Pálina Jónsdóttir wächst im späten 19. Jahrhundert in einer abgeschiedenen Gegend im Osten Islands auf, am Fuß eines Gletschers, mit Blick auf gewaltige Gebirgszüge und das stürmische Meer. In einfachsten Verhältnissen lebend, in einer vielköpfigen Familie und großen, engen Hofgemeinschaft, schwankt sie zwischen Heimatgefühl und Fernweh, träumt von einer glücklichen, sonnigen Zukunft und fühlt sich doch auf der Mädchenschule in Reykjavík nicht wohl. Von Kind an leidet sie unter seelischen Spannungen, die sich, als sie selbst eine Familie gründet und in ihre Heimat zurückgekehrt ist, verschärfen. Die enge, ambivalente Beziehung zum Vater hat ihr Leben großen Belastungen ausgesetzt. „Im Schatten des Vogels“ ist Kristíns Steinsdóttirs dritter Roman für Erwachsene, eine auch autobiographisch geprägte und bewegende, poetisch geschriebene Geschichte vom Leid und Glück einer besonderen Frau.
Kristín Steinsdóttir Bücher
Kristín Steinsdóttir ist vor allem als eine der beliebtesten isländischen Kinderbuchautorinnen bekannt. Darüber hinaus hat sie auch zwei Bücher für Erwachsene verfasst. Ihre Fähigkeit, ein breites Altersspektrum anzusprechen, unterstreicht ihre Vielseitigkeit und bietet sowohl in ihren Kinder- als auch in ihren Erwachsenenwerken einzigartige Erzählstile und Tiefe. Während ihre Kinderliteratur große Beliebtheit genießt, bieten ihre Erwachsenenwerke eine andere, aber ebenso fesselnde Perspektive auf die menschliche Erfahrung.



Sie träumen von Reykjavík und einer Anstellung in einem feinen Haus: Guðfinna und Stefanía, zwei junge Mädchen vom Lande. Doch kaum in der Stadt angekommen, holt die Realität sie ein. Sie stranden in einer einfachen Hütte und müssen sich – genau wie ihre Wohngenossinnen - als Tagelöhnerinnen durchschlagen, als Waschfrauen und Kohleträgerinnen. Bis sich eines Tages eine Chance auftut, die einfach unwiderstehlich ist … „Hoffnungsland“ ist ein Roman über das Leben in Islands kleiner Hauptstadt Ende des 19. Jahrhunderts und die Geschichte einer Handvoll starker Frauen, die trotz aller Widrigkeiten und des Kampfes mit den gesellschaftlichen und patriarchalen Machtstrukturen die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben und denen mitunter unverhofft List und Liebe helfen. Kristín Steinsdóttir hat für ihre Bücher viel Anerkennung erhalten, nicht zuletzt für ihren mehrfach ausgezeichneten Roman „Im Schatten des Vogels“. Mit „Hoffnungsland“ legt sie einen weiteren, poetisch und anschaulich geschriebenen historischen Roman vor, der auf wahren Begebenheiten beruht.
Eigene Wege
Roman
Siegtrud, eine Witwe, lebt allein in Reykjavík und entdeckt die vielen Erlebnisse, die die Stadt bietet, ohne viel Geld auszugeben. Sie verteilt Zeitungen und erhält das „Morgenblatt“ kostenlos, was sie gut informiert. Ihre Tage füllt sie mit Beerdigungen, bei denen sie gerne mitsingt und beim Leichenschmaus isst, Wohnungsbesichtigungen mit Kaffee und Vernissagen mit Champagner. Sie ist genügsam, kennt das Alleinsein und genießt das Leben in vollen Zügen. Doch ein Koffer voller Erinnerungen ihrer Mutter weckt ihre Neugier: ein französischer Seidenschal, ein Bildband von Frankreich und ein Foto ihres Großvaters Magnús, der Franzose gewesen sein soll. Schon als Kind träumte Siegtrud von geheimnisvollem Frankreich. Eines Tages beginnt sie, in Archiven nach ihrer Herkunft zu forschen und lernt sogar Französisch, wenn auch mit starkem isländischen Akzent. Schließlich trifft sie eine Entscheidung: Sie packt den alten Koffer und begibt sich auf den Weg nach Paris. Auf anrührende und unsentimentale Weise erzählt Kristín Steinsdóttir von Siegtruds Lebensgeschichte, die den Wandel Islands von einer Bauernnation zu einer modernen Gesellschaft widerspiegelt. Es ist eine Hommage an Zufriedenheit, Phantasie und Mut.