolutionen der Geschwindigkeit: - das Transportwesen im 19. Jahrhundert - die Transmissions- oder Übertragungsmedien im 20. Jahrhundert - und die künftige Revolution der Transplantationen.
Krieg und Fernsehen enthält Paul Virilios Beschreibungen und Analysen der Fernsehbilder, die den Golfkrieg 1991 in jedes Wohnzimmer brachten. Ein Krieg, der nur wenige Wochen dauerte und dessen in Echtzeit gelieferten Bilder schnell wieder aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwanden. Ein Krieg aber auch, der durch die elektronische Durchorganisation der eingesetzten Hightech-Waffensysteme zu einem Medienspektakel werden konnte, das vergessen ließ, daß hier vielleicht der Krieg der Zukunft geprobt wurde: Der erste Fernsehkrieg war ein Dritter Weltkrieg im Kleinen, der den neuesten Stand der Kriegstechnik vor Augen geführt hat.
In seinen Essays Krieg und Kino und Der negative Horizont hat Paul Virilio zwei Aspekte seines Generalthemas dargestellt: die Verwandlung der Filmkamera in eine Waffe, die Umformung von Wahrnehmung in einen aggressiven Akt und den Ablauf und die Gesetze der Menschheitsgeschichte als Beschleunigungsprozeß, der heute, im Zeitalter gigantischer Informationsnetzwerke, auf seinen Endpunkt zurast. Der vorliegende Essay beschreibt den drohenden Endzustand dieser gewalttätigen Beschleunigung in der allesbeherrschenden Telekommunikation. Der Wahn, dank elektronischer Telekommunikation überall und jederzeit dabeizusein, die Verführung der simultanen Teilhabe an allem, die Erfahrung der geschichtslosen Augenblicklichkeit im Beobachten: Virilio hat diesen Zustand als mediale Ghettoisierung, als elektronische Apartheid, als Koma diagnostiziert. Der rasende Stillstand einer Gesellschaft, die Zeit und Raum hochtechnologisch beherrscht, aber damit an der Auslöschung ihrer selbst arbeitet.
Book by Jean Baudrillard, Hans-Goerg Gadamer, Fredric Jameson, Julia Kristeva, Jean-Francois Lyotard, Louis Marin, Mario Perniola, Cornel West, Philippe Sollers, Paul Virilio
Es war 1843, als Heinrich Heine den Schock durch die Eisenbahn so beschrieb: „Welche Veränderungen müssen jetzt eintreten in unsrer Anschauungsweise und in unsren Vorstellungen! Sogar die Elementarbegriffe von Zeit und Raum sind schwankend geworden. Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet, und es bleibt nur noch die Zeit übrig.“ Paul Virilio zitiert diese berühmte Beobachtung häufig, weil sie eine Schlüsselszene in der modernen Geschichte bezeichnet und weil er die Erfahrung, daß Bewegung, beschleunigter Verkehr, Geschwindigkeit unsere Wahrnehmung und unser Verhalten verändern, zum Zentrum einer faszinierenden, überraschenden Geschichtstheorie macht: die Geschichte der Menschheit, ihrer Politik, ihrer Kultur, ihrer Empfindungen als die Geschichte von Bewegung, von Beschleunigung und von Geschwindigkeit. Das Kind auf dem Rücken der Mutter, Lasttiere, das Reitpferd, Schiffe, das Schießpulver, die Eisenbahn, das Flugzeug, die optische, dann die elektronische Nachrichtenübermittlung und schließlich die Laserwaffe, in der absolute Höchstgeschwindigkeit und Zerstörung zusammenfallen: Stationen auf dem Weg rasender Beschleunigung bis heute, bis zum Triumph der Geschwindigkeit, an der sich der Mensch berauscht und die sich als Gewalt schließlich gegen ihn wendet.
Film und militärische Luftfahrt traten gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa gleichzeitig in Erscheinung, und beide haben - das ist die These von Paul Virilio - in den folgenden Kriegen und bis heute mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick den Anschein hat: Mit der Luftaufnahme hat sich die Qualität des Krieges entscheidend verändert. Das bewaffnete Auge (Dziga Vertov) und die Verfeinerung des (Kamera-)Auges der Waffen sind Teil einer parallelen Entwicklung. Virilio untersucht diese Parallelisierung der Wahrnehmungsweisen von (Film-)Kamera und Waffensystem als Werkzeuge der Perzeption, und er beschreibt die sonderbare Osmose von Kriegs- und Kameratechniken, den historisch bedeutsamen Wandel, der mit der Anwendung von Wahrnehmungsgeräten zu kriegerischen Zwecken in den menschlichen Wahrnehmungsgewohnheiten eingetreten ist.
„Virilios ‚Ästhetik des Verschwindens’ stellt keine leichte Lektüre dar, doch das Buch dürfte dank seinem spekulativen und allgemeinen Raster bald zu den Standardwerken der modernen Kunst- und Kulturtheorie zählen.“ (Conradin Wolf, Kunst-Bulletin)