Im Jahre 1989 brach die Sowjetunion zusammen. Für US-Imperialisten schuf diese Entwicklung sowohl eine Chance als auch ein Problem. Die Chance lag auf der Hand: Sie bedeutete, daß das Ziel, das amerikanische Imperium zu einem universellen zu machen, nicht mehr durch eine andere Macht vergleichbarer Stärke behindert würde. »In den zwei Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges«, berichtete Walter LaFeber, »führten die Vereinigten Staaten mehr militärische Interventionen durch als in den 45 Jahren zuvor, als sie diesen Krieg führten.« Gleichsam wichtig war, daß der Verlust des sowjetischen Feindes bedeutete, daß keine Rechtfertigung mehr für den Fortbestand der von den USA dominierten NATO existierte.
Prof. David Ray Griffin Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)






Das Ende des Kalten Krieges stellte für die Fürsprecher eines Amerikanischen Imperiums von wahrhaft globaler Reichweite eine Chance dar. Das Imperium konnte nun, ohne auf sowjetisch gestützten Widerstand zu stoßen, Länder übernehmen, die der wirtschaftlichen Dominanz der Vereinigten Staaten nicht offenstanden. Innerhalb der Elitemitglieder dieser Befürworter bestand jedoch eine Kluft hinsichtlich der Frage, wie aggressiv Amerika seine überwältigende dominante militärische Macht nutzen sollte, um seine Interessen durchzusetzen.
Die allgemeinste Lüge, die amerikanische Entscheidungsträger über den Vietnam-Krieg erzählten, war, daß sie – wie es im Jahre 1966 in einer offiziellen Erklärung hieß – wünschten, »lediglich sicherzustellen, daß die Süd-Vietnamesen das Recht und die Möglichkeit haben, ihr eigenes Schicksal zu kontrollieren.« Die Aufzeichnungen zeigen, daß die amerikanische Politik, von Anfang bis Ende, exakt auf das Gegenteil abzielte. Die überwiegende Mehrheit des vietnamesischen Volkes, sowohl im Süden als auch im Norden, wollte, daß ihr Land vereint und frei von Fremdherrschaft ist. Die Vereinigten Staaten verbrachten dreißig Jahre damit, dieses Verlangen zu vereiteln.
Wie dieser Text zeigt, waren die Dulles-Brüder – wie Stephen Kinzer in seinem Buch The Brothers (Die Brüder) aus dem Jahre 2013 dokumentierte – für einen Großteil des Chaos verantwortlich, das die Vereinigten Staaten während des Kalten Krieges (mit anhaltenden Auswirkungen bis heute) anrichteten. Nachdem Kinzer die Aussage von John Quincy Adams aus dem Jahre 1821 zitiert hatte, daß die Vereinigten Staaten »nicht auf der Suche nach Monstern ins Ausland gehen«, schrieb er: »Die Dulles-Brüder taten es jedoch.
Washington hat während des Ersten Weltkrieges mehrere Maßnahmen ergriffen, die im Nachhinein als erste Schritte in Richtung eines Kalten Krieges angesehen werden können, insbesondere die Maßnahmen zur Anwendung von Doppelmoral im Hinblick auf Interessenssphären. Nach dem Krieg unternahm Washington einige weitere solcher Schritte. Es ist wichtig zu erkennen, daß Washington in jedem Fall die Feindseligkeit initiiert hat. Das amerikanische Selbstverständnis, so legte Gore Vidal nahe, beruht in erster Linie auf Mythen, von denen einer darin besteht, daß »die Sowjets den Kalten Krieg begannen.« Die Bilanz zeigt jedoch, daß der Kalte Krieg, im Grunde genommen eine amerikanische Schöpfung war. Man kann zwar noch immer geschichtliche Überblicksdarstellungen zum Kalten Krieg, die von amerikanischen »Hofhistorikern« produziert wurden, lesen, die der stalinistischen und/oder kommunistischen Ideologie weiterhin die Schuld zuschreiben. Doch diese Darstellungen sind durch die Fakten widerlegt.
Während die Amerikaner selten mit den schäbigen Details des US-Verhaltens in der eigenen Hemisphäre in Berührung kommen, war die amerikanische Beteiligung an den beiden Weltkriegen Gegenstand zahlreicher Bücher, Filme und Fernsehsendungen. Es sind diese Berichte, die das Bild der Vereinigten Staaten als selbstloser Verteidiger von Freiheit und Demokratie für andere Völker in die amerikanische Psyche eingebrannt haben. Die Wahrheit hinter dem Bild stellt sich jedoch etwas anders dar. US-amerikanische Entscheidungsträger nutzten diese Kriege als Gelegenheit für zwei Quantensprünge zum Erwerb der Macht zur Errichtung eines Universalimperiums durch die Vereinigten Staaten.
Im Mittelpunkt der Sichtweise, daß der Zweite Weltkrieg der »gute Krieg« war, stand die Vorstellung, daß Amerika, als Reaktion auf Japans unprovozierten Überraschungsangriff auf Pearl Harbor (der mehr als 2000 Soldaten tötete, 18 Marineschiffe versenkte oder schwer beschädigte und 188 Flugzeuge zerstörte) in den Krieg eintrat. »Laut dieser Ansicht«, sagte der Historiker Stephen Sniegoski, »ist die Ursache des Krieges auf die bösartigen Bemühungen Japans, das von aggressiven Militaristen geleitet wurde, um den Fernen Osten und den Westpazifik zu erobern, zurückzuführen.«
Jonathan Schell schrieb dazu: Indem sie die Kampagne einen »Krieg« nannte, setzte die Regierung die gewaltige, technisch revolutionierte, amerikanische Militärmaschine in der Zeit nach dem Kalten Krieg in Bewegung, der seit über einem Jahrzehnt jeglicher eindeutiger Feind fehlte. Und indem sie das Ziel als generischen »Terrorismus« identifizierte und nicht als al-Qaida oder irgendeine andere Gruppe oder Liste von Gruppen, bewilligte die Regierung militärische Operationen überall auf der Welt.
Nachdem die US-Regierung Japan hereingelegt hatte, damit es Pearl Harbor angreift, attackierte sie Japan anschließend gnadenlos mit konventionellen Bomben und zwei Atombomben. Obwohl der größte Teil der Diskussion über das Abwerfen von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geführt wurde – zu Recht, weil Atomwaffen eine neue Art der Kriegsführung darstellten und jede Atombombe überaus zerstörerischer ist als jede konventionelle Waffe – war die konventionelle Bombardierung von Japan wahrlich schrecklich.
Seit den ersten Kriegsjahren in Afghanistan und im Irak ist die Bush-Doktrin hinsichtlich des militärischen Einsatzes von Drohnen – aus technischer Sicht: unbemannte Luftfahrzeuge – am bedeutsamsten geworden. Diese Art der Kriegsführung unterscheidet sich deutlich von der traditionellen Art: Statt gegen Armeen eingesetzt zu werden, werden militärische Drohnen dazu benutzt, Individuen zu töten, die sich in Kriegsgebieten, aber auch außerhalb derselben befinden können. Mit anderen Worten scheint der Drohnenkrieg Attentate einzuschließen.
Mehrere Neokonservative, darunter einige, die zu zentralen Angehörigen der Bush-Cheney-Regierung wurden, wollten, seit der Besetzung Kuwaits durch Saddam Hussein im Jahre 1990, einen Regierungswechsel im Irak herbeiführen. Führende Stimmen für diese Politik waren Cheney und Wolfowitz, damals Minister beziehungsweise Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Aber diese Idee wurde von General Colin Powell, der damals Vorsitzender des Vereinigten Generalstabes war, und General Norman Schwarzkopf, dem Feldkommandeur, abgelehnt. Präsident George H. W. Bush stimmte Letzteren zu und sagte, daß, weiter nach Bagdad vorzustoßen, wäre über das UN-Mandat hinausgegangen. Dies ließ viele Neokonservative mit der Entschlossenheit zurück, das zu korrigieren, was sie für einen Fehler hielten.
Bei der Frage, auf welche Weise ein neuer Weltkrieg ausbrechen würde, stimmen fast alle darin überein, daß er durch einen Krieg zwischen Amerika und Rußland beginnen werde. Aber was könnte einen solchen Krieg provozieren? ... Die Neokonservativen sehen Rußland als Haupthindernis für die Errichtung eines allumfassenden globalen Imperiums und wollen einen Regierungswechsel in Rußland herbeiführen.
Chaotischer Zusammenbruch kann auch als »kreative Zerstörung« bezeichnet werden. Der neokonservative Philosoph Michael Ledeen, der während der Reagan-Regierung an der Iran-Contra-Affäre beteiligt war, wurde 2003 als »treibende philosophische Kraft hinter der neokonservativen Bewegung« bezeichnet, deren »Ideen täglich von Richard Cheney, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz wiederholt werden.« Mit den Worten »kreative Zerstörung ist unser zweiter Vorname«, legte Ledeen nahe, daß die offenkundige Bestimmung Amerikas Gewalt im Dienste der Verbreitung der Demokratie ist.
Die dunkle Seite des Amerikanischen Imperiums: Amerikas Werdegang: göttlich oder dämonisch?
- 534 Seiten
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