Dubravka Ugrešić war eine gefeierte Autorin, die Fiktion und literaturwissenschaftliche Forschung meisterhaft verband. Ihr frühes Werk umfasste Kinderbücher, doch bald verlagerte sie ihren Fokus auf tiefgehende Erkundungen literarischer Avantgarden und zeitgenössischer Prosa. Ihre eigene Fiktion, darunter Romane und Kurzgeschichten, erlangte in Jugoslawien bedeutende Anerkennung und inspirierte Verfilmungen. Nach Ausbruch des Krieges in Jugoslawien nahm Ugrešić eine starke nationalistische und pazifistische Haltung ein, die ihre kritischen Essays prägte. Ihre Werke, bekannt für ihre einzigartige Stimme und scharfsinnigen Einblicke in Gesellschaft und Kultur, wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und erhielten mehrere bedeutende europäische Literaturpreise.
Die Kultur der Lüge entstand als Reaktion auf den Zerfall Jugoslawiens, auf den unseligen Krieg in Kroatien wie in Bosnien. Die Essays analysieren, was in Ex-Jugoslawien geschieht: Aggression gegen den eigenen »Bruder«; künstlich herbeigeführte Amnesie; Rekurs auf nationalfaschistische Ideologien; Propaganda und Zensur; Folklorekitsch als Kultur der Lüge; Schriftsteller und Intellektuelle im Strudel des Nationalismus."
Das Museum der bedingungslosen Kapitulation im früheren Ostberlin ist ein geschichtsträchtiger Ort. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde dort die deutsche Kapitulation unterzeichnet, und in den 9oer Jahren war es Treffpunkt für Exilantinnen aus den Balkanländern, wurde zum realen und imaginären Ort, an dem sich jene Menschen versammelten, die überall Fremde sein müssen. Auch die Universitätsdozentin und Schriftstellerin Dubravka Ugreasic verließ ihr Land, als nach dem Zerfall Jugoslawiens der Bürgerkrieg Kroatien in Schutt und Asche legte, um als Gastprofessorin die Welt zu bereisen, von München über Lissabon und New York nach Berlin. In ihrem Roman Das Museum der bedingungslosen Kapitulation beschreibt sie die Topographie ihrer Flucht, webt sie einen Teppich der Erinnerung.
Neue Essays aus der Feder der »Philosophin des Bösen und des Exils« (Charles Simic). Scharf, witzig und ebenso unterhaltsam wie klug schreibt Dubravka Ugresic über unsere digitale Welt zwischen Selbstdarstellung und bloßer Nachahmung. Sie schreibt über Medienhetze und Heimatlosigkeit, über osteuropäische Fliegen und polnische Wasserinstallateure - uns seziert dabei dei Begriffe und Bilder, die wir uns von den Dingen machen. In ihrem neuen Essayband wendet sich Dubravka Ugresic dem zeitgenössischen Phänomen der digitalen Kultur zu, in der jedermann eingeladen ist, sich zu beteiligen - ohne Rücksicht auf Urheberrechte und ähnliche störende Nebensächlichkeiten. Ugresic entdeckt hier überraschende Parallelen zur Amateurkultur, wie sie im Kommunismus florierte: Während der Kommunismus unterging, so ihre These, konnte die Hauptidee des Kommunismus - die Selbstverwirklichung - überleben und umgesetzt werden - nicht zuletzt dank Bill Gates. Außerdem geht es in diesem Band um falsche Begriffe von Patriotismus, Angst vor Menschen, Minibars, die Autorin verteidigt ihr Recht, eine »Fremde« zu bleiben, sie zeigt anhand von Putins Imagestrategien, dass das Bild alles ist und der Inhalt nichts, sie erzählt Geschichten von jugoslawischen Gastarbeitern und polnischen Klempnern, von Europas neuer Unterschicht - den Obsessionen des modernen Weltbürgers.
Tanja Lucic arbeitet in Amsterdam als Dozentin für serbokroatische Literatur. Ihre Studenten stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Nebenbei jobben sie für die S & M-Ladenkette »Das Ministerium der Schmerzen«. Als Tanja ein »jugonostalgisches« Experiment durchführt, beginnt sich jeder Einzelne zu fragen, was von seinem zerbrochenen Leben noch zu retten ist.
Ironisch, spielerisch, voll doppelter Böden und mit einem wahnsinnigen, nicht nachzuerzählenden Plot; so lässt sich dieser Roman beschreiben. Die Geschichte beginnt mit dem Tod eines spanischen Dichters, der am Rand des Schwimmbeckens im Intercontinental Hotel ausrutscht, woraufhin eine Reihe von humorvollen und mysteriösen Ereignissen entfesselt wird. Spionage, osteuropäische Bürokratie, sexuelle Intrigen, Mord und bezaubernde Beispiele literarischer Gewichtheberkunst verleihen einem Schriftstellerkongress in Zagreb, der wie alle Schriftstellerkongresse weltweit nicht besonders interessant, vor allem mittelmäßig und klischeehaft zu verlaufen droht, eine ungeahnte Farbe. Am Rande und aus großer Entfernung begegnet der Leser dem Amerikaner Marc Stenheim und seinem Freund Pipo Fink, die sich in großen Mengen Alkohol ergehen und gleichzeitig in Minderwertigkeitskomplexen über ihre eigene Schriftstellerei schwelgen. Dies ist die perfekte Satire- und Schlüsselroman über die Einschränkungen und Absurditäten des Schriftstellerdaseins und gleichzeitig ein meisterhaftes Beispiel postmoderner Literaturtheorie. Und unterhaltsam, amüsant, lesbar... das vor allem auch.
-Baba Jaga ist eine böse und hässliche Greisin, der man nachsagt, sie fresse kleine Kinder. Sie ist eine mythische , Episodengestalt' und hat oft eine Schlüssel-, nie jedoch eine Hauptrolle. Wer möchte sich schon mit einer solchen Figur befassen!? Und dennoch ist Baba Jaga eines der ältesten archetypischen Bilder in der Geschichte der Menschheit, das in uns allen, Frauen wie Männern, tief verwurzelt ist. Bei der Entscheidung, sie zu meinem Thema zu machen, ließ ich mich vielleicht von einem Gerechtigkeitsgefühl leiten oder aber auch von dem kindlichen Wunsch, in Baba Jagas Hütte hineinzuschauen, hinter den Spiegel zu sehen. In literarischer Hinsicht war dies eine anspruchsvolle Aufgabe." Dubravka Ugresic
Dubravka Ugrešić, 1949 in Kutina geboren, ist eine kroatische Schriftstellerin. Sie studierte und lehrte an der Universität in Zagreb. Ihr Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Heinrich-Mann-Preis 2000. Ugrešić lebt und arbeitet als freie Autorin in Amsterdam.
The pieces collected in Lend Me Your Character—the novella "Steffie Cvek in the Jaws of Life" and a collection of short stories entitled Life Is a Fairy Tale— solidify Dubravka Ugresic's reputation as one of Eastern Europe's most playful and inventive writers. From the story of Steffie Cvek, a harassed and vulnerable typist whose life is shaped entirely by clichés as she searches relentlessly for an elusive romantic love in a narrative punctuated by threadbare advice from women's magazines and constructed like a sewing pattern, to "The Kharms Case," one of Ugresic's funniest stories ever about the strained relationship between a persistent translator and an unresponsive publisher, the pieces in this collection are always smart and endlessly entertaining.
Ugresic, ever the flaneur, wanders from the Midwest to Zuccotti Park, the Irish Aran Islands to Jerusalem's Mea Shearim, from the tristesse of Dutch housing estates to the riots of South London, charting everything from the listlessness of Central Europe to the ennui of the Low Countries. One finger on the pulse of an exhausted Europe, another in the wounds of post-industrial America, Ugresic trawls the fallout of political failure and the detritus of popular culture, mining each for revelation.