Renate Sattlers Erzählungen verbinden in poetischer Sprache historische und gegenwärtige Themen und beleuchten unter anderem den Uranabbau in Kanada sowie die Vertreibung indigener Völker in Neuguinea. Sie thematisiert das tägliche Handeln im Kontext der Globalisierung und regt zur Reflexion über den Umgang mit Mensch und Natur an.
Der Leuchtturm von Gottesgnade soll verkauft werden. Für Fietje Strahlow, Sohn des letzten Leuchtturmwärters, ist der Turm Zentrum seiner Kindheit. Großprojekte sollen Geld in die Region bringen. Aber um welchen Preis? Als der Gemeinderat dem Hotel- und Wellnesskomplex zustimmt, sieht Fietje keine Chance mehr, sein Vaterhaus und das geschützte Biotop zu retten. Er resigniert und versucht, seine Frau Maline zur Auswanderung zu bewegen. Es kommt zum Streit. Fietje verschwindet. Maline bleibt allein. Monate später legt ein Einbaum in der Bucht am Turm an. Dem Boot entsteigt ein Fremder im seltsamen Gewand. Er bringt Nachricht von Fietje und soll sie über den Atlantik in die USA holen. Doch Maline will mit der Bürgerinitiative um die Natur ihrer Heimat und ihr reetgedecktes Haus kämpfen. In dieser angespannten Situation kommen Flüchtlinge in Gottesgnade an. Als das Flüchtlingsheim brennt, wird der Fremde Malines Verbündeter. Auf drei Zeitebenen erzählt Renate Sattler von Aus- und Einwanderung, Inbesitznahme und Verdrängung in Gegenwart und Geschichte. Sie führt zurück bis zur Gründung der englischen Kolonie in Virginia. Auf der Spur von Malines Großonkel folgt sie der Auswanderung aus Deutschland in die USA im 19. Jahrhundert. Die Handlungsstränge werden mit Mitteln des Magischen Realismus verknüpft.
Gerüche nach Yasmin und Weihrauch ziehen von der Karawanserei in Nikosia durch Zypern, über armenische Berge bis zur Straße von Messina. „Mir flieht die Stunde an der Promenade in Reggio. / Ich falte das Meer zusammen, bis es hinter meine Stirn passt.“ Zurückgekehrt von der Seidenstraße weht an der Ostsee Küstenwind, wo das Feuerschiff Lichtschlitze ins Nebelkleid schneidet. In Gebeten an Großmutter Mond bittet die Dichterin um Brot für die kleine Greta und für Wolodja um Frieden. „Sternenschaukel“ ist ein Fenster in innere, nahe und ferne Welten.