„Wann haben wir gemerkt, dass wir in einem neuen Land leben? Und woran? Und wie lernen wir, gegen den Wind zu atmen, der sich unheilvoll zusammenbraut und mit scharfen Böen in die Lungen drückt?“ 2024 startete ein ungewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Mit Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault wurden drei namhafte Autorinnen als „Überlandschreiberinnen“ ausgeschickt, um die Stimmung in Ostdeutschland zu ergründen, verborgene gesellschaftliche Brüche und Kipppunkte sichtbar zu machen. Während Manja Präkels gezielt zivilgesellschaftliche Initiativen und Brennpunkte in Brandenburg besuchte, bereiste Tina Pruschmann mit dem Fahrrad entlegene Regionen im sächsischen Erzgebirge. Barbara Thériault heuerte als Lokaljournalistin bei einer thüringischen Zeitung an, und Alexander Leistner folgte mentalen Entwicklungslinien, deren Anfänge teils noch vor 1989 zu verorten sind. So entstanden literarische Reportagen über die Normalisierung rechtsextremer Strukturen und Narrative, bedrohte Kulturvereine und Gedenkstätten, bizarre Infrastrukturprojekte in Ruinenlandschaften. Über Menschen, die wegsehen und schweigen, und solche, die tagtäglich ihr Bestes geben, um im tobenden Sturm der Umwertung aller Werte weiter gegen den Wind zu atmen.
Alexander Leistner Reihenfolge der Bücher (Chronologisch)



Das umstrittene Erbe von 1989
Zur Gegenwart eines Gesellschaftszusammenbruchs
- 376 Seiten
- 14 Lesestunden
Der Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 ist ein historisches Ereignis, dessen Gegenwartigkeit auf unvergleichbare Weise in der Gesellschaft des wiedervereinten Deutschlands zu spuren ist. Friedliche Revolution, Wiedervereinigung und die Folgejahre werden jedoch hochst unterschiedlich erinnert, interpretiert und angeeignet.Der Band widmet sich dieser Vielstimmigkeit und versammelt Beitrage zu unerwarteten Kontinuitaten zwischen der politischen Kultur heute und damals, zum Widerhall von 1989 in ostdeutschen Protestbewegungen der letzten 30 Jahre und zur Geschichte und Bedeutung popularkultureller Reprasentationen von 1989 in Musik, Literatur und Film. Auch die aktuellen Herausforderungen, vor denen die politisch-historische Bildungsarbeit zur DDR steht, werden thematisiert.