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Wenn man die düsteren Gänge des Berliner Aquariums hinuntersteigt und in die „purpurne Finsternis“ eindringt, verstummt der Lärm des Lebens, aus dem wir kommen. Stille umgibt uns, und schließlich halten wir an: Wir sind am Grunde des Meeres. Hier gibt es keine Stimmen, keine Geräusche – nur die stumme Welt der unendlichen Tiefe. Glasscheiben an den Seiten spenden ein mattes, bläuliches Licht, das von der unterirdischen Behausung ausgeht. Diese Fenster blicken nicht in den Himmel, sondern ins Wasser; die schwere Masse des Meeres steht hinter den Scheiben. Tageslicht, das fern herabsinkt, durchleuchtet den flüssigen Kristall. In diesem Kristall leben und bewegen sich die wundersamen Geschöpfe der Unterwasserwelt. Pflanzen, die halb Pflanzen, halb Tiere sind, wurzeln am Boden und recken sich gierig nach den Fleischbrocken, die herabgesenkt werden. Fische mit klappenden Kiemen und großen, runden Augen ziehen vorbei. Einige sind so farblos, dass sie mit dem Boden verschmelzen, während andere in bunten Farben leuchten, als hätte ein Sonnenstrahl alle Regenbogenfarben in sich vereint. Krebse waten auf krummen Beinen durch den Sand, während mächtige Seeschildkröten mit flossenartigen Füßen umher rudern. All dies geschieht lautlos, in einer Welt, die man sieht, von der man jedoch nichts hört. Manchmal kommt es zu Kämpfen, die ebenfalls stumm ablaufen – ein stummes Ringen, Würgen und Töten.
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Tintenfisch, Ernst von Wildenbruch
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- 2023
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