Licht aus der Tiefe der Zeit
Predigten des lusitanischen Jesuitenpaters Antonio Vieira (1608-1697)
- 276 Seiten
- 10 Lesestunden
Vater António Vieira war nicht nur ein bemerkenswerter Prosaist, sondern auch der bekannteste portugiesische Religionsredner. Seine Prosa ist ein Beispiel für einen energischen und logischen Stil, bei dem der Satzbau über bloße barocke Virtuosität hinausgeht. Der Reichtum seines Wortschatzes, seine paradoxen Wendungen und überzeugenden Argumente, die bis heute Einfluss haben, zusammen mit einem manchmal kämpferischen Ton und subtiler Ironie, machen Vieiras Kunst bewundernswert. Seine Predigten spiegelten oft sozio-politische Probleme seiner Zeit wider und verteidigten die Rechte der Unterdrückten.






Predigten des lusitanischen Jesuitenpaters Antonio Vieira (1608-1697)
Der Sermon des heiligen Antonius an die Fische ist ein Werk von großer literarischer Bedeutung, das eine Vorstellungskraft umfasst, die über seine Zeit hinausgeht, eine sehr eloquente Redekunst und eine ausgeprägte satirische Kraft besitzt. Der Jesuitenpater nimmt die Fische als Verkörperung menschlicher Eigenschaften, sowohl der Laster als auch der Tugenden, und verwandelt sein Werk in eine Allegorie, in der der Mensch metaphorisch durch die Wasserlebewesen repräsentiert wird. Obwohl die Laster und Fehler, die die Fische repräsentieren, eine Reflexion der brasilianischen Kolonisten sind, die die einheimischen Indigenen ausbeuteten (und daher im Sermon scharf kritisiert werden), ist das Werk zeitlos — die Vielfalt der Fische, ihr Streben nach Macht und Herrschaft sowie die Gier, einander zu essen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, machen die Tiere so eng mit den Menschen verbunden, dass jede Epoche die Epoche des Sermons ist.