Lily Brett wurde in den USA zunächst nicht als Romanautorin bekannt, sondern als Lyrikerin. Unter dem Titel "Twenty Years" hat sie ihrem Mann, dem Maler David Ranken, zum 20. Hochzeitstag eine Gedichtsammlung gewidmet, die hier erstmals veröffentlicht wird. Die Gedichte sind Ausdruck einer tiefen Liebe und innigen Verbundenheit, die sich in kleinsten Gesten und vor allem in alltäglichen Situationen zeigt. Ob beim morgendlichen Aufwachen, beim Konzertbesuch oder beim Einschlafen – das "Ich" und das "Du" sind untrennbar miteinander verbunden, sind nur zusammen denkbar.
Lily Brettmacht sich auf eine Reise, die sie von Mexiko nach Berlin und Polen und zurück in ihre Wahlheimat New York führt, wo die Autorin die Anschläge des 11. September 2001 aus unmittelbarer Nähe erlebt. Offen und unverstellt schildert sie ihr Leben, ihre Gedanken, Gefühle, ihre Arbeit als Schriftstellerin und stellt wieder ihre unnachahmliche Kunst unter Beweis, schwere Themen in ein leichtes Sprachgewand zu hüllen. Die persönliche Welt wird in ihrem neuen Buch erschüttert wie in keinem anderen zuvor: Das Apartment, das sie zusammen mit ihrem Mann bewohnt, brennt komplett aus. Als endlich wieder Ordnung einzukehren scheint, bricht der Terrorangriff über Manhattan herein und stellen alles in Frage. »Was zählt? Was zählt wirklich?«
Es reicht schon eine Flugzeugentführung in einem weit entfernten Land, um Renia schreckensstarr zu machen. Sofort hängt sie sich ans Telefon und gibt ihrer leicht genervten Tochter Lola Anweisungen, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten hätte. Jedenfalls nicht zugeben, daß sie Jüdin sei, denn »jeder will immer zuerst die Juden umbringen«. Was ist das letztlich für ein Glück, daß Lola keinen Juden, sondern den blonden, blauäugigen Rodney geheiratet hat! Dabei hatte die Familie Lola einst nach Israel geschickt, damit sie sich ihre diversen nichtjüdischen Verehrer aus dem Kopf schlage. Aber Lola »verabscheute Israel vom ersten Augenblick an«. Schockierenderweise läßt sich Lola später von Rodney scheiden. Wieder eine mittlere Katastrophe. Und natürlich mischen sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde mit guten Ratschlägen in jedes Familiendrama ein. Bis Lola sich aus den Bevormundungen, Vorschriften und Ratschlägen befreit, bedarf es vieler kleiner Rebellionen.
Lily Brett vermag es wie kaum eine andere, einen humor- und doch liebevollen und dabei schonungslosen Blick auf ihr eigenes Altern zu richten – herrlich erfrischend!
Lily Brett erzählt von Begebenheiten ihres Alltags, davon, wie sie wildfremden Menschen auf der Straße zuwinkt, weil sie sie mit ihrem Mann verwechselt, wie sie Zeugin eines Speeddatings für Senioren wird und über die Anschaffung eines Dreirads für Erwachsene nachdenkt, von peinlichen Arztbesuchen und von Apple-Mitarbeitern, die sich ihr nur im Doppelpack gewachsen fühlen.
Lily Bretts Gedichte erzählen von der Liebe, der Sehnsucht und fundamentalen Familiengeheimnissen. Ihre Gedichte eröffnen ganze Welten, in denen sie ihre Rolle als Tochter, Mutter, Ehefrau und Freundin auslotet. In Momentaufnahmen setzt sie ihrer Familie ein Denkmal, ergründet beharrlich die Geschichte ihrer Eltern, die die Shoah überlebten. Präzise und konzentriert beschwört ihre Sprache die Macht der Erinnerung, ist lebenstrunken und wehmütig und besingt das Wunder des Überlebens mit leisen Worten und abgründigem Witz. Die Ausgabe präsentiert die Gedichte neben der Übersetzung auch im amerikanischen Original. In einem Vorwort erläutert Lily Brett ihre Auswahl, die sie für diesen sehr persönlichen, aufrichtigen Band getroffen hat.
Die „Auschwitz Poems“, 1986 erstmals erschienen, gehören zu den kraftvollsten unter Lily Bretts Gedichtbänden und wurden 1987 mit dem "Victorian Premier's Literary Award" ausgezeichnet. Die Gedichte der Tochter zweier Holocaust-Überlebender, illustriert von ihrem Ehemann, dem Maler David Rankin, berühren zutiefst durch die Klarheit und Schönheit ihrer Sprache, aber auch durch die unaussprechliche Trauer, die hinter ihnen steht.
„Lachen zu können ist eine Gnade“, sagt Lily Brett und schreibt wieder einmal mit so viel Humor von Ängsten, Hoffnungen und Problemen in ganz alltäglichen Situationen, dass man dieser großen Liebe zum Leben mit tiefer Bewunderung begegnet. „Erinnert in ihrer Leichtigkeit und Klugheit an Woody Allen.“
Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches, nichts Dramatisches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen: Soll sie ein koscheres Huhn kaufen, oder darf sie auf die Instanthühnerbrühe zurückgreifen? Kann sie sich von den reichen Gastgebern mit deren Mercedes zur Dinnerparty kutschieren lassen? Ihre Lebensgeschichte – sie ist die Tochter jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebt haben – ist immer präsent, und ihr Beruf – durch den sie häufig Begräbnisse zumeist völlig fremder Menschen besuchen muß – verstärkt das Gefühl für die Zerbrechlichkeit des Glücks.
»Zu viele Männer« – das sind nicht Liebhaber und Verehrer, sondern zu viele schuldige und gleichgültige Menschen auf den Straßen Polens. Das sind jene Männer, die über Antisemitismus lachen oder begeisterten Touristen in Krakau antisemitische Figuren verkaufen – es sind all jene Männer, die Ruth Rowax verfolgen. Sie ist eine neurotische, fitnesssüchtige, selbständige, emanzipierte Frau von Anfang Vierzig und überzeugter Single. Sie verdient als Leiterin eines Korrespondenzbüros viel Geld. Typisch New York. Doch Ruth Rowax ist Jüdin, Tochter zweier Auschwitz-Überlebender, in Australien aufgewachsen und nach New York geflohen. Sie beschließt, mit ihrem verwitweten Vater Edek Rowax nach Polen zu fahren, auf Spurensuche zu gehen. Warschau, Lodz und Auschwitz sollen die Stationen sein. Es ist eine Reise in die Traumata der zweiten Generation, in die Sprachlosigkeit und die unausgesprochene, tiefe Liebe zwischen Vater und Tochter.
»In Downtown Manhattan sah man oft einen Mann, der mit einem Papagei auf dem Kopf herumspazierte. Ein Papagei weckt in New York kein großes Interesse, ein Papagei auf dem Kopf eines Mannes schon.«
Lily Brett, die australische New Yorkerin mit europäischen Wurzeln, steckt mittendrin, und um die Stadt einzufangen, hält sie sich selbst den Spiegel vor. Hinreißend erzählt sie von ihren Nöten, einen halbwegs anständigen Büstenhalter im Greenwich Village zu erstehen, vom befremdlichen Anblick der Schoßhündchen in Regenmänteln und Sonnenbrillen, vom überbordenden Großstadtverkehr. Und zum Glück gibt es in dieser ziemlich hektischen Stadt auch Winkel der Ruhe und des Friedens, den Geruch von frisch gebackenem Brot und die entwaffnend ehrlichen Gespräche mit ihrer Kosmetikerin. Denn in Manhattan ist nichts unbedeutend und nichts selbstverständlich.
Lily Bretts Kolumnen sind Klassiker. Denn in der tragikomischen Mischung aus Autobiografie und kleinen Alltagsvignetten schimmern die großen Themen des Lebens durch.
In der jüdischen Gemeinde von Melbourne bleibt nichts verborgen. Jeder kennt jeden, jeder wird beobachtet, und alle tragen die Last des Holocaust, den ihre Eltern überlebt haben. Diese "Trauma der zweiten Generation" äußert sich in Essstörungen, Angst und einer gierigen Lebenslust. Ruthie Brot, eine der Hauptfiguren, sorgt sich um ihren Vater Moishe, der nach dem Tod seiner Frau in eine tiefe Trauer gefallen ist. Doch als ein "chinesisches Mädchen" auftaucht, entdeckt Moishe neuen Lebenswillen. Ruthie, von ihrem Ehemann Eddie vernachlässigt, beginnt eine Affäre mit Abe Lipshitz, dem Ehemann einer Freundin. Auch Harry, der Ehemann von Eddies Schwester Susan, hat eine Affäre und erkennt schließlich, dass es Susan ist, die ihm hilft, mit seiner Vergangenheit umzugehen.
In Bretts erstem Roman, der 1991 in Australien veröffentlicht wurde, zeigt sich ihre literarische Begabung und unverwechselbare Stimme. Die Charaktere sind vom Holocaust traumatisiert und leben in ständiger Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit. Mit Humor und Ehrlichkeit erzählt Brett von ihren intimen Lebensgeschichten und täglichen Dramen, die oft von den Erinnerungen an die Tragödien ihrer Eltern geprägt sind. Die Erzählungen sind oft amüsant und bieten einen tiefen Einblick in die komplexen Beziehungen und Herausforderungen der Protagonisten, die zwischen dem Vergessen und dem Erinnern schwanken.
Anhand von scheinbar alltäglichen Situationen erzählt Lily Brett vom Leben in New York. Ob sie den Besuch in einem Schönheitssalon beschreibt oder ein Telefongespräch mit ihrem Vater, ihre Texte zeichnen stets ein humorvolles Bild der Stadt und ihres Lebensgefühls; sie fügen sich aber gleichzeitig auch zu einem Selbstportrait der Autorin, die in New York lebt und seit Mai 1999 in der Wochenzeitung 'Die Zeit' über das Leben in dieser Metropole schreibt.
Ruth kann nicht begreifen, dass ihr Vater Edek, vor wenigen Wochen erst von Melbourne zu ihr nach New York gezogen, weit davon entfernt ist, einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Und dass Lebensabend überhaupt der falsche Begriff ist für den munteren Siebenundachtzigjährigen, der sich erst in Ruths Korrespondenzbüro nützlich zu machen versucht und wenig später ein Verhältnis beginnt mit der (viel zu jungen, wie Ruth findet) Polin Zofia (69). Als Edek zusammen mit Zofia und deren Freundin Valentina auch noch ein Restaurant an der Lower Eastside eröffnen will, das auf polnische Fleischbällchen spezialisiert ist, bangt Ruth gleichermaßen ums Erbe und um ihre Nerven.
Chuzpe ist Lily Bretts sprühender Roman über Väter und Töchter, polnische Küche und New Yorker Neurosen; eine Geschichte ernster Irrungen und komischer Wirrungen, erzählt mit genau der Mischung aus Witz, Wärme und Verstand, die Lily Bretts Stimme so unverwechselbar macht.
Lola Bensky ist neunzehn, als Keith Moon von The Who vor ihren Augen die Hosen runterlässt und Cher sich ihre falschen Wimpern borgt. Es sind die Sixties, und Lola ist als Reporterin in London und New York unterwegs, um Interviews mit Musikern zu führen. Sie unterhält sich mit Mick Jagger über Sex und Diäten, mit Jimi Hendrix über Mütter, Gott – und Lockenwickler. Ihre Leser sind vermutlich eher an Tratsch interessiert, aber Lola war schon immer etwas unkonventionell. Zum Glück ahnen ihre Eltern nichts davon, dass sie mit Menschen zu tun hat, die mit freier Liebe und Drogen experimentieren. Sie haben das Konzentrationslager überlebt, aber das würde sie ins Grab bringen. Und Lola fühlt sich schon schuldig genug, dass sie Übergewicht hat und keine Anwältin geworden ist. Doch sie ist fest entschlossen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.
»Lola Bensky« ist ein hinreißend komischer und herzzerreißend menschlicher Roman über Neurosen und die Last der Vergangenheit. Und eine fulminante Hommage an die großen, verrückten Heldinnen und Helden der Sixties.