Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich, urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns, ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. ›Verfall einer Familie‹ - sein Untertitel scheint ihn einzureihen in eine bestimmte Gattung, aber »der Zug zum Satirischen und Grottesken«, der darin steckt, hebt ihn zugleich davon ab, gibt ihm einen eigenen Charakter, eigene Wirkung bis in die Gegenwart. Thomas Mann erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Den meisten Raum nimmt das Leben Thomas Buddenbrooks ein - »ein modernes Heldenleben«; sein Sohn Hanno wird einen langen Strich unter die Genealogie der Familie setzen und sich rechtfertigen mit den Worten: »Ich glaubte ... ich glaubte ... es käme nichts mehr ...« In den mehr als hundert Jahren seit seinem ersten Erscheinen hat der Roman unzählige Menschen in seinen Bann gezogen und hat bis heute nichts an Charme und Aktualität eingebüßt.
Hans Winkler Bücher




Die Welt ist ein unsicherer Ort. Millionen von Kriegsfl üchtlingen, Verfolgten und Armutsmigranten sind unterwegs – auch nach und in Europa. Über das Mittelmeer werden immer neue Wellen von Flüchtigen an die südlichen Küsten geschwemmt. 2014 sind in der EU 626.000 Asylanträge gestellt worden, um fast fünfzig Prozent mehr als im Jahr davor. In Österreich allein waren es 28.000. Dazu kommt eine starke europäische Binnenwanderung, die wegen der Freizügigkeit nicht steuerbar ist. Die europäischen Länder werden durch die Zuwanderung und den religiös-politischen Radikalismus zunehmend beunruhigt. Die etablierte Politik hat keine Antwort auf die Fragen der Protestbewegungen von rechts und links. Die alternden Gesellschaften Europas sind im Dilemma: Sie brauchen junge qualifi zierte Zuwanderer für den Arbeitsmarkt, können sich aber die Ankömmlinge nicht aussuchen. Viele Zuwanderer vergrößern nur das Heer der Arbeitslosen. Gibt es Grenzen für die Aufnahmefähigkeit? Was bedeutet die starke Zuwanderung für die Integration? Wie können die Immigranten in das Wertesystem einer liberalen westlichen Demokratie integriert werden?