„An einem Freitag wurde das Licht gekürzt, und es kam nicht wieder, die Schwalben waren verschwunden und gegen die Liebe, die Lästige, musste noch ein Medikament gefunden werden.“ Von der Liebe in den Zeiten von Corona und dass sie eigentlich auch nur eine Seuche ist, davon weiß Nikola Anne Mehlhorn in ihrer „pandemischen“ Prosa zu berichten
Nikola Anne Mehlhorn Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)




Der Mann ein Schlachter aus Tradition. Seine Frau eine Vegetarierin, der übel wird, wenn sie am Tresen »Kadaver« verkauft. Was hält die Liebe aus? Nikola Anne Mehlhorn hat diese gegensätzlichen Lebensweisen in klassisch-neuzeitlichem Mix zu einer literarisch-ironischen Moritat auf den Fleischkonsum und die Liebe verdichtet. Jan Kolb erbte die Schlachterei seiner Familie in Schleswig-Holstein. Seine vegetarische Ehefrau Lioba möchte daraus einen Bioladen machen. Doch die engen Finanzen behindern diese Planung. Nach fünf zähen Jahren verfestigt sich in Metzgermeister Kolb die Tradition, während Lioba hinterm Tresen mit wachsendem Ekel das Fleisch toter Tiere verkauft. Als Tierschützer Klaas den Laden betritt und Aktivisten der »pets«-Organisation die Schlachterei angreifen, kommt es zum amourösen Drama.
In "Windschrift Nord" erscheinen erstmals die drei Erzählungen "Brachmond," "Sternwerdungssage" und "Salzflut" in einer zum Teil bearbeiteten Fassung. Die Autorin erhielt für die ersten beiden Texte zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hebbel-Preis und den Hamburger Literaturförderpreis. Die Erzählungen sind als Trilogie angelegt und thematisieren das Wechselspiel zwischen individueller Freiheitssuche und gesellschaftlicher Normativität. Mehlhorns poetischer Stil schafft ein mächtiges Werk, das von Geburt über Erwachsenwerden bis zum Tod reicht, angereichert mit mythischen, abergläubischen und religiösen Motiven. Figuren wie zweiköpfige Zwillinge und Hundsmenschen ziehen den Leser in ihren Bann. Ihre Literatur behandelt das Unglück des Daseins mit wütender Radikalität und bezieht sich eindringlich auf das Drama des Einzelnen. Die Autorin kombiniert sprachliche Virtuosität mit einem feinen Sinn für Komik, was die Geschichten zu einem grandiosen Lesevergnügen macht. Ihre knappen Sätze besitzen eine Assoziationsdichte, die man sonst nur in der Lyrik findet. Mehlhorn gelingt es meisterhaft, die Klänge der Natur und den Gesang des Universums auf Papier zu bringen, was ihre Werke besonders eindrucksvoll macht.
Sternwerdungssage
- 79 Seiten
- 3 Lesestunden
Sie ist jung, Astronomin. Sie lebt in ihrem »großen Gutshaus auf der Griesenwarft, das am Ende seiner Kastanienallee mit dunklen Efeumauern über Watt und Wiesen sah«, zusammen mit Ole, dem Sanitäter, von dem sie ein Kind erwartet und den sie demnächst heiraten will. Sie ist auf der Suche nach Gottesbeweisen. Auf dem Hof hat sie ein »Deuskop« aufgebaut, ein teleskopartiges Gerät, mit dessen Hilfe Gott sichtbar gemacht werden soll. Sie hat Erfolg, die Zeitungen schreiben darüber. Das Dorf wird zur Attraktion für Schaulustige. Doch Gott zeigt sich nicht – und das Glück beginnt sich gegen ihr Haus zu wenden. Ein Geheimnis umgibt die Prosawelt von Nikola Anne Mehlhorn. Wie in ihrem Debüt, der hochgelobten Erzählung »Brachmond«, hat Nikola Anne Mehlhorn hier eine märchenhaft-surreale Welt erschaffen. Die »Sternwerdungssage« ist gebaut wie ein Musikstück, mit unverwechselbarer Aura: verfremdet und rätselhaft, kunstvoll und erschreckend zugleich. Die sprachlich beeindruckende Ballade vom unglücklichen Mädchen und einem unabwendbaren Schicksal entpuppt sich als skurril-brutale Moritat der fehlgeschlagenen Assimilation von Juden in Deutschland.