"Wo liegt Amerika?" ist ein Kompendium von Stories der besten US-Autoren, die der Rowohlt Verlag im vergangenen halben Jahrhundert veröffentlicht hat: ein Buch, das die Vielfalt der zeitgenössischen US-Literatur aufzeigt, aber auch zum Neuentdecken oder Wiederlesen ermuntern soll. Denn: Die amerikanische Literatur prägt seit einem halben Jahrhundert unsere literarische Wahrnehmung. Deutsche Leser der älteren Generation lernten nach dem Krieg ihren demokratischen Geist schätzen, Lesern der mittleren Generation gab sie in den bewegten sechziger und siebziger Jahren Anleitung zum gesellschaftlichen Aufbruch, und jungen Lesern heute bietet sie die ganze Vielfalt einer multiethnischen Pop- und Subkultur, deren Ideen weltweit Anklang finden. Ob die hier versammelten Erzählungen den engsten Blick aufs Persönliche, Häusliche richten oder mit epischer Sicht die Welt umfassen - kennzeichnend für alle ist die Frage nach dem Glück des Einzelnen, also dem unsrigen, jenseits von Geographie und Politik. So wundert es nicht, dass die größte Nationalliteratur der Welt vielleicht auch ihre internationalste ist - Weltliteratur im doppelten Wortsinn. Mit Stories von Ernest Hemingway, Vladimir Nabokov, Henry Miller, Jack Kerouac, Thomas Pynchon, John Updike, Harold Brodkey, James Salter, Tony Morrison, Paul Auster, David Foster Wallace und Jeffrey Eugenides. Zudem enthält der Band eine bislang unpublizierte Story von Jonathan Franzen.
Thomas Überhoff Bücher



Amerikanische Erfindungen
- 208 Seiten
- 8 Lesestunden
Die Erzählungen der kanadisch-amerikanischen Autorin Rivka Galchen, «Amerikanische Erfindungen» verbinden Psychologie, Philosophie und Naturwissenschaften und führen ihre Protagonisten wie Leser immer wieder auf neues Terrain. So geht es, wenn man lernt, der eigenen Wahrnehmung nicht zu trauen. In einer dieser blühend phantasievollen Storys laufen einer Frau ihre Möbel davon. In einer anderen nimmt die Erzählerin eine Bestellung für Knoblauch-Huhn entgegen, ohne dem hungrigen Anrufer zu sagen, dass sie gar keine Imbiss-Bude ist. In einer dritten Erzählung geht es um Ehe, Beziehung und Einsamkeit. Eine Frau ignoriert beharrlich, dass ihr Mann einen Blog mit dem Namen Ich-hasse-meine-Frau-Dot-Blogspot-Dot-Com betreibt. All diese Storys, die zunächst so tun, als entstammten sie unserem realistischen Alltag, öffnen jählings verborgene Pforten in Schicksale und Welten, die uns nicht so vertraut sind. Ob die davonlaufenden Möbel, die Mysterien des Tunguska-Ereignisses, ein durch Geräusche sprechendes Haus oder die Finessen des Zeitreisens – das Phantasierte und das Erlebte, das Banale und das Erhabene sind in Galchens Welt nur durch eine zart irisierende Wahrnehmung getrennt. Wundersames geschieht, und zugleich stehen die Storys in geheimem Austausch mit kanonischen Erzählungen der Weltliteratur, von Gogols «Nase» über Keats «Ode an eine griechische Urne» bis hin zu Borges' «Aleph».
Twist
Roman