"Wir sehen uns ins Auge, das Leben und ich"
- 583 Seiten
- 21 Lesestunden






Die aus einem alten holsteinischen Adelsgeschlecht stammende Fanny zu Reventlow (1871-1918) war um die vorletzte Jahrhundertwende eine der aufregendsten Figuren der Münchener Bohème. Berühmtheit erlangte sie vor allem durch ihre unangepasste und ausschweifende Lebensweise. Wechselnde Liebesbeziehungen, die Geburt eines unehelichen Sohnes und ihre Wohngemeinschaft mit verschiedenen Künstlern brachten ihr den Namen der „Skandalgräfin“ ein. Angesichts ihrer schillernden Biografie geraten Fanny zu Reventlows schriftstellerische Erfolge häufig in den Hintergrund. Die Autorin und Übersetzerin verfasste mehrere Romane, Novellen und Essays, die nicht nur kulturgeschichtlich relevante Einblicke in die Schwabinger Künstlerzirkel erlauben, sondern auch ein überzeugendes Beispiel satirisch-komischer Erzählkunst darstellen. Der vorliegende Band versammelt insgesamt 12 Kurzgeschichten, darunter „Das Logierhaus zur schwankenden Weltkugel“, „Der Herr Fischötter“ und „Das gräfliche Milchgeschäft“.
Bei ihrem ersten Roman, der 1901 unter dem Einfluß Ludwig Klages entstand, schildert Franziska zu Reventlow ein ungewöhnliches Mädchen- und Frauenschicksal um die Jahrhundertwende. Die Geschichte des Mädchens Ellen ist, nur leicht verschlüsselt, die Geschichte ihrer eigenen Kindheit und Jugend im Husumer Schloß bis zu ihren ersten Münchener Jahren und der Geburt ihres Sohnes. Eingestreut in den Roman sind, zum Teil fast wörtlich, Briefe an ihren Jugenfreund Emanuel Fehling.
Amouresken
Franziska Gräfin zu Reventlow: Romane. Von Paul zu Pedro. Herrn Dames Aufzeichnungen. Der Geldkomplex. Der Selbstmordverein. Herausgegeben von Else Reventlow, München: Langen Müller, 1976. Erstdruck: München (Albert Langen) 1912.
Franziska Grafin zu Reventlow: Herrn Dames Aufzeichnungen. "Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil" ist eine lesefreundliche Ausgabe in 16-pt-Schrift, herausgegeben von Michael Holzinger. Der vollständige Neusatz basiert auf der Erstausgabe von 1913 und enthält eine Biographie des Autors. In diesem Roman hat die Autorin zahlreiche Figuren aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis porträtiert, darunter den Schriftsteller Franz Dullberg (Dr. Gerhard), den Philosophen Paul Stern (Dr. Sendt), den Dichter Karl Wolfskehl (Professor Hofmann) und seine Frau Hanna (Lotte Hofmann). Weitere Charaktere sind der Schriftsteller Friedrich Huch (Heinz Kellermann), der Mysterienforscher Alfred Schuler (Delius), der Kunstgewerbler Bohdan von Suchocki (Orlonsky), der Schriftsteller Franz Hessel (Willy), O. A. H. Schmitz (Adrian), der Dichter Stefan George (der Meister), der Graphologe Ludwig Klages (Hallwig), ein Neffe der Dichterin Ricarda Huch (Konstantin), der Rechtsanwalt Dr. Alfred Fries (Georg) sowie Victor von Levetzow (Gardeleutnant) und Albrecht Hentschel (blonder Gutsbesitzer). Die Autorin selbst tritt als Susanna auf. Die Textgrundlage ist die Ausgabe von 1976, herausgegeben von Else Reventlow. Die Reihe wird von Michael Holzinger betreut, mit Umschlaggestaltung unter Verwendung eines Fotos von Reventlow aus etwa 1910.
Fanny zu Reventlow (1871-1918), eine schillernde Figur der Münchener Bohème, war bekannt für ihre unkonventionelle Lebensweise und zahlreiche Liebesbeziehungen. Neben ihrer skandalträchtigen Biografie verfasste sie auch bedeutende literarische Werke. "Der Selbstmordverein" ist ihr unvollendeter letzter Roman, postum 1925 veröffentlicht.
Franziska Grafin zu Reventlow: Der Geldkomplex. "Meinen Glaubigern zugeeignet" Edition Holzinger. Taschenbuch Berliner Ausgabe, 2013 Vollstandiger, durchgesehener Neusatz mit einer Biographie des Autors bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger Erstdruck: Munchen (Albert Langen) 1916. Textgrundlage ist die Ausgabe: Franziska Grafin zu Reventlow: Romane. Von Paul zu Pedro. Herrn Dames Aufzeichnungen. Der Geldkomplex. Der Selbstmordverein. Herausgegeben von Else Reventlow, Munchen: Langen Muller, 1976. Herausgeber der Reihe: Michael Holzinger Reihengestaltung: Viktor Harvion Umschlaggestaltung unter Verwendung des Bildes: Franziska Grafin zu Reventlow (Fotografie, um 1910)