Wann gilt eine Person als alt? Und was bedeutet es für Individuen und die Gesellschaft, zu den Alten zu gehören? Die Menschen in Europa werden älter, oft bei guter Gesundheit. Dennoch gibt es die Alten nicht, denn Studien haben immer wieder eine hohe Variabilität in physischen, psychologischen, sozialen und kognitiven Faktoren gezeigt. Neue Bilder des Alters - die sportlichen, modischen, reiselustigen, kulturell interessierten, lebensfrohen, ehrenamtlich tätigen und selbstbestimmten Menschen über 65 Jahre - nehmen zu. Aber das Alter hat auch seine dunklen Seiten - Armut, Krankheiten, der Tod von Angehörigen, Einsamkeit, Unsicherheit über die Zukunft, Altersdepression und das Leiden unter dem Vergehen der Zeit. Die Autoren dieser Sonderausgabe zeigen ein vielschichtiges Bild mit zahlreichen Perspektiven auf das Alter - auch in den darstellenden Künsten von 1200 bis zur modernen Zeit. Es gibt Anlass zur Reflexion, zum Austausch und zum Handeln.
Margit Schröer Bücher



Schamgebeugt und schuldbeladen
Leidfaden 2022, Heft 3
Berührungen: Manchmal sind sie selbstverständlich, manchmal sehr intim. Oft beiläufig, gelegentlich bewusst. Manche nehmen wir kaum wahr und erinnern uns nicht an sie, andere haben für immer eine Bedeutung. Manche sind intensiv oder gehen gar unter die Haut und andere wiederum gehen zu nahe, überschreiten Grenzen. Berührungen können berühren – und Berührungen sind keine »Einbahnstraße«. Berühren wir, werden auch wir berührt und damit unser Dasein. Berühren sucht nach einer Antwort, die wir in der Begegnung finden. Warum braucht der Mensch überhaupt Berührung? Was lernen wir aus der Pandemie, in der Menschen in Pflegeinrichtungen und Sterbende in Kliniken plötzlich keine Nähe und auch keine Berührung mehr erfahren durften? Was passiert, wenn wir emotional zu sehr berührt werden, und ist Abgrenzung oder aber Nähe das beste Rezept, um uns davor zu schützen? Tattoos von Verstorbenen Menschen gehen »unter die Haut«, sind eingeprägt wie die körperlichen Erfahrungen, an die sich selbst Menschen mit Demenz erinnern können. In diesem Leidfaden-Themenheft gehen wir auf »Tuchfühlung«, wenn es um die körperlichen, emotionalen und seelischen Berührungen in unserer täglichen Arbeit geht.