Heinrich Mann (1871-1950) schrieb: "Den Roman des bürgerlichen Deutschen unter der Regierung Wilhelms ll. dokumentierte ich seit 1906. Beendet habe ich die Handschrift 1914, zwei Monate vor Ausbruch des Krieges - der in dem Buch nahe und unausweichlich erscheint. Auch die deutsche Niederlage. Der Faschismus gleichfalls schon: wenn man die Gestalt des ,Untertan' nachträglich betrachtet. Als ich sie aufstellte, fehlte mir von dem ungeborenen Faschismus der Begriff, und nur die Anschauung nicht. Mit dem Roman ,Der Untertan' kam ich früher als erlaubt. Er mußte die vier Kriegsjahre abwarten und wurde es wirklich: mit großen äußerem Erfolg bei allen Deutschen, denen der verlorene Krieg zuerst Bedenken über ihren Zustand aufdrängte." - Arnold Zweig würdigte den Roman mit den Worten: "Auf die beherrschten Schichten des deutschen Volkes blickten damals viele Könner des Wortes, mehr oder weniger mit der Fähigkeit begabt, das Wahrheitsgetreue zu sehen und zu zeichnen. Die führende Klasse aber sah und maß von der Helmspitze bis zur Schuhsohle kaum einer so unerbittlich wie der Dichter dieses Buchers ,Der Untertan'."
Das Kaiserreich Reihe
Diese Serie taucht tief in die deutsche Gesellschaft und Politik an der Wende zum 20. Jahrhundert ein. Anhand des Aufstiegs und Falls ehrgeiziger, aber moralisch kompromittierter Charaktere deckt sie den Heuchelei und Machtrausch auf, der die kaiserliche Ära prägte. Es ist eine scharfe Satire und ein eindringliches Gesellschaftsdrama, das die Natur von Autorität, Konformität und hohler Ambition erforscht.


Empfohlene Lesereihenfolge
"Die Armen" ist ein Roman von Heinrich Mann. Der Text wurde im Sommer 1916 in Oberbayern konzipiert, bis zum April 1917 in München geschrieben und erschien im August desselben Jahres. Der Roman handelt 1913 und 1914 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Diederich Heßling, Großindustrieller in Gausenfeld, beutet in seiner Papierfabrik die Arbeiter aus. Der junge Arbeiter Karl Balrich hält - seiner Ansicht nach - den Beweis in der Hand, dass er der Besitzer eines Teils von Heßlings Vermögen ist. Balrich will sich sein Recht selbst schaffen, indem er später einmal als Anwalt gegen Heßling prozessiert, um ihn wenigstens teilweise zu enteignen. In einem ersten Schritt bereitet sich Balrich auf das Abitur vor, um Jura zu studieren. Balrich wird kein Jurist, sondern zieht als einer der ersten deutschen Arbeiter mit fliegenden Fahnen gegen Frankreich ins Feld.