Michel Leiris war ein Schriftsteller, dessen Werk aus der surrealistischen Bewegung hervorging und mit dem scharfen Blick eines Ethnographen die Tiefen menschlicher Erfahrung erforschte. Seine Beiträge zu surrealistischen Publikationen und sein früher Roman zeugten von seinem Engagement für avantgardistischen Ausdruck und Introspektion. Später arbeitete er mit anderen bedeutenden literarischen Persönlichkeiten zusammen und untersuchte weiterhin die Grenzen von Literatur und Selbstfindung. Seine Schriften laden die Leser zu einer komplexen Erkundung von Bewusstsein und menschlichem Zustand ein.
Die durchgesehene und erweiterte Neuausgabe von Michel Leiris' "L’Afrique fantôme" beleuchtet koloniale Raubkunst und die Praktiken ethnografischer Aneignung in Afrika. Leiris schildert seine Erfahrungen und Widersprüche als Surrealist und Ethnologe, wodurch er zum Antikolonialisten wird. Die Neuausgabe enthält auch seine Briefe an seine Frau.
Im Spiegel der Tauromachie gleitet Leiris Beschreibung der Corrida, des Stierkampfes in der Arena, zwanglos in eine Schilderung nahezu heiliger Zeremonien über, in die Beschwörung der mit Verderbnis sich paarenden Schönheit, in einen Versuch über den Tod und die Liebe.
Jede Verkleidung abwerfen und als Materialien nur wirkliche Tatsachen zulassen, so lautete die Regel, die ich mir erwählt hatte. In dieser Richtung war bereits durch Bretons Nadja ein Weg gebahnt worden. "§Mannesalter erschien in den dreißiger Jahre in Frankreich, als Michel Leiris, Ethonologe und Schriftsteller (1901-1990), schon nicht mehr zum engeren Kreis der Surrealisten gehörte. Seine Autobiographie ist ein Klassiker der Bekenntnisliteratur, worin sich "Kindheitserinnerungen, Erzählungen wirklicher Ereignisse, Träume und tatsächlich erlebte Eindrücke in einer Art von surrealistischer Collage überschneiden".
Das Buch dokumentiert nicht nur die Entwicklung einer herausragenden Figur der europäischen Intellektuellen-Szene, sondern darüber hinaus auch ein Jahrhundert im Spiegel eines Beobachters und Akteurs, von den surrealistischen 20er Jahren über die deutsche Besetzung von Paris und den Existenzialismus bis in die Gegenwart. Wenn es in unserem Jahrhundert einen Montaigne gegeben hat, dann in Michel Leiris, urteilte Jean Starobinski. Mit Mannesalter erfand er für seine Generation das Genre Autobiografie neu, in einer Mischung aus psycho-analytischer Allegorie und surrealistischer Montage, und mit der Tetralogie Die Spielregel führte er die Bekenntnisliteratur über das Literarische hinaus zu einer 'Oper des Selbst' (Rimbaud), deren Arien und Rezitative sich um ein verschwindendes Subjekt sammeln. Der Rohstoff all dieser konzentrierten Erkundungen, Forschungsreisen an den Ort des ›Ich‹, waren Notizhefte, die Leiris von 1922 bis 1989 führte. Er hielt in diesen Heften alles fest, was ihn bewegte: das politische Leben genauso wie seine Träume (aus denen später sein Buch Lichte Nächte und manch dunkler Tag, 1945, hervorging), Gespräche mit Künstlerfreunden (von André Breton bis Simone de Beauvoir) und ethnografische Gedankengänge ebenso wie sein Eheleben mit ›Zette‹ (Louise Godon), die im übrigen so etwas wie der rote Faden durch Leiris' Autobiografie ist und nach deren Tod seine Eintragungen versiegen.
Tagebuch einer Expedition von Dakar nach Djibouti 1931–1933. Zweiter Teil
414 Seiten
15 Lesestunden
Anfang der dreißiger Jahre führte Leiris während einer ethnologischen Expedition quer durch Afrika von Dakar nach Djibouti ein Tagebuch. Der Ertrag dieser Expedition ist eine mit allen Mühen der Feldforschung erworbene Kenntnis einiger afrikanischer Ethnien und eine mit allen Mitteln erbeutete Sammlung von Alltagskultgegenständen. Leiris nimmt an diesen Raubzügen teil und beschreibt seine obsessionelle Lust, seine Gier nach dem Besitz des Fremden. Mit kolonialistischem Gehabe, in Korruption und Lügen verstrickt, erfüllen die Ethnologen ihren Auftrag, das heimische Staatsmuseum aufzufüllen und den Ethnologie-Studenten Anschauungsmaterial zu liefern. Phantom Afrika dokumentiert die kolonialistische Herkunft der Ethnologie.
Inventar der Erinnerungen "La fière, la fière... November 1955. Ich kehre von einer neuen Reise zurück, deren Schauplatz diesmal der Ferne Osten hinter jenem Gebilde war, das die der Bourgeoisie das Wort redender Blätter unserer Länder noch immer "Eisener Vorhang" nennen. Von allen Reisen, die ich unternommen habe, hat zweifellos diese mich am meisten befriedigt. Aber warum ist sie, wenn sie mich so erfüllt hat, gleichzeitig auch jene Reise, die mich nach meiner Reise am ratlosesten zurückließ?"
The second volume of Michel Leiris's hugely influential four-volume autobiographical essay, available to English-language readers in a brilliant and sensitive translation by Lydia Davis One of the most versatile and beloved French intellectuals of the twentieth century, Michel Leiris reconceives the autobiography as a literary experiment that sheds light on the mechanisms of memory and on the way the unconnected events of a life become connected through invented narrative. In this volume, the second in his four-volume epic autobiographical enterprise, Leiris merges quotidian events with profound philosophical self-exploration. He also wrangles with the disillusionment that accompanies his own self-reflection. In the midst of struggling with his own motives for writing an autobiographical essay, he comes to the revelation that life, after all, has aspects worth remembering even if moments of beauty are bookended by misery. Yet what can be said of human life, of his own life, when his memory is unreliable, his eyesight is failing, and his mood is despairing?
Inventur der Erinnerung "Viel eher als eine logische oder zeitlich geordnete Folge werden diese Seiten - nach ihrer Fertigstellung oder Unterbrechung von außen - Archipel oder Sternbild sein, Bild des Blutspritzens, Auflodern grauer Materie oder letztes Erbrechen, womit mein Zusammenbruch (den ich mir nur als jähe Katastrophe vorstellen kann) den Himmel auf imaginäre Weise brandmarken wird. Sie hinlegen, verschieben und häufeln, wie man mit Spielkarten zum Erfolg Kommt. Anfügen, bald um das Mosaik zu ergänzen, bald um eine Lücke zu schließen. Weglassen, falls ich (missmutig) einsehen müsste, das Abschneiden das einzige Heilmittel ist. Umgekehrt: Einfälle aufgreifen und Dinge zulassen, die, sollte ich nicht mehr dazu kommen, herauszufinden und zu erläutern, wie sie sich zu allem Übrigen fügen, den Eindruck des Umgereimten machen werden. Zwar weiß ich in jenem Augenblick, was die Assemblage besagen will, doch bleibt mir verborgen, worauf sie hindeuten wird, sollte sie jäh erstarren wie ein Schicksal, das meine Hand nicht bestimmt hat, es sei denn, dass ich selbst das Spiel aufhalte, im Glauben, die Partie sei gelaufen, oder in der Annahme, dass dieser Wettlauf ohne mögliche Entscheidung offen bleiben müsse."
1929 gründete Georges Bataille die Zeitschrift 'Documents', die ein Experimentierfeld für künstlerische und wissenschaftliche Avantgarde war. Das "Kritische Wörterbuch" darin umfasst vielfältige Lemmata und betont, dass ein Wörterbuch den Fokus auf die Verrichtung der Wörter legen sollte, nicht nur auf ihren Sinn.
Dies ist eine umfangreiche Auswahl von Bacons englischen Schriften. Sie umfasst alle wichtigen literarischen Werke, auf denen sein Ruf basiert – die Advancement of Learning, die Essays (in ihren ersten und letzten Versionen) und die New Atlantis. Außerdem sind sechzehn weitere Werke enthalten, die seit über einem Jahrhundert nicht mehr nachgedruckt wurden und Bacons bemerkenswerte Fähigkeiten in Politik, Recht, Theologie und Poesie zeigen. Die Auswahlen sind detaillierter annotiert als in jeder anderen Ausgabe, mit besonderem Schwerpunkt auf der Erklärung von Bacons Sprache.
Útlá knížka, jíž se Lou Andreas-Salomé snažila roku 1927 vyrovnat s předčasnou smrtí Reinera Marii Rilka, není ani pouhou reminiscencí jejich mnohaletého přátelského vztahu, ani biografií v běžném slova smyslu. Na podkladě básníkových dopisů z let 1897-1926 nám autorka předkládá Rilkův portrét, fascinující hluboce jasnozřivými vhledy do problematiky umělcova nitra, které ji přivádějí až k úvahám o vztahu člověka k umění všeobecně a o dilematech, jež vhánějí tvůrčího člověka na práh života a smrti.
«Les méthodes de collecte des objets sont, neuf fois sur dix, des méthodes d'achat forcé, pour ne pas dire de réquisition. [...] Autant des aventures comme celles des enlèvements du kono, tout compte fait, me laissent sans remords, puisqu'il n'y a pas d'autre moyen d'avoir de tels objets et que le sacrilège lui-même est un élément assez grandiose, autant les achats courants me laissent perplexe... : on pille des Nègres, sous prétexte d'apprendre aux gens à les connaître et les aimer, c'est-à-dire, en fin de compte, à former d'autres ethnographes qui iront eux aussi les "aimer" et les piller.» Leiris, 1931.
Qui sont ces gens que nous appelons « les sauvages » ? Comment réagissent-ils par rapport à nous ? Sommes-nous certains de les « voir » et de les comprendre ? Là réside l'essentiel de la recherche ethnologique de Michel Leiris. Elle le conduit à s'interroger sur le colonialisme et sur le racisme, sur le sens de la culture, à montrer la pluralité des civilisations. Comme chez Montaigne, la quête d'un homme total se situe au centre de son œuvre littéraire. Ses écrits ethnologiques en sont l'indispensable complément.
Prvotina de l'écrivain français, poète et ethnologue, est également son unique roman, une apothéose de l'imagination et de la foi en la liberté de l'esprit.
Un chien qui engage la conversation avec un client dans un bistrot de province? Un cheval, de surcroît troyen, qui prend un drink au comptoir d'un bar de luxe? Rien d'étonnant à cela - dans les textes ici rassemblés, tous marqués d'une touche d'absurdité, le fantastique est comme naturel. Jeux de mots, spéculations ironiques, faux rêves, délires logiques, usage subversif de la rhétorique, tout concourt au divertissement du lecteur, à son ravissement, mais aussi, en filigrane, à cette entreprise de démystification de la littérature chère à Raymond Queneau.
Auf der Reise von Paris nach Rom ändert der Erzähler, ein Geschäftsreisender, seinen Entschluß, sich von seiner Pariser Frau scheiden zu lassen und seine italienische Freundin zu heiraten, weil er sich bewußt wird, daß er durch diese zweite Heirat seine erste Ehe nur wiederholen würde. Was die Reflexion auslöst, ist das Lösgelöstsein der Reisesituation, die durch die Unverbindlichkeit der Dinge und die Fremdheit der anderen Personen gekennzeichnet ist. Der Roman ist durchweg ein innerer Monolog in der zweiten Person, der vom Besteigen des Zuges in Paris bis zur Ankunft in Rom reicht. Dieser Monolog wird stimuliert und unterbrochen durch Verschiebungen von Raum und Zeit, den Wechsel von Reflexion und Traum, den Kontrast zwischen der fremden Umwelt und der inneren Entscheidung, durch die Erkenntnis, daß die Dinge, d. h. unser Verhältnis zu ihnen, sowohl eine mythenschaffende wie eine mythenzerstörende Qualität haben. Paris – Rom oder Die Modifikation ist eines der wichtigsten Werke des nouveau roman, der, die Experimente von Proust, Joyce und Faulkner weiterentwickelnd, in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem traditionellen Roman ein adäquates Ausdrucksmittel sucht.
En 1930, alors que, surréaliste dissident, il travaillait à la revue Documents, Michel Leiris fut invité par son collègue l'ethnographe Marcel Griaule à se joindre à l'équipe qu'il formait pour un voyage de près de deux ans à travers l'Afrique noire.Écrivain, Michel Leiris était appelé non seulement à s'initier à la recherche ethnographique, mais à se faire l'historiographe de la mission, et le parti qu'il prit à cet égard fut, au lieu de sacrifier au pittoresque du classique récit de voyage, de tenir scrupuleusement un carnet de route. Mais, tour personnel donné à cette pratique, le carnet de Michel Leiris glissa vite vers le "journal intime", comme s'il était allé de soi que, s'il se borne à des notations extérieures et se tait sur ce qu'il est lui-même, l'observateur fausse le jeu en masquant un élément capital de la situation concrète. Au demeurant, celui pour qui ce voyage représentait une enthousiasmante diversion à une vie littéraire dont il s'accomodait mal n'avait-il aps à rendre compte d'une expérience cruciale : sa confrontation tant avec une science toute neuve pour lui qu'avec ce monde africain qu'il ne connaissait guère que par sa légende ?