Aufgrochsen
- 119 Seiten
- 5 Lesestunden


An der Strecke, am Formel-1-Rennen in Monza, da bekommt man kaum etwas zu sehen. In zwölf "Bitzen" erzählt Roland Reichen Geschichten einer Familie, die am Rand steht. Hinterwäldlerisch, geplagt, zuweilen aufmüpfig ist der Clan. Seine Abstammungsgeschichte gründet im Hühndliwald. Viele Erwartungen und noch mehr satte Enttäuschungen, Drogen, alltägliche Gewalt und eine schonungslose Komik verbinden sich zu einer aberwitzigen Unterschichten-Familiensaga. Reichens Figuren sind unterprivilegiert, bevormundet, ausgestoßen; die aufrührerische Geste der Literatur besteht darin, den Figuren eine Stimme zu geben, und sei sie noch so holprig, noch so ungeschliffen, noch so unrecht. Denn diese Geschichten beugen sich weder einem begradigten Deutsch noch einem rücksichtsvollen. Reichens Prosa ist böse, wo sie nicht anders kann, lustig, wenn es halt so kommt, störrisch bis stur, weil es zählt.